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Von Kapstadt zurück nach Deutschland

Unseren Gedanken und Erinnerungen nachhängend sitzen wir nun nach 373 Tagen und rund 35.000 Kilometern im Flugzeug von Kapstadt zurück nach Deutschland. Unseren Sprinter werden wir im Open-Top-Container nach Deutschland verschiffen. Die Investition der rund 4.000 Euro hätte sich eigentlich nicht mehr gelohnt, aber sonst bekämen wir unsere für das Carnet de Passages hinterlegten 5.000 Euro nicht zurück.
Es war eine lange Zeit, aber sie ist vergangen wie im Flug, und sie war aufregend, aber auch strapaziös. Einerseits freuen wir uns nun auf die Rückkehr nach Deutschland, andererseits bedrückt uns das Ende unserer großen Reise.

In Kapstadt haben wir acht Wochen lang gelebt, und die Stadt wäre ein so perfekter Ort zum Leben gewesen, wenn die sozialen Probleme dort nicht wären. Trotzdem wären wir gerne noch eine Weile geblieben. Wir hatten sogar versucht, Jobs zu finden. Doch wegen des Black Economic Empowerment Act gibt es kaum Jobs für Weiße. Viele junge, weiße Südafrikaner verlassen das Land in Richtung Australien oder Neuseeland. Schon gar keine Jobs gibt es für weiße Ausländer, es sei denn, sie verfügen über Kompetenzen, deren Bedarf Südafrika nicht aus dem Inland decken kann. Sprachkompetenz wäre da allen voran zu nennen, und in Kapstadt gibt es auch tatsächlich eine große deutschstämmige Gemeinde. Trotzdem reicht es meist nicht, Deutsch und Englisch zu sprechen, denn die Amtssprache der Buren ist ja Afrikaans.
Tatsächlich hätten wir die Möglichkeit gehabt, für Lufthansa oder Swiss Air in einem Callcenter zu arbeiten. Von den 500 Euro im Monat hätten wir uns aber kaum mehr als eine Wellblechhütte leisten können.

So freuen wir uns nun auch auf die Rückkehr nach Deutschland. Und wir sind gespannt, welche Abenteuer uns in unserer alten Heimat erwarten…

HIT THE ROAD!!!

Abschied von den AfricanDreamers

Auf einem Weingut in Stellenbosch treffen wir uns zum Abschied mit Fulco und Marielle, den „AfricanDreamers“.

Stellenbosch

Stellenbosch

Auch Fulco und Marielle sind bis nach Kapstadt gefahren, und Kapstadt bedeutet für sie das Ende ihrer Reise durch Afrika – ihres Traums von Afrika.

AfricanDreamers

Der Bus unserer niederländischen Freunde ist schon in einem 40-Fuß-Open-Top-Container unterwegs zurück in die Heimat, und auch sie werden nun den Heimflug antreten. Kennengelernt hatten wir Fulco und Marielle im Camp in Assuan, als wir gemeinsam mit den vielen anderen Afrikafahrern auf die Fähre über den Nassersee in den Sudan warteten. Den Weg durch die sudanesische Wüste haben wir gemeinsam bestritten und die gefährliche Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia gemeinsam überstanden. Wir haben Silvester im Nirgendwo der sudanesischen Wüste und meinen Geburtstag am tansanischen Strand gefeiert. Daraus ist eine Freundschaft geworden, und wir werden sie und ihre beiden niederländischen Schäferhunde Doerak und Djennis vermissen. Aber wir werden sie wiedersehen.

Christiane mit Fulco und Marielle

Fulco

Marielle

Fulco

Auch Benedikt kommt mit seiner Lebensgefährtin Amanda zur Verabschiedung. Wir hatten Benedikt im Blue Nile Sailing Club in Karthum kennengelernt. Benedikt ist ein deutschstämmiger Südafrikaner und lebt in Kapstadt. Er hat uns dort ein wenig in die Gesellschaft eingeführt.

Christiane mit Benedikt und Amanda

Zu Gast in Hout Bay und Kapstadt

Hout Bay ist ein weiterer Vor- und Badeort von Kapstadt, gelegen in einer malerischen Bucht und umgeben von markanten Bergen:

Hout Bay, Kapstadt

Dennis, Maike und die drei Kids, die wir im Camp in Kairo kennen gelernt und die uns zu sich nachhause in Hout Bay eingeladen hatten, sind von Johannesburg hierher gezogen. Zu unserer Überraschung treffen wir jedoch nur Maike und die Kids an – Dennis ist nicht da. Aber erst einmal ist die Freude über das Wiedersehen riesig, und das feiern wir bei einem Glas Wein!

Maike und Christiane

Jasmin

Jona

Janek

Es stellt sich heraus, dass Dennis tatsächlich nicht mehr bei der Familie ist. Maike hat sich von ihm getrennt. Einige Tage später sehen wir ihn noch einmal kurz, doch es gibt nicht mehr viel zu sagen.

Zu Maikes Haus gehört ein kleines Cottage, das sie uns in den kommenden acht Wochen für unsere Erkundungen Kapstadts großzügig zur Verfügung stellt. Wir revanchieren uns dafür ein wenig, indem wir im Haushalt helfen und auch für sie eine Website machen, denn Maike ist Goldschmiedin:

Maike Valcarcel

Kapstadt selbst ist eine Stadt wie andere auch und nicht zu vergleichen mit dem Charme manch europäischer Stadt. Was Kapstadt besonders macht, sind die einzigartige Lage am Fuß des Tafelbergs mit seinem namensgebenden Plateau, die traumhaft schöne Küstenlinie und deren viele Strände. Das macht Kapstadt zu einem wahren Paradies – wären da nicht die riesigen sozialen Probleme Südafrikas.

Waterfront, Kapstadt

Waterfront, Kapstadt

Waterfront, Kapstadt

Wir hatten es bereits angesprochen: Das Leben hier hat etwas vom Leben im goldenen Käfig. Maikes Haus beispielsweise befindet sich wie fast alle Anwesen hier in einer umzäunten und bewachten Neighbourhood. Überall hängen Schilder des hier wachhabenden Sicherheitsdienstes. Die einzelnen Anwesen sind zusätzlich durch Alarmanlagen, hohe Mauern und teilweise Elektrozäune obendrauf geschützt. Man kommt sich vor, wie im Hochsicherheitstrakt.
Und so ist es auch: Als wir eines Tages einen kleinen Spaziergang auf den kleinen Berg hinauf machen wollen, an dessen Hang sich Maikes Neighbourhood befindet, schaffen wir es gar nicht erst aus dem Wohngebiet heraus – bis auf den Eingang ist es zu allen Seiten hin hermetisch abgeriegelt. Überall schlagen Hunde an – keine kleinen Kläffer, sondern richtige, scharfe Wachhunde –, und wir können die zahlreichen Augenpaare, die auf und ruhen müssen, förmlich spüren.
Wenn man in Südafrika zur Oberschicht gehört – und dazu gehört man als Weißer praktisch automatisch –, läuft man nicht: Man fährt mit dem Auto. Man fährt mit dem Auto zur Arbeit, man fährt mit dem Auto zum Einkaufen, man fährt mit dem Auto an den Strand. Weiße Kinder fahren nicht mit dem Bus, sondern weiße Kinder werden von Ihren Eltern mit dem Auto zum Kindergarten, zur Schule und zu sämtlichen Freizeitaktivitäten gefahren.

In Hout Bay ist ein Grund dafür auch das Township, das sich unweit neben Maikes Wohngebiet befindet. Während unseres Aufenthalts in Hout Bay schwappt die Welle an Ausschreitungen gegenüber schwarzafrikanischen Ausländern auch in die Kapstadter Townships herüber, nachdem es zuvor schon im Johannesburger Township Alexandra zu Ausschreitungen gegen Wirtschaftsflüchtlinge aus Simbabwe gekommen war. Hütten wurden niedergebrannt, und in Johannesburg kamen bei den Ausschreitungen mehrere Menschen ums Leben.

Unser Sprinter hat auf dem langen und beschwerlichen Weg durch Afrika übrigens ganz schön gelitten. Die Servolenkung funktioniert nicht mehr, und auch ein Ölwechsel ist mal wieder fällig. Die Mercedes-Werkstatt in Kapstadt hat Terminvorlaufzeiten von stolzen drei Wochen, daher beschließen wir, den Sprinter in eine offene Werkstatt in Hout Bay zu bringen. Die Lenkung lassen wir generalüberholen, doch später in Deutschland wird sich herausstellen, dass der Sprinter so nicht mehr zulassungsfähig ist: 1.700 Euro in den Sand gesetzt, für einige hundert Euro mehr hätten wir eine komplett neue Lenkung bekommen. Außerdem wird sich der Turbo verabschieden, denn die Leute von der Werkstatt füllen beim Ölwechsel mehrere Liter zuviel neues Öl ein – das hat sich gelohnt. Am Schloss der Hecktür macht sich auch jemand zu schaffen, denn wegen seiner Größe passt der Sprinter nicht in die Werkstatt und steht tagelang draußen.
Noch ein weiterer kurzer Blick in die Zukunft: Das wird längst noch nicht alles gewesen sein. Inklusive neuer Lenkung werden wir bei Mercedes in Berlin 4.500 Euro für die erste Reparatur nach Afrika auf den Tisch legen. Wenig später auf einer von Brandenburgs Kopfsteinpflasterstraßen wird uns dann ein Stoßdämpfer durch die Karosserie brechen – sie ist auf Afrikas Pisten einfach zu sehr beansprucht worden. Selbst ein Sprinter mit Allradantrieb ist eben immer noch ein gewöhnlicher Sprinter und nicht wirklich für das Gelände geschaffen. Auf den ersten 10.000 Kilometern in Deutschland werden wir insgesamt einen Reparaturaufwand von 10.000 Euro haben – einen Euro pro gefahrenem Kilometer. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir den Sprinter natürlich nicht mehr nach Deutschland verschifft und reparieren lassen, aber dass es so schlimm werden würde, ahnten wir nicht.
Es soll aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass wir noch nie einen so schlechten Service wie bei der Mercedes-Nutzfahrzeugwerkstatt in Berlin erlebt haben – der Mercedes-Vorzeigewerkstatt für Nutzfahrzeuge in Deutschland überhaupt. Jedes Mal habe ich gebeten, sie sollen den Wagen genau durchchecken und alles reparieren, was in nächster Zeit notwendig werden wird. Trotzdem schaffen wir kaum eine längere Fahrt ohne Panne. Nach einer der vielen Reparaturen haben wir es mit dem Sprinter nicht einmal vom Hof der Werkstatt geschafft. Lapidare Antwort von Mercedes: „Das ist eben ein altes Auto.“

Zu Gast bei Planet Kids in Muizenberg

Auf dem Weg ans Kap sind wir bereits an der False Bay entlang gefahren, die für die dort häufig gesichteten Weißen Haie berühmt ist, und dorthin sind wir nun noch einmal zurückgekehrt. In Muizenberg, einem Vor- und Badeort Kapstadts in der False Bay, leben Christianes Freunde Andreas und Benita mit ihrem Sohn Luca, die vor mehreren Jahren nach Südafrika ausgewandert sind. Luca hat eine schwere Form von Autismus, einer geistigen Entwicklungsstörung. Er spricht nicht und hat hochgradig stereotypisierte Verhaltensweisen. Abweichungen von seinen bis ins Kleinste ausgeprägten Routinen haben schwere Schrei- und Wutanfälle zur Folge, bei denen er teilweise auch um sich schlägt – ein schwierige Situation für Andreas und Benita, mit der sie tapfer umgehen.

Andreas, genannt Andy, hat einen Weg gesucht, wie er sich um Luca kümmern und gleichzeitig Geld verdienen kann. Dabei kam er auf die Idee eines Indoor-Spielplatzes für behinderte und nichtbehinderte Kinder. Als wir ankommen, hat Planet Kids gerade eröffnet.

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Besuch bei Planet Kids in Muizenberg

Indoor-Spielplätze sind ein großer Trend in Südafrika, der wohl auch der Sicherheitslage hier geschuldet ist. Trotz des Endes der Apartheit sind die Unterschiede zwischen weiß und schwarz, arm und reich nach wie vor extrem. Nur eine kleine schwarze Oberschicht hat von den Umwälzungen profitiert, der Rest ist arm geblieben und verrichtet schlecht bezahlte Tätigkeiten für die Oberschicht. Das ist nichts anderes als eine moderne Form der Sklaverei. Schon auf dem Weg nach Muizenberg waren wir an Khayelitsha vorbei gefahren, dem drittgrößten Township Südafrikas und größten Township Kapstadts. Townships sind Elendsviertel. Kilometerweit bis zum Horizont erstreckt sich das Meer einfachster Behausungen. Man schätzt, das über eineinhalb Millionen Menschen in diesen zusammengezimmerten Hütten aus Wellblech, Holz, Pappe und Plastikplanen leben – eine umso erstaunlichere Zahl, wenn man bedenkt, dass Kapstadt insgesamt dreieinhalb Millionen Einwohner hat. Südafrika gilt als zweite Welt: Das bedeutet nichts anderes als die Koexistenz von erster und dritter Welt. Dementsprechend hoch ist die Kriminalitätsrate, und die weiß-schwarze Oberschicht schottet sich geradezu hermetisch von der Außenwelt ab. Das Leben spielt sich ab zwischen festungsartig gesichertem Eigenheim, Arbeitsplatz, Shopping Mall und bewachtem Strand. Die Strecken dazwischen werden ausschließlich mit dem Auto zurückgelegt. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es kaum und werden allein von der schwarzen Unterschicht genutzt. Das Leben in Kapstadt hat etwas vom Leben im goldenen Käfig.

Doch zurück zu Planet Kids. Andreas und Benita haben wirklich viel Liebe und Hingabe in dieses Projekt gesteckt. In den kommenden Wochen dürfen wir mitverfolgen, wie sich Planet Kids prächtig entwickelt. Einen kleinen Beitrag dazu leisten auch wir, denn wir machen die Website:

Planet Kids

Außerdem versuche ich, die Reisekasse aufzubessern, indem ich mich als Geburtstagsfotograf betätige. Geburtstage in Indoor-Spielplätzen zu feiern liegt in Südafrika genauso im Trend wie Indoor-Spielplätze selbst. Kinder in Aktion zu fotografieren ist eine echte Herausforderung – man muss unheimlich schnell sein, denn kaum eine Gelegenheit bietet sich länger als Bruchteile von Sekunden. Trotzdem können meine Ergebnisse sich sehen lassen – aus mir ist im Verlauf der Reise ein ganz passabler Fotograf geworden. Auch die Eltern lassen mitunter kaum eine Gelegenheit aus, vor der Kamera zu posieren. Tatsächlich verkaufen tue ich beim ersten Mal aber kein einziges Foto. Beim zweiten Mal habe ich dann mehr Glück, die Eltern kaufen alle 120 Fotos pauschal für umgerechnet 120 Euro. Dafür würde in Deutschland allerdings kein Fotograf auch nur einen Finger krumm machen, zumal das Aussortieren und Nachbearbeiten der Bilder mindestens genauso lange dauert wie der Fototermin selbst. Wenn man außerdem bedenkt, dass die Lebenshaltungskosten in Kapstadt mit denjenigen in Berlin vergleichbar sind, wird deutlich, wie schwer dieses Geld verdient ist. Daher werden wir uns in Kapstadt nach anderen Verdienstmöglichkeiten umsehen, um die Reisekasse aufzubessern.

Kap der Guten Hoffnung

Es ist ergreifend, nach einer so langen Reise an einem magischen Ort wie dem Kap der Guten Hoffnung anzukommen, auf den Klippen zu stehen und auf die Weite des Ozeans zu blicken. 313 erlebnisreiche Tage und rund 35.000 strapaziöse Kilometer auf Straßen und Pisten liegen hinter uns. Wir haben wahnsinnig viel erlebt, wahnsinnig viel gesehen, aber auch gelitten unter den Strapazen. Das sicherheitsbedingte Fahren von Camp zu Camp war zermürbend und lag wie ein Schatten über der gesamten Reise durch Afrika. Außerdem erschwerte es den Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Erschöpft genießen wir nun diesen bewegenden Moment des Ankommens und stoßen mit einem Gläschen Jägermeister an, das wir uns für diesen Anlass aufgehoben haben.

Kap der Guten Hoffnung

Bucht

Bucht

Welle

Welle

Kap der Guten Hoffnung

Weinprobe bei Ernie Els in Stellenbosch

Kurz vor Kapstadt liegt Stellenbosch, die größte Weinregion Südafrikas und nach Kapstadt die zweitälteste von Europäern gegründete Siedlung im heutigen Südafrika. Malerisch gelegen in einer Gebirgslandschaft präsentieren sich die Weinberge und Weingüter rund um Stellenbosch.

Stellenbosch

Eines der zahlreichen Weingüter besuchen wir und machen eine Weinprobe: das des ehemaligen Golfprofis Ernie Els. Ernie selbst treffen wir zwar nicht an, aber das tut unserem Genuss keinen Abbruch. In stilvollem Ambiente verköstigen wir wunderbare Weine und genießen den traumhaften Ausblick über Stellenbosch. Ja, da kann man schon mal neidisch werden!

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Weinprobe bei Ernie Els

Ronnies Sex Shop und Kap Agulhas

Von den Cango Caves aus sind wir einer weiteren berühmten Route Südafrikas gefolgt, der Route 62. Die Route 62 verbindet Kapstadt mit Port Elisabeth und führt durch überwiegend ländliche Regionen. Bis zum Bau der N2 im Jahr 1958 war sie die wichtigste Verbindung zwischen den beiden Städten. Sie ist weit weniger frequentiert als die bei den Touristen beliebte Garden Route, aber nicht minder sehenswert. Die insgesamt rund 850 Kilometer lange Route verläuft durch zahlreiche Weinbauregionen und ist die längste Weinstraße der Welt. Dabei führt die Route 62 auch durch die Karoo, eine Halbwüste in der Hochebene Südafrikas, nördlich der Großen Randstufe – und vorbei an Ronnies Sex Shop.
Ronnies Sex Shop ist ein weltberühmter Pub und hat mit einem Sex Shop eigentlich gar nichts zu tun. Nachdem Ronny, inzwischen ein älterer Herr geworden mit weißem Rauschebart und gutmütiger Erscheinung, vor vielen Jahren eröffnete und Ronnies Shop an die Außenwand schrieb, erlaubten sich seine Kumpels einen Scherz und machten daraus Ronnies Sex Shop. Anfangs war Ronny ziemlich sauer, doch dann konnte er sich vor Kundschaft kaum noch retten. Jeder, der vorbei fuhr, war neugierig auf den Sex Shop mitten in der Wüste – mitten im Nirgendwo. Und viele hinterließen ein Souvenir: Unzählige BH’s hängen von der Decke und zeugen von fröhlichen Abenden.

Ronnies Sex Shop

Auf dem Weg zu unserem großen Ziel Kapstadt und dem Kap der Guten Hoffnung weichen wir noch einmal von der direkten Route ab und fahren erneut an die Küste. Wer an das Kap der Guten Hoffnung denkt, denkt dabei meist auch an den südlichsten Punkt Afrikas. Doch nicht das Kap der Guten Hoffnung ist der südlichste Punkt Afrikas, sondern Kap Agulhas. Kap Agulhas ist es auch, das die Ozeane teilt in den Atlantischen Ozean im Westen und in den Indischen Ozean im Osten, der uns bisher auf dem Weg durch Südafrika begleitet hat.

Kap Agulhas

Kap Agulhas

Kap Agulhas

Kap Agulhas

Kap Agulhas

Rust en Vrede und Cango Caves

Nur einen kurzen Abstecher von der Garden Route entfernt liegen Rust en Vrede und die Cango Caves. Beides liegt inmitten einer wunderschönen Gebirgslandschaft, die sich uns in leuchtendsten Herbstfarben präsentiert.

Rust en Vrede

Afrikaans ist eine der elf Amtssprachen in Südafrika und die Sprache der Buren – eine eigenwillig, aber freundlich klingende Sprache, die sich aus dem Neuniederländischen des 17. Jahrhunderts entwickelt hat. Charakteristisch sind das rollende R und das A, das langgezogen und beinahe wie ein O gesprochen wird. Rust en Vrede ist Afrikaans und bedeutet Ruhe und Erholung, und die finden wir hier an einem netten kleinen Wasserfall.

Rust en Vrede

Nach der kurzen Verschnaufpause geht es weiter zu den Cango Caves bei Oudtshoorn. Die Cango Caves gehören zu den größten Tropfsteinhöhlen der Erde.

Cango Caves

Die Cango Caves wurden 1780 von einem Farmer entdeckt, als eines seiner Schafe in einer Felsspalte feststeckte und er sich an einem Seil herunterließ. Richtig erforscht wurde das weit verzweigte Höhlensystem jedoch erst rund 200 Jahre später, noch bis 1975 wurden immer neue Höhlenbereiche entdeckt.

Cango Caves

Cango Caves

Cango Caves

Wandern im Goukamma Nature Reserve

Und weiter geht es zur nächsten Naturschönheit an der Küste, dem Goukamma Nature Reserve bei Knysna und Lake Pleasant. Es liegt im Herzen der berühmten Garden Route, einem der schönsten und beliebtesten Reiseziele Südafrikas. Die Garden Route ist der Streckenabschnitt der N2 zwischen Humansdorp kurz hinter Port Elizabeth und Swellendam, wobei ihr Herzstück der Abschnitt zwischen Mossel Bay und der Storms River Mündung im Tsitsikamma National Park ist.
Eigentlich wollten wir im Tsitsikamma National Park den weltberühmten Otter Trail laufen, doch als wir dort ankamen mussten wir feststellen, dass wir ein Jahr im Voraus hätten buchen müssen – na toll. Der Otter Trail läuft 5 Tage und 80 Kilometer entlang der Küste parallel zur Garden Route.
Historisch betrachtet verläuft die Garden Route übrigens in der Gegenrichtung, denn entlang dieser Route verlief eine der ersten Siedlungsbewegungen der Buren. Die Buren, die sich selbst Afrikaners nennen und im Deutschen früher auch als Kapholländer oder Weißafrikaner bezeichnet wurden, sind die europäisch stämmigen Einwohner Südafrikas und Namibias. Sie stammen von den zumeist niederländischen, aber auch deutschen und französischen Siedlern ab, die sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts am Kap der Guten Hoffnung niederließen.

Als Ersatz für den Otter Trail machen wir nun zumindest eine Tageswanderung im Goukamma Nature Reserve. Sie führt kilometerlang durch eine weitläufige, unberührte Dünenlandschaft mit traumhaften Ausblicken auf das Meer und den natürlichen Sandstrand, auf dem wir dann auch zurück laufen. Allerdings kommt die Flut, und der Strand wird immer schmaler. Zurück in die Dünen führt kein Weg, und wegen ihrer steilen und hohen Abbruchkanten besteht keine Chance, vom Strand weg zu kommen. Am Ende wird es ganz schön knapp, und wir sind froh, keine nassen Füße zu bekommen oder gar den Rest in der rauen See schwimmen zu müssen.

Goukamma Nature Reserve

Goukamma Nature Reserve

Goukamma Nature Reserve

Goukamma Nature Reserve

Goukamma Nature Reserve

Goukamma Nature Reserve

Goukamma Nature Reserve

Hole in the Wall und Port Alfred

Zurück auf der N2 haben wir weiter Kurs auf Kapstadt genommen. Nachdem die N2 zunächst unmittelbar entlang der Küstenlinie verlaufen war, führte sie zuletzt für eine ganze Weile weiter durch das Landesinnere in einem Abstand von 50 bis 100 Kilometern zur Küste. Die Küste ist dort nur über Stichstraßen erreichbar, und einen solchen Abstecher haben wir zur Coffee Bay gemacht, Südafrikas bestem Surfspot. Die Saison ist allerdings schon vorüber, so dass der kleine Badeort ziemlich verlassen ist. Trotzdem genießen wir von unserem hoch auf den Klippen gelegenen Camp aus den grandiosen Blick auf die Bucht und das tosende Schauspiel hineinrollender Wellen.

Auf eine Empfehlung hin fahren wir ein Stück weiter über Schotterpisten zum Hole in the Wall. Das Hole in the Wall ist ein großes, von Wellen ausgehöhltes und durchspültes Loch in der Mitte eines riesigen, freistehenden Monolithen. Für das dort ansässige Volk der Xhosas spielt es eine große, mythologische Rolle – was wir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wissen und auch nicht ahnen.
Einige hundert Meter entfernt vom Felsen erreichen wir einen kleinen, natürlichen Parkplatz am Ende der Straße. Ein paar jugendliche Xhosas verschiedenen Alters hängen auf dem Parkplatz herum, und mir ist die Situation nicht ganz geheuer. Einer der Jüngeren soll uns zum Felsen führen, doch wir geben ihnen zu verstehen, dass wir alleine gehen möchten. Zunächst folgt er uns dennoch, aber nach einer erneuten Zurückweisung lässt er uns dann schließlich doch in Ruhe. Geld gebe ich ihm keines. Dass wir uns auf dem Land der Xhosas befinden und das ihr Weg ist, ein klein wenig Geld aus ihrem Eigentum zu machen, kommt mir in diesem Moment nicht in den Sinn.
Als wir zum Parkplatz zurückkehren und in den Sprinter einsteigen, kommt einer der Älteren zu mir ans Fenster und fordert Geld dafür, dass er auf den Wagen aufgepasst habe. Das hat für uns natürlich einen Beigeschmack, denn vor wem, wenn nicht vor ihm und den anderen selbst, hätte er unser Eigentum schützen sollen?
Dass diesbezüglich in Südafrika aufgrund der gesellschaftlichen Probleme eine Art stillschweigendes Übereinkommen besteht, werden wir erst später in Kapstadt mitbekommen. Wenn jemand seinen Wagen irgendwo öffentlich parkt, ist da immer auch ein Schwarzafrikaner, der etwas Trinkgeld dafür erhält, dass er auf das Fahrzeug aufpasst. Das ermöglicht denjenigen, abseits der Kriminalität zumindest ein klein wenig Geld zu verdienen.
In dieser Situation weiß ich allerdings noch nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich entscheide mich falsch, weigere mich zu zahlen, und wir brausen davon. Aufgebracht rennt der so Geprellte uns hinterher, kürzt durch das anliegende Dorf ab und versucht uns den Weg abzuschneiden. Mich langsam sichtlich bedroht fühlend und ohnehin angespannt gebe ich Gas, so dass er zur Seite springen muss. Im Nachhinein schäme ich mich für die ganze Aktion, im Sinne der Völkerverständigung war das sicher nicht.

Nach dieser unerfreulichen Episode erreichen wir am Spätnachmittag Port Alfred. Hier gibt es einen kleinen Leuchtturm wie aus dem Bilderbuch auf einer Anhöhe vor der Küste, und man hat einen wunderbaren Blick über die Dünenlandschaft der weitläufigen Küste. Die Gelegenheit nutzen wir, um auch ein paar Fotos von uns zu machen.

Port Alfred

Port Alfred

Port Alfred

Port Alfred

Port Alfred

Port Alfred

Port Alfred

Drakensberge

Wir haben von der N2 einen Abstecher in die Drakensberge im Landesinneren am Rande Lesothos gemacht. Geologisch betrachtet ist Südafrika ein Binnenhochland, das in Süden, Westen und Osten von Randschwellengebirgen begrenzt ist. Zum östlichen Rand gehören die Drakensberge, die höchste Gebirgskette Südafrikas mit einer Höhe von bis zu knapp 3.500 Metern. Ein Teil der Drakensberge wurde zum Nationalpark und im Jahr 2000 von der UNESCO zum Welterbe erklärt.

Südafrika liegt ähnlich weit vom Äquator entfernt wie Europa, die meteorologischen Jahreszeiten sind daher ähnlich ausgeprägt, aber entgegengesetzt. Während in Europa der Frühling herrscht, ist hier der Herbst eingezogen, und in den vergangenen Tagen hat es viel geregnet. Was in den niedrig gelegenen Küstenregionen als Regen herunter gekommen ist, hat in den höheren Lagen der Drakensberge eine erste, dünne Schneeschicht hinterlassen. Dazu scheint die Sonne, die Drakensberge und ihr landwirtschaftlich geprägtes Umland zeigen sich von ihrer schönsten Seite.

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Fünf Tage verbringen wir in den Drakensbergen und übernachten auf einer Farm. Das noch recht junge Paar hat sie frisch übernommen, und wir sind ihre ersten Gäste. Den Platz für unseren Sprinter dürfen wir uns aussuchen. Vor dem Haus ist eine große Rasenfläche, die an einen kleinen See angrenzt. In großem Bogen kurve ich am Ufer vorbei über den Rasen, bis sich plötzlich nichts mehr bewegt. Peinlich, der Sprinter steckt tief im durchfeuchteten Boden einer flachen Senke. Wo eben noch gepflegter Rasen war, ist nun eine meterlange Spur der Verwüstung, und sie endet genau dort, wo unser Sprinter steht. Doch unsere Gastgeber nehmen es gelassen. Sie rufen einen benachbarten Farmer, der den Sprinter mit seinem Traktor aus der misslichen Lage befreit.

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Mit zur Familie gehören zwei Jack Russell Terrier, der eine schon etwas betagt und behäbig, aber eine echte Seele, der andere ein Energiebündel, wie die Welt es noch nicht gesehen hat. Das liebste Spielzeug von Jack, dem Energiebündel ist ein Tennisball, dem er wie ein geölter Blitz hinterher jagt, wenn man ihn wirft oder noch besser kickt. Das macht er stundenlang, ohne müde zu werden. Und wenn der Mensch dann nicht mehr kann, setzt er sich mit dem Ball vor ihn hin und wartet. Hin und wieder rollt er den Ball dann mit der Schnauze ein Stück näher, um seiner Motivation Ausdruck zu verleihen. Wer kann da noch widerstehen?

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Ganz so heil ist die Welt dann allerdings doch nicht, denn ein menschliches Familienmitglied kann nicht bei uns sein. Unsere Gastgeber haben einen Sohn, der nun in Australien lebt, nachdem er nach seiner Ausbildung in Südafrika keinen Arbeitsplatz finden konnte. So ergeht es immer mehr weißen Südafrikanern seit der Abschaffung der Apartheit und aufgrund diverser Bemühungen zur Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung – zuletzt durch den Black Economic Empowerment Act (BBE) von 2003. Das soll für uns selbst später noch zum Problem werden, als wir versuchen, in Kapstadt Jobs zu finden.

Aber noch einmal zurück zu den Drakensbergen, denn sie sind bekannt für die klare Luft abseits dichter Besiedlung, die Vielfalt ihrer Gebirgsformationen, die zahlreichen Wasserfälle, die Vogelwelt und die vielen Wildblumenarten. Obwohl es Herbst und das Grasland schon braun ist, finden wir eine beeindruckende Pflanzenvielfalt vor, darunter verschiedene Distel- und Proteenarten. Die Königsprotea, deren Blüte einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern erreichen kann, ist Südafrikas Nationalblume, ihre Farbenpracht einzigartig in der Pflanzenwelt.

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Drakensberge

Rocky Bay bei Durban

Vom Krüger National Park aus haben wir Johannesburg, mit rund vier Millionen Einwohnern größte Stadt Südafrikas, aber auch die Stadt mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate, rechts liegen lassen und Swasiland durchquert. Nun sind wir mit Fernziel Kapstadt unterwegs auf der N2, Südafrikas wichtigster Nationalstraße entlang der Küste des Indischen Ozeans.

In den vergangenen Tagen hat es viel geregnet, so dass es in Swasiland für uns keinen Anlass zum Verweilen gab. Swasiland hält einen traurigen Rekord: Es ist das Land mit der weltweit höchsten AIDS-Rate von über 40 Prozent. Generell hat das südliche Afrika die weltweit höchsten AIDS-Raten. Südafrika selbst hat eine AIDS-Rate von rund 20 Prozent.

In St. Lucia, einem kleinen Ort auf einer schmalen Landzunge an der Mündung der Lake St. Lucia Lagune, haben wir uns ein paar Tage erholt, die weitläufigen Strände genossen und dabei aufgepasst, dass wir den Flusspferden und Krokodilen in der Lagune nicht zu nahe zu kamen. Der Hafenstadt Durban, nach Johannesburg mit rund drei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt und der wichtigste Industriehafen Südafrikas, haben wir nur einen kurzen Besuch abgestattet, denn das industriell geprägte Stadtbild außerhalb des Zentrums ließ uns vorzeitig umkehren und weiterfahren.

Schließlich campen wir südwestlich von Durban auf einem Campingplatz in der Rocky Bay. Die Naturgewalten haben freien Lauf, und die Bucht bietet uns dramatische Ausblicke auf stürmische See.

Rocky Bay bei Durban

Rocky Bay bei Durban

Rocky Bay bei Durban

Rocky Bay bei Durban

Rocky Bay bei Durban

Safari im Krüger Nationalpark

Wer durch Afrika reist, hat meist vor allem eines im Sinn: die Big Five zu sehen. Die Big Five, das sind Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Unverständlich, weshalb der Gepard nicht dazugehört. Der Gepard, der in Afrika auch Cheetah genannt wird, ist das schnellste Tier der Erde. Auf kurze Distanz erreicht er unglaubliche Geschwindigkeiten von über 100 bis 120 Stundenkilometern.

Uns war es bisher leider noch nicht vergönnt, einen Gepard zu sehen, und auch von den Big Five fehlt uns noch das Nashorn. Unsere Löwensichtung war auch nur aus der Ferne, und hat den Bedarf noch nicht gedeckt. Doch wir haben beste Chancen, alles noch zu sehen, denn wir haben Südafrika erreicht, und der Krüger Nationalpark lockt mit seiner einzigartigen Flora und Fauna. Mit einer Fläche von über 20.000 Quadratkilometern ist der Krüger Nationalpark etwa so groß wie Wales und nur unwesentlich kleiner als Kenias Tsavo. Aus dem Verbund mit weiteren, riesigen Naturschutzgebieten in Mosambik und Simbabwe ist eines der größten Wildschutzgebiete in Afrika entstanden: der Limpopo Transfrontierpark.

Der Krüger Nationalpark an der Grenze zu Mosambik beheimatet so ziemlich alles, was es in Afrika an Tieren zu sehen gibt – unter anderen die Big Five und den Geparden. Insgesamt sind es etwa 150 Säugetier-, 500 Vogel-, 100 Reptilien-, 50 Fisch- und 30 Amphibienarten. Dazu kommen über 300 Arten von Bäumen und unzählige weitere Pflanzenarten. Offiziell gegründet wurde der Park schon 1926 aus zwei Wildschutzgebieten, die schon um die Jahrhundertwende zu solchen erklärt worden waren. Die dort lebenden Menschen wurden damals zwangsumgesiedelt. Heute schafft der Park zahlreiche Arbeitsplätze, und der Tourismus bringt viel Geld in die Region.

Krüger Nationalpark

Landschaftlich erweist sich der Krüger Nationalpark subjektiv dennoch als weit weniger abwechslungsreich, als erwartet. Es dominiert flaches Buschland, das nur gelegentlich von Flusslandschaften und kleinen Erhöhungen durchzogen wird. Tiere sieht man mitunter stundenlang nicht, besonders während der heißen Mittagsstunden, wenn sie sich irgendwo im Schatten oder im hohen Gras ausruhen. Der Park ist also eher nichts für einen Kurztrip. Ein paar Tage sollte man sich schon Zeit nehmen. Und das ist das Schöne am Krüger Nationalpark: Die portemonnaiefreundliche Preispolitik erlaubt es so gut wie jedem Geldbeutel, sich fast beliebig lange im Park aufzuhalten. Voraussetzung ist lediglich der Erwerb einer Wildcard, die ein ganzes Jahr lang die unbegrenzte Nutzung dieses und unzähliger weiterer Nationalparks und Naturreservate in Südafrika erlaubt. Zum Vergleich: Für den Kaufpreis der Wildcard, kann man in Kenia gerade einmal zwei Tage lang einen Park der niedrigsten Preiskategorie besuchen, in Tansania sogar nur einen Tag lang. In Südafrika steht dem ungetrübten Naturgenuss also nichts im Wege, denn der Besucher muss nicht permanent mit einer imaginären Stoppuhr herumlaufen und kann sich stundenlang für ein Tier Zeit nehmen, wenn er möchte. Auch die Camps innerhalb des Parks machen den Besucher nicht über Nacht arm. Ungetrübt können sich Touristen und Einheimische allabendlich ihrem geliebten Braai hingeben, dem Grillen.

Besonders genießen wir das nicht existierende Zeitlimit an den Ausstiegspunkten, die sich meist an den Flusslandschaften befinden, um in aller Ruhe Flusspferde und Krokodile zu beobachten. Eine ganze Stunde lang folgen wir fasziniert dem wilden Treiben einer Gruppe Paviane, die hier Baboons genannt werden. Aus allernächster Nähe können wir ein großes Rudel von Löwinnen beobachten. Wir sehen unser erstes Löwenmännchen mit seiner majestätischen Mähne und endlich auch die ersten, lang ersehnten Nashörner, Breit- und Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn. Wie mächtig und gleichzeitig sanftmütig ihre urzeitliche Erscheinung ist mit den gewaltigen Hörnern und den gutmütigen Augen. Eine Begegnung mit einer Nashornmutter und ihrem Jungen wird uns für immer besonders lebhaft in Erinnerung bleiben, als das Junge sich von seiner Mutter davonstiehlt, um, noch etwas tollpatschig, unserem Sprinter nachzulaufen, ihn für einen prima Spielkameraden haltend. Entsetzt eilt die Mutter ihrem Nachwuchs hinterher, doch bei ihrem Körpergewicht hat sie es schwer, mit ihm mitzuhalten. Schließlich gelingt es ihr aber doch, den Ausreißer einzuholen und ihn in den Busch zurückzubeordern, wo beide nach wenigen Metern im Dickicht verschwinden. Tierherz, was willst Du mehr. Nur die Geparde weigern sich standhaft, sich blicken lassen.

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Safari im Krüger Nationalpark

Wandern im Blyde River Canyon

Von Tofo sind wir nach Maputo, Mosambiks Hauptstadt im äußersten Süden des Landes, gefahren und haben einen kurzen Zwischenstop gemacht. Dann haben wir Richtung Westen die Grenze zu Südafrika überquert. Im grenznahen Städtchen Nelspruit treffen wir seit langer Zeit auf den ersten Supermarkt – eine richtige Shopping Mall –, und unsere Begeisterung über volle Regale ist riesig. Zu Hause ist das Einkaufen im Supermarkt eine lästige Pflicht, nach Monaten in Afrika ist es eine wahre Wonne. Weiß und Schwarz gehen hier in Nelspruit wie selbstverständlich im selben Supermarkt einkaufen.

Von Nelspruit geht es dann allerdings auf kleinen Straßen weiter Richtung Norden um den Krüger Nationalpark herum, und es ist nichts mehr zu sehen von schwarz-weißer Einheit. Nur wenige Schwarze haben es in den Städten zu Wohlstand gebracht. Die ländlichen Gebiete sind meist im Besitz weniger weißer Farmer, für die die schwarze Bevölkerung arbeitet. Entsprechend argwöhnisch werden wir beäugt, während wir uns unseren Weg zum nördlichen Eingang des Krüger Nationalparks bei Olifants suchen.

Auf halber Strecke erreichen wir das Blyde River Canyon Nature Reserve, um dort zu übernachten und am nächsten Tag zu wandern. Zu unserer Wanderung am nächsten Tag kommt es allerdings nicht, denn der Weg ist derzeit nicht begehbar. Schade, denn der Blyde River Canyon liegt in einer wunderschönen Landschaft, die Lust auf mehr von Südafrika macht.

Blyde River Canyon

Blyde River Canyon