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Totes Meer in Israel

Nachdem die jordanische Seite des Toten Meers eher ernüchternd war, sind wir sehr gespannt, welchen Unterschied einige Kilometer Luftlinie machen können. Und der Unterschied ist tatsächlich groß. Landschaftlich viel schöner und abwechslungsreicher gestaltet sich die israelische Seite des Toten Meers.

Die meisten Uferzonen können aus Sicherheitsgründen jedoch nicht betreten werden. Überall stehen große Warntafeln und Absperrzäune aus Maschendraht. Da der Jordan heute nur noch ein Rinnsal ist, fließt weniger Wasser ins Tote Meer als verdunstet. In der Konsequenz sinkt der Wasserspiegel des Toten Meers mit atemberaubender Geschwindigkeit um etwa einen Meter pro Jahr. Die zurückbleibenden Uferzonen erodieren und bilden lebensgefährliche Einsturztrichter: Der feinsandige und von grobem Kies durchsetzte Boden sackt urplötzlich in sich zusammen und reist alles in die Tiefe, was darauf steht.

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Totes Meer in Israel

Nur eine Reihe von Badeanstalten bietet einen einigermaßen sicheren Zugang zum Toten Meer. Alle paar Jahre müssen sie jedoch aufgegeben werden, da das Tote Meer sich so rasend schnell zurückzieht. Überall sieht man Ruinen, die davon zeugen.

Wir besuchen eine der noch intakten Badeanstalten und gönnen uns ein ausgedehntes Bad im Toten Meer. Das Schwimmen im Toten Meer ist wirklich ein Erlebnis. Der hohe Salzgehalt macht das Wasser schwer und uns im Verhältnis dazu leichter. Wie ein Korken treibt man auf dem Toten Meer – ein wirklich einzigartiges Gefühl und ein großartiger Spaß!

Baden im Toten Meer

Baden im Toten Meer

Baden im Toten Meer

Als wir schließlich weiterfahren, müssen wir feststellen, dass das Tote Meer heute gar kein zusammenhängender See mehr ist. Das Tote Meer ist geteilt in einen nördlichen und einen südlichen Teil, die durch einen Kanal miteinander verbunden sind. Der Nördliche Teil macht etwa zwei Drittel, der südliche Teil etwa ein Drittel des Toten Meers aus. Während der nördliche Teil mehr oder weniger natürlich geblieben ist, wurde der südliche Teil des Toten Meers komplett von Menschenhand umgestaltet. In riesigen, flachen Becken wird dort das Wasser des Toten Meers künstlich verdunstet, so dass noch das Salz und die Mineralien aus dem Toten Meer zurückbleiben. Das Tote Meer hat nicht nur einen der weltweit höchsten Salzgehalte, sondern es hat auch den höchsten Gehalt an Mineralien wie Brom, Kalium, Magnesium und Jod. Diese Mineralien werden sowohl auf israelischer als auch auf jordanischer Seite ohne Rücksicht auf das Tote Meer ausgebeutet.

Totes Meer in Jordanien

Das gestrige Ärgernis noch nicht ganz verdaut, erreichen wir nach über 150 verlorenen Kilometern das Tote Meer. Das Tote Meer ist ein rund 800 Quadratkilometer großer, abflussloser Salzsee zwischen Jordanien und Israel, der durch das Wasser des Jordans gespeist wird.
Das Tote Meer liegt im Großen Afrikanischen Grabenbruch und bildet mit rund 400 Metern unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt der Erdoberfläche. Der Große Afrikanische Grabenbruch ist ein tiefer Graben, der während der letzten rund 35 Millionen Jahre durch die Abspaltung der Arabischen Platte von der Afrikanischen Platte entstanden ist. Von Syrien ausgehend erstreckt sich der Große Afrikanische Grabenbruch über den See Genezareth, das Tote Meer, das Rote Meer und Ostafrika bis nach Mosambik.
Der durchschnittliche Salzgehalt des Toten Meers von über 25 Prozent ist der dritthöchste der Erde. Aufgrund des hohen Salzgehalts existiert im Toten Meer kein Leben, und diesem Umstand verdankt es auch seinen Namen. So lebensfeindlich das Tote Meer einerseits jedoch ist, so heilsam ist es andererseits für Menschen mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Daraus ist ein boomender Gesundheitstourismus entstanden.

Am Toten Meer angekommen, treffen wir sogleich auf eine Reihe der üblichen Verdächtigen unter den großen Hotelketten, die diese Nachfrage befriedigen. Festungsartig, hinter dicken Mauern und Pforten haben sie sich verschanzt. Maschendrahtzäune am Strand stellen sicher, dass kein Tourist sich in ein benachbartes Hotel verirrt.
Neben den Grundstücken der Hotelketten liegt der öffentlich zugängliche Amman Beach mit einem kleinen Vergnügungspark für Kinder. Auch der Amman Beach ist vollständig eingezäunt, damit kein Einheimischer auf die Idee kommt, seinen Fuß auf den Boden der Hotels zu setzen und die internationalen Gäste zu belästigen.

Glücklicherweise macht dieser Bereich nur einen kleinen Teil des Toten Meers aus. Somit sind wir zunächst noch voller Hoffnung, dass es danach besser wird. Doch erst einmal schließt sich an das Areal eine wilde Müllkippe an. Ein entlaufener oder ausgesetzter Esel mit gebrochenem Bein humpelt durch die Müllberge und sucht nach Essbarem.

Totes Meer in Jordanien

Totes Meer in Jordanien

Totes Meer in Jordanien

Nicht wissend, was noch kommen wird, beschließen wir trotzdem, den kleinen Abhang hinunter zum Toten Meer zu gehen. Wir wollen das Tote Meer schließlich wenigstens auf seinen Salzgehalt testen, wenn wir schon einmal hier sind. Schon der Ufersaum besteht statt Sand oder Kies aus einer Salzkruste. Und das Wasser schmeckt in der Tat ziemlich salzig. Etwa so, wie wenn man einen Haufen Salz aus seiner Hand leckt.

Noch gelegentlich ausspuckend fahren wir weiter die Küste des Toten Meers hinunter nach Süden. Hier gibt es dann doch noch sehr schöne, einsame Küstenabschnitte. Das Ufer fällt hier jedoch so steil ab, dass man nicht hinunter ans Wasser gelangt.

Als die Küste dann endlich flacher und badetauglicher wird, ist das bloße Anhalten strikt verboten, da es sich um militärisches Sperrgebiet handelt. Großartig.

Schon entlang der Küstenstraße wurden wir in kurzen Abständen an zahlreichen Checkpoints kontrolliert, die mit je zwei Soldaten besetzt waren. Einer der Checkpoints war gar mit einem Hummer ausgestattet, also einem der US-amerikanischen Armeegeländefahrzeuge, besetzt mit zwei weiteren Soldaten: einer davon fahrbereit, der andere mit einem auf Ladefläche und Dach montierten Maschinengewehr im Anschlag. Jedes Mal kontrollierte man unsere Pässe, erkundigte sich nach unserem Reiseziel sowie der Anzahl der Sitzplätze in unserem Fahrzeug und warf einen prüfenden Blick auf unsere hintere Sitzreihe. Eingehender kontrolliert wurden wir jedoch nicht.

Totes Meer in Jordanien

Totes Meer in Jordanien

Damaskus und Amman

Von Palmyra geht es weiter nach Damaskus, Syriens Hauptstadt. Den multikulturellen Charme Istanbuls noch lebhaft vor Augen, sehen wir uns dort schon Cocktails schlürfen. Nach den relativ nüchternen letzten sieben Tagen haben wir uns das redlich verdient.

Schon von weitem sichtbar kündigt sich Damaskus durch eine dichte, dunkelgraue Smogschicht an, wie wir sie selbst in Kairo nicht gesehen haben. Man könnte meinen, in den vergangenen Tagen müsse in der Nähe eine Erdölraffinerie abgebrannt sein. Doch dem ist nicht so.
In Damaskus selbst merken wir vom Smog jedoch nichts. Unsere Cocktail-Fantasien allerdings lösen sich schnell in Luft. Damaskus ist bei weitem nicht so multikulturell und westlich, wie wir gehofft hatten, obwohl viele Frauen unverschleiert und westlich gekleidet sind. So schaffen wir uns Ersatzbefriedigung, indem wir uns an einem von vielen Süßwarenständen mit reichlich fett- und kalorienhaltigem Blätterteiggebäck eindecken.

Damaskus

Damaskus

Damaskus

Damaskus

Auf dem großen, aber nicht besonders aufregenden Basar von Damaskus erhandeln wir außerdem ein Backgammon-Spiel für unsere Freundin Simone, nachdem wir zuvor sorgfältig den chinesischen Einheitsschrott von den Originalen getrennt haben. Den stattlichen Rest an Syrischen Pfund, den wir noch haben, tauschen wir in US-Dollar.

Weiter hält uns in Damaskus nichts, und schnell brechen wir auf zur syrisch-jordanischen Grenze. Die Ausreise aus Syrien und die Einreise nach Jordanien gestalten sich überraschen undramatisch.
Die jordanische Seite der Grenze ist überaus gepflegt und geordnet. Von den gut Englisch sprechenden Beamten werden wir anständig behandelt. Das tut gut und lässt auf das Land hoffen, obwohl auch hier unsere Grüne Versicherungskarte nicht anerkannt wird und wir nebst einigen Gebühren dafür tief in die Tasche greifen müssen. Immerhin haben wir das Visum hier ohne Aufhebens und Komplikationen binnen kürzester Zeit an der Grenze erhalten.

Jordanien präsentiert sich von Anfang an etwas wohlhabender und entwickelter als Syrien. Die Straßen sind besser, es gibt einzelne Bäume und alles wirkt etwas gepflegter. Allerdings gibt es überall zur Verlangsamung des Verkehrs Speed Bumps, die man so gut wie nicht sieht und von denen wir mehrere mit viel zu hoher Geschwindigkeit überfahren. Jedes Mal, wenn wir ungebremst über so eine Schwelle rauschen, gibt es einen heftigen Knall und unsere Sachen fliegen durch den ganzen Sprinter.
Doch wir sollen noch einen ganz anderen Dämpfer bekommen. Etwa 70 Kilometer lang fahren wir südwärts bis kurz vor der jordanischen Hauptstadt Amman und wollen von dort ans Tote Meer abzweigen. Das Tote Meer liegt von Amman ungefähr 30 Kilometer entfernt. Die Straße endet jedoch an einer Baustelle, und das Tote Meer ist nicht mehr ausgeschildert. Am Straßenrand steht ein gepflegter Mann mittleren Alters, den wir nach dem Weg fragen. Er sagt, könne er uns den Weg ans Tote Meer zeigen, wenn wir ihn ein Stück mitnähmen.
Prinzipiell sind wir bezüglich des Mitnehmens von Leuten, die wir nicht kennen, äußerst vorsichtig. Genauer gesagt haben wir bisher überhaupt noch niemanden mitgenommen. Aber der Mann macht einen sympathischen Eindruck. Erst kurz zuvor auf der Fahrt haben wir uns noch darüber unterhalten, dass wir uns mehr öffnen müssen, wenn wir mit Menschen in Kontakt kommen wollen.
Wir lassen den Mann also zu uns ins Auto auf den Beifahrersitz steigen, während Christiane sich auf einen der beiden hinteren Sitze begibt. Wir unterhalten uns gut: Er fragt, wir erzählen, er erzählt. Aber irgendwie fahren wir gerade wieder zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind.
Als wir nach zehn Kilometern immer noch nicht in Richtung des Toten Meers abgebogen sind, fragen wir ihn, wo er denn genau hin müsse.
„Etwa eine halbe Stunde von hier.“, sagt er.
„Und wann geht es in Richtung des Toten Meers?“, fragen wir.
Der Ort liege auf dem Weg, von dort sei es die schönste Strecke zum Toten Meer und ganz leicht zu finden. Uns ist klar, dass wir wohl einen ziemlichen Umweg machen werden, aber andererseits haben wir ja Zeit. Trotzdem sind wir unsicher, wie weit es noch gehen soll und ob wir ihn nicht doch lieber an die frische Luft setzen sollen. Er scheint das zu spüren und lockt uns mit einem Abendessen im Kreis seiner Familie. Außerdem habe er ein großes Haus, und wir könnten dort schlafen und eine warme Dusche haben. Dem sind wir nach der zurückliegenden Durststrecke natürlich nicht abgeneigt.
Langsam nähert sich unsere Fahrzeit einer dreiviertel Stunde, und wir wollen nun endlich wissen, wo es genau hingeht. Er antwortet, er habe in Irbit sein Auto in der Werkstatt stehen. Irbit liegt im äußersten Norden Jordaniens, noch ein gutes Stück weiter als der Grenzübergang, von dem wir gekommen sind, und etwa 100 Kilometer entfernt von Amman! Mit einer solchen Dreistigkeit haben wir nicht gerechnet. Wir waren nur 30 Kilometer vom Toten Meer entfernt, und er schickt uns 100 Kilometer in eine völlig andere Richtung, um uns von dort auf einer Parallelstrecke wieder 100 Kilometer zurück zu schicken!
Aber okay, denken wir uns, jetzt sind wir ohnehin bald da, und wenn die Einladung steht, dann soll es uns egal sein. Über sein Zuhause und die Einladung verliert er dann aber kein Wort mehr. Stattdessen versucht er, uns weiter mit Smalltalk bei Laune zu halten. Uns ist inzwischen natürlich auch klar, was da läuft, aber trotzdem bringe ich es nicht nicht fertig, ihn jetzt noch rauszuwerfen. Zu nahe schon sind wir an Irbit. Vielleicht war alles nur ein Missverständnis und er steht zu seinem Wort.
An der Werkstatt in Irbit angekommen, tut er das aber natürlich nicht. Er springt aus dem Sprinter und lässt stattdessen seinen Sohn einsteigen, der uns die richtige Richtung aus Irbit weisen soll. Er selbst verschwindet. Der Sohn führt uns dann noch ein paar Meter zurück von der Werkstatt weg, erklärt uns, in welche Richtung wir fahren müssten, und lässt sich absetzen.
Für uns beginnt nun bei schnell hereinbrechender Dämmerung eine nervenaufreibende Suche nach einem Übernachtungsplatz. Den finden wir bei völliger Dunkelheit dann irgendwann auch an einer Tankstelle. Aber was für eine bittere Erfahrung!

Später in Israel wird Oded, den wir dort kennenlernen werden, es auf den Punkt bringen: „Trust your instinct!“. Hätten wir unserem Gefühl vertraut, hätten wir den Kerl nach einigen Kilometern rausgeschmissen und wären umgekehrt.