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Tauchen in Tofo

300 Kilometer südlich von Vilankulo liegt Tofo, ein Aussteigerort in einer Bucht mit kräftiger Brandung. Das pulsierende Herz des kleinen Fischerdorfs ist ein quirliger Markt mit Obst- und Gemüseständen und kleinen Lebensmittelbuden. Es duftet nach gegrillten Köstlichkeiten aus Fisch und Fleisch, die auf kleinen selbstgebauten Holzkohlegrills zubereitet werden. 
Lange haben wir uns auf das Tauchen in Tofo gefreut, denn mehr noch als Vilankulo ist Tofo berühmt für weltklasse Tauchen. Es soll hier ein schier endloses Angebot unterschiedlichster Riffe geben. Die Perle dieses Tauchparadieses ist das Manta Reef, an dem man Mantarochen so gut beobachten kann wie nirgendwo sonst. Und Walhaie soll es auch geben.

Bei Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Tofo an und fahren uns auf dem Camp-Gelände der Bamboozi Beach Lodge gleich einmal im weichen Sand fest. Wieder einmal heißt es Spaten und Sandbleche auspacken und schaufeln.

Bamboozi Beach Lodge

Müde schälen wir uns aus dem Bett und gehen hinüber zu Liquid Adventures, der Tauchbasis des Bamboozi und buchen ein Paket mit zehn Tauchgängen.

Liquid Adventures

Dann präparieren wir unsere Ausrüstung und legen sie auf die Ladefläche eines total verrosteten Pickups. Die Karre macht einen Höllenlärm und hört sich an wie ein Dragster. Das Tauchboot – ein Zodiac-Schlauchboot mit Festrumpf und zwei monströsen Außenbordmotoren –, wird hinten angehängt, und über eine steile Rampe geht es hinunter an den Strand. Das Boot wird zu Wasser gelassen und die Ausrüstung darin verstaut. Dann heißt es alle Mann ins Wasser, das Boot über die ersten Kämme der hereinbrechenden Wellen ziehen, schnell hineinspringen und mit Vollgas los, bevor das Boot aus der Richtung gedreht und an den Strand zurückgespült wird.
Mit rasantem Tempo geht es hinaus zum Giants Castle, und wir lassen uns mit einer Rückwärtsrolle über die Schlauchbootswand in das angenehm warme Wasser fallen. Wir sind noch nicht einmal bis zum Grund abgetaucht, als unser Tauchführer Will schon mit ausgestrecktem Arm an uns vorbei deutet: Ein großer Mantarochen gleitet erhaben durch das klare Azurblau! Das Wasser ist fast vollkommen frei von Schwebepartikeln, die Sicht ist exzellent. Erst als die Konturen des Mantas in der Ferne langsam verschwimmen, nehmen wir die tausenden, schwarz-blauen Drückerfische wahr, die sich um uns verteilt haben. Der karge Grund ist übersäht mit einzeln stehenden, schwammartigen Korallen, die ihn wie eine Mondlandschaft aussehen lassen. Wir fühlen uns buchstäblich wie im Aquarium.
Während wir langsam über den Grund gleiten, entdecken wir ständig Neues: einen perfekt getarnten Skorpionsfisch, Sepien, Seesterne, einen rot-weißen Federstern, eine blau-gelbe Seescheide, farbenprächtige Langusten und diverse Weichkorallenarten. Solche Tauchgänge sind es, die uns am liebsten alles vergessen und für immer unten bleiben lassen würden. Doch schließlich holt uns das Piepsen des Computers aus der Märchenwelt zurück in die Realität.

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Giants Castle

Die nächsten Tauchgänge sind einer so schön wie der andere.

So zum Beispiel Sherwood Forest: Ein Weißbauch-Zackenbarsch und die Schwärme von Blaustreifen-Schnappern gefallen uns hier besonders. Der Weißbauch-Zackenbarsch döst neben einem roten Seestern auf dem felsigen Untergrund und lässt sich geduldig fotografieren. Sein im bewegten Wasser flimmerndes Wabenmuster hebt ihn derart von seiner Umgebung ab, dass es vollkommen surreal aussieht.

Sherwood Forest

Sherwood Forest

Sherwood Forest

Sherwood Forest

Oder Mikey’s Cupbard: Mikey’s Cupbard ist ein verspielter Tauchplatz in fünf bis zehn Metern Tiefe mit vielen kleinen Gängen und Winkeln, in denen es unzählige Meeresbewohner zu entdecken gibt: Muränen, Annemonenfische, Kraken, Rotfeuerfische, Seesterne, Trompetenfische, Krokodilsfische, Sandhaie und vieles mehr.

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Mikey’s Cupbard

Der Höhepunkt aller Tauchgänge ist natürlich das Manta Reef. Das Riff verdankt seinen Namen den Mantas, die die hier befindlichen Putzerstationen ansteuern. Auf einem großen Plateau in 20 Metern Tiefe liegen mehrere solcher „Waschstraßen“. Die Mantas umkreisen die Putzerstationen und lassen die Putzfische die Parasiten von ihrer Haut knabbern.
Mit Jay, unserem Tauchführer, der sich trotz seiner Erfahrung bei jedem Tauchgang immer noch begeistern kann wie beim ersten Mal, hocken wir auf dem Grund eines sandigen Grabens und beobachten andächtig das Schauspiel, das sich uns bietet. Wie Raumschiffe umkreisen uns die sanften Riesen zum Greifen nah, und wir müssen aufpassen, das wir vor Staunen nicht unsere Atemregler aus dem Mund verlieren. Alles um uns herum gerät in Vergessenheit, und wir werden eins mit dem Element – bis uns wieder einmal das warnende Piepsen des Tauchcomputers aus unserer Trance holt.

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Manta Reef in Tofo, Mosambik

Als wäre das nicht schon genug, haben wir auf dem Rückweg von unserer Tauchexkursion dann auch noch das Glück, einen Walhai zu sehen. Mit Maske, Schnorchel und Flossen springen wir ins Wasser und können ihm ein paar Minuten lang folgen. Etwa fünf Meter ist er lang und damit noch recht klein, aber trotzdem schon beeindruckend groß. Er schwimmt zum Greifen nahe unter uns, dicht unter der Wasseroberfläche.
Einmal einen Walhai zu sehen, das war Christianes sehnlichster Reisewunsch. Nun muss sie sich einen neuen Wunsch ausdenken. Wie wäre es, mit einem Eisbären zu flirten?

Eine kurze Rückkehr in die Realität gibt es nach einem unserer Tauchgänge übrigens, als uns an der Wasseroberfläche ein Anblick ganz anderer Art erwartet: dicke Rauchschwaden, die hinter einer der Dünen in der Nähe des Bamboozi emporsteigen. Sofort machen wir uns auf den Weg zurück. Bange Minuten vergehen, in denen niemand sagen kann, ob es sich tatsächlich um das Bamboozi handelt. Beim Näherkommen gibt es dann endlich Entwarnung, aber das Nachbarresort steht lichterloh in Flammen. Die Gebäude bestehen hier meist aus einfachen Holzkonstruktionen und Strohdächern. Ein Feuer breitet sich blitzschnell aus und macht in Windeseile alles dem Erdboden gleich. Eine Feuerwehr gibt es ebenso wenig wie ein Krankenhaus, wobei ohnehin zweifelhaft ist, ob sie etwas hätte ausrichten können. Das sind die Schattenseiten des Lebens im Paradies.

Tauchen in Vilankulo

Allseits ist zu hören, wie schön die Landschaft Mosambiks sei. Auf dem Weg von Mocuba nach Vilankulo war davon allerdings nicht viel zu sehen. Einziger Höhepunkt war das Gorongosagebirge, das auf knapp halber Strecke majestätisch aus dem ansonsten flachen und öden Buschland aufragt. Dort allerdings fanden wir dort kein Camp, in dem wir hätten übernachten können. So mussten wir in die Dunkelheit hinein fahren, bis wir einen sicheren Ort für die Nacht gefunden hatten. Von Nachtfahrten ist in Afrika generell abzuraten. Wir hatten Glück, als wir durch einen Ort fuhren, dass wir jemanden, der unvermittelt auf der Straße saß und sich dort vermutlich auf dem Asphalt wärmte, nicht überfahren haben. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre.
Die Schönheit Mosambiks liegt eher an der Küste und im subtropisch-wilden Norden, den wir wegen der von heftigen Regenfällen hinfortgespülten Straßen umfahren mussten. Auch weiter unten im Süden wird es dann wieder schöner, topografisch abwechslungsreicher und mit Palmenhainen so weit das Auge reicht.

Vilankulo ist ein kleines Fischerdorf an der Schwelle zum beliebten Ferienort. Noch hat es jedoch eher den Status eines Geheimtipps. Malerisch liegt vor uns die flache Bucht, aus der sich das Wasser bei Ebbe kilometerweit zurückzieht. Durch dieses Phänomen entsteht ein schier endloser Strand, auf dem verstreut die bunten Dhows – einmastige Fischerboote mit einfachen dreieckigen Segeln, – liegen wie angespülte und in Vergessenheit geratene Wracks. Zurück bleiben vom Wasser nur einzelne große Priele, in denen man schwimmen oder die man umwandern kann. Allzu weit hinauswandern sollte man allerdings nicht, denn die Flut kommt ebenso schnell wie die Ebbe geht, und urplötzlich sieht man sich kilometerweit draußen von geschlossenen Wassermassen umringt, die sich von allen Seiten nähern.

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Noch ist die Straße, die nach Vilankulo führt, zu schlecht, um größere Scharen Touristen hierher zu locken. Am Straßenrand stehen immer wieder Kinder, werfen eine Schippe Sand auf eines der unzähligen Schlaglöcher und wollen Geld dafür. Ferien machen in Mosambik vor allem Südafrikaner. Für sie ist Mosambik bequem mit dem Auto zu erreichen, die Küste ist subtropisch malerisch und die Preise verhältnismäßig niedrig. Verglichen mit Kenia und Tansania sind die Preise allerdings schon erschreckend hoch.
Eine tourismusgeeignete Infrastruktur gibt es in Vilankulo bereits, wenngleich der Ort vor einem Jahr einen herben Rückschlag wegstecken musste. Ein Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 km/h fegte fünf Tage lang unbarmherzig über den kleinen Ort hinweg und machte ihn nahezu dem Erdboden gleich. Die meisten Zyklone bleiben an Madagaskar hängen oder treffen auf den Norden Mosambiks. Doch alle paar Jahre ereignet es sich, dass ein Zyklon an Madagaskar vorbeizieht, seine Richtung ändert und Kurs auf Vilankulo nimmt. Auch heute, ein Jahr nach dem letzten Zyklon, der sich genau so verhalten hat, sieht man noch überall in Vilankulo die stummen Zeugen der Verwüstung, dächerlose Grundmauern ehemals stattlicher Gebäude, bizarr verbogene Stahlskelette einstmaliger Lagerhallen und zerschmetterte Dhows.

Vor der Küste Vilankulos liegen der Bazaruto-Archipel und ein Riff von Weltklasseformat, Cabo San Sebastian. Es zu betauchen, dazu sind wir hergekommen. Leider haben wir jedoch einen schlechten Zeitpunkt erwischt. Aufgrund der dortigen Gezeiten- und Strömungsverhältnisse kann das Riff nur in einem Zwei-Wochen-Zyklus betaucht werden. In den kommenden zwei Wochen wird es zu gefährlich sein, zum Riff hinaus zu fahren. Das Riff liegt – von der Küste aus gesehen – hinter zwei vorgelagerten Inseln und bildet dazwischen einen Kanal, durch den die Wassermassen mit enormem Druck gepresst werden. Dadurch bilden sich extrem starke Strömungen, und die Wellen türmen und brechen sich so hoch über dem Riff, dass sie selbst für ein Speedboot unpassierbar werden. So nehmen wir schweren Herzens mit der zweiten Wahl vorlieb, dem 2-Mile-Reef. 2-Mile-Reef liegt ebenfalls hinter zwei Inseln, bildet aber einen geschlossenen Komplex. So kommt es dort nicht zu einer Düsenwirkung, und das Riff kann meistens betaucht werden.

Doch erst einmal werden wir in die Gesellschaft Vilankulos eingeführt. Auf der an und für sich heruntergewirtschafteten, aber dennoch netten Campsite Baobab Beach, die ihren Namen dem mächtigen, altehrwürdigen Baobab-Baum verdankt, unter dem nun unser Sprinter steht, lernen wir den Südafrikaner Barry kennen.

Tauchen in Vilankulo

Seit nunmehr zwölf Jahren begeleitet Barry Reisegruppen in großen Overland-Trucks kreuz und quer durch Afrika. Sein Traum ist es, eines Tages die Antarktis zu bereisen. Sein unterbezahlter, aber erfüllender Job bringt es mit sich, dass Barry zu fremden Menschen schnell eine gute Beziehung aufbauen kann. Er schließt uns und wir ihn sofort ins Herz. Noch am selben Abend lädt er uns ein, mit ihm und seinen Freunden ins Smugglers zu kommen.
Das Smugglers ist der beliebteste Treffpunkt in Vilankulo, eine Kneipe im Stil eines englischen Pubs, dunkel und verraucht, aber mit Seele. Drinnen gibt es eine lange, gut sortierte Bar, Stehtische mit Barhockern und einen Billardtisch, der pausenlos in Beschlag genommen ist. Die Decke ist vollgekritzelt mit zahllosen Sprüchen. Am besten gefällt uns ein Spruch, der das Leben in Afrika und Europa auf geniale Weise verbildlicht:

Europe has the clock, Africa has the time.

Aktuelle Musik und moderne Klassiker tönen aus den Lautsprechern und machen Lust, das Tanzbein zu schwingen. Draußen, auf der Veranda, stehen weitere Tische, an denen man gemütlich sitzen, essen und klönen kann.
Barry führt uns in seinen Freundeskreis ein wie alte Freunde. Renoir und Dennis betreiben die beiden Diveshops am Ort und sind demnach Konkurrenten. Doch bis auf kleine Neckereien ist davon nichts zu spüren. Renoir kommt aus Südafrika und ist schon vor zehn Jahren in Vilankulo hängen geblieben. Er liebt das Tauchen an diesem Ort und die feuchtfröhlichen Abende im Smugglers. Dennis, den Franzosen, hat es nach fünfjähriger Weltreise, die ihn nach Barcelona, Südostasien und Madagaskar geführt hat, ebenfalls zum Tauchen nach Vilankulo verschlagen. Am besten gefallen hat ihm eigentlich Madagaskar, aber die Infrastruktur auf der Insel sei einfach zu schlecht. Vor knapp einem Jahr hat er sich dann entschieden, den Diveshop, der an Baobab Beach angegliedert ist, zu übernehmen. 100.000,- Euro hat er in den Shop, Ausrüstung, Geländewagen und zwei Schnellboote investiert.
Baobab als Standort hat sich jedoch schnell als Problem herausgestellt. Nach dem Zyklon wurde Baobab nur halbherzig wiederaufgebaut, und es wird seitdem auch nur noch halbherzig betrieben. Der Besitzer sitzt irgendwo in Südafrika und kümmert sich kaum noch ums Geschäft. Wahrscheinlich spekuliert er auf einen Verkauf des Grundstücks, denn die Preise in Vilankulo steigen derzeit enorm. Unterdessen wirtschaften seine Angestellten den Laden mit atemberaubendem Tempo herunter. Einzig die Küche gibt sich noch wirklich Mühe, während die Bar langsam den Bach hinunter geht und der gesamte Ort verwahrlost. Nur Dennis Generator ist es zu verdanken, dass es an der Bar seit langer Zeit überhaupt einmal wieder kalte Getränke gibt. Trotzdem vergammeln die Spirituosen im Regal, denn die Angestellten sind zu bequem, für Eis zu sorgen. Überhaupt machen die meisten Angestellten kaum einen Finger krumm und hängen stattdessen lieber an der Bar herum. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die meisten Gäste nicht lange bleiben – und mit ihnen gehen in persona die potenziellen Kunden des Diveshops.
Gerade ist Dennis dabei, weitere 30.000,- Euro in ein eigenes Grundstück weiter außerhalb des Ortskerns zu investieren. Durch den Berliner Ulf, der im Smugglers zu unserer Gesellschaft hinzu stößt, erfahren wir auch, wie der Grundstückhandel in Mosambik funktioniert. Ulf ist Stadtplaner und war nach seinem Studium in Deutschland zwei Jahre arbeitslos. Dann ist er auf ein Jobangebot des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Mosambik gestoßen. Seither ist er als Assessor dos Municípios zuständig für Catandica und Manica.

Wir: „Wir hätten gar nicht vermutet, dass in einem Land wie Mosambik auf Stadtplanung Wert gelegt wird. Wenn man zum Beispiel Mocuba nimmt: Das sieht nicht gerade nach Stadtplanung aus.“

Ulf: „Doch, doch, auf Stadtplanung wird durchaus Wert gelegt. Allerdings hat Stadtplanung hier mehr den Aspekt der Konfliktbewältigung. Dabei muss man grundsätzlich mit allem rechnen. Stellt Euch vor, jemand installiert an einer öffentlichen Straße eine Schranke und fängt an, Wegzoll zu erheben. So etwas kommt hier durchaus vor. Oder ein Anwohner beschließt, dass auf der Straße doch genügend Platz sei, um seine Latrine dort aufzustellen. Dies sind Fälle, mit denen wir uns hier beschäftigen müssen. Und genau das macht für mich den Reiz aus. Ich bin hier mehr Konfliktbewältiger als Planer.“

Wir: „Das ist ja kurios. Über mangelnden Unterhaltungswert kannst Du Dich dann ja nicht beklagen. Wie funktioniert eigentlich der Grundstücksmarkt in Mosambik?“

Ulf: „Offiziell gibt es in Mosambik keinen Grundstücksmarkt. Jedes Stück Land, das vom Staat zur Vergabe ausgeschrieben wird, kann grundsätzlich gegen eine geringe Gebühr auf den eigenen Namen registriert werden, auch auf Ausländer. Damit erhält derjenige eine 99 Jahre währende Pacht. In der Praxis stellt es sich allerdings so dar, dass sich erst einmal Amtsträger und Lokalprominenz an den besten Grundstücken bedienen: Bürgermeister, Stadtrat, hohe Beamte und Vorsitzende wichtiger gesellschaftlicher Institutionen sowie deren Brüder, Vettern und sonstige Verwandte. Die Pacht kann aber auf eine andere Person umgeschrieben werden. In der Realität funktioniert der Grundstückshandel dann so: Da die Grundstücke selbst nicht verkauft werden dürfen, sondern nur darauf befindliche Gebäude, und ungenutzte Grundstücke außerdem an den Staat zurückgehen, baut man darauf eine Behausung jedweder Art, im einfachsten Fall eine Strohhütte, die nicht einmal dem nächsten Sturm standhalten würde. Dann lässt man Verwandtschaft oder Freunde darin wohnen. Wenn man dann irgendwann verkaufen möchte, verkauft man die Hütte zum Schwarzmarktwert des Grundstücks und überschreibt letzteres auf den Käufer.“

In der Praxis gibt es für den Käufer allerdings zusätzlich zu berücksichtigen, dass alles Land, wenn auch nicht offiziell vom Staat, aber inoffiziell von den ansässigen Stämmen verteilt wurde. Das bedeutet, jedes Stück Land hat bereits einen inoffiziellen Besitzer mit vielen Brüdern, Schwestern, Cousins und Cousinen. So muss der weiße Interessent sich zunächst an diesen wenden und ihm die Registrierungsgebühr entrichten. Der inoffizielle Besitzer lässt das Land dann offiziell auf sich registrieren und überträgt es beim späteren Kauf auf den Anwärter.

Kuriositäten kann man hier allerdings auch auf anderen Märkten erleben, so zum Beispiel dem Obst- und Gemüsemarkt. Als wir an einen Stand gehen und uns umsehen, kommt ein Afrikaner herbeigeeilt und beginnt uns zu bedienen. Bananen und Avocados liegen bereits in unserem Einkaufskorb, als ein zweiter Afrikaner dazukommt und sich zwischen ersteren und uns stellt. Es entwickelt sich eine heftige Diskussion zwischen den beiden. Wir bekommen allmählich ein wirklich schlechtes Gefühl und drängen darauf zu zahlen. Beide drehen sich zu uns um und halten die Hand auf. Uns ist noch nicht klar was da gerade abläuft, und wir drücken demjenigen, der uns bedient hatte, einen Geldschein in die Hand. Er entschuldigt sich, um das Wechselgeld zu besorgen. Unterdessen erklärt uns der andere, dass er der Besitzer des Marktstands sei. Die Preise seien auch geringer, als die vom ersten verlangten. Der sei nur darauf aus, auf seine Kosten ein Geschäft zu machen.
Während wir ein paar Minuten auf die Rückkehr des Betrügers warten, haben wir uns in der Zwischenzeit von unserem Wechselgeld bereits verabschiedet. Doch tatsächlich taucht der Typ doch noch auf. Er kann nicht passend herausgeben und offeriert uns einen Schein, auf den wiederum wir Wechselgeld herausgeben sollen. Als wir den Schein nehmen, geraten die Verkäufer erneut in eine heftige Diskussion. In der Zwischenzeit scharen sich mehr und mehr Schaulustige um uns herum. Schließlich ruft uns der Besitzer zu, wir sollten den Schein einstecken – er werde das regeln – und sehen, dass wir wegkommen.
Wir machen uns wie geheißen aus dem Staub und gehen ein paar hundert Meter. Als wir uns umdrehen, müssen wir erschrocken feststellen, dass uns der Scheinverkäufer mit einem Kumpel im Schlepptau dicht auf den Fersen gefolgt ist.
„Give me my money!“
„As far as we’ve seen that was not your shop!“
„We have a deal, give me my money!“
„Your are not the owner, so we don’t have a deal!“
Glücklicherweise kommt in dem Moment der Besitzer angelaufen und hält den Scheinverkäufer zurück.
„Go, it’s allright!“
„Allright“ ist hier gar nichts, aber es bleibt uns nichts anderes übrig als erneut Land zu gewinnen. Sich in Afrika auf offener Straße in einen Konflikt verwickeln zu lassen, kann unter Umständen böse enden. Schwarzafrikaner können eine unberechenbare Gruppendynamik entwickeln. In Dar es Salaam war nur wenige Tage vor unserem Aufenthalt ein Junge von einem wütendem Mob auf offener Straße mit Benzin übergossen und verbrannt worden, weil er ein Mobiltelefon gestohlen hatte. Per Gesetz darf Dieben in Tansania noch heute die Hand abgeschlagen werden. Dies im Hinterkopf, beschleunigen wir dieses Mal unsere Schritte, und alle paar Meter drehen wir uns um und vergewissern uns, dass der Typ uns nicht wieder gefolgt ist. Er ist es nicht, und nach ein paar hundert Metern können wir aufatmen. Langsam wird uns klar, weshalb man die weißen Einwohner hier nie auf offener Straße, sondern immer nur in ihren Geländewagen antrifft. Vielleicht ist es auch Bequemlichkeit, wie wir immer vermutet hatten, aber es gibt noch einen triftigeren Grund: die eigene Sicherheit.

Nun gut, eigentlich sind wir ja zum Tauchen hier. Aber auch da läuft es nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Normalerweise fährt man mit dem Boot gemütlich raus, macht einen Tauchgang, Mittagspause und dann noch einen Tauchgang und fährt dann gemütlich wieder zurück. Fahren tun wir allerdings erst einmal gar nicht. Einer der beiden Motoren will nicht anspringen. Eine Sicherung ist durchgebrannt. Der Mechaniker tauscht sie aus und der Motor startet. Aber beim ersten Test will er wieder nicht anspringen. Die Sicherung ist erneut durchgebrannt. Die Sicherung wird nochmals ausgetauscht. Der Motor lässt sich starten – ein erstes, ein zweites Mal. Anscheinend genug getestet – los geht’s mit der ersten Stunde Verspätung.
Um wenigstens einen Teil davon wieder aufzuholen, gibt der Steuermann die ganze Fahrt von einer halben Stunde über Vollgas. Mit 50 km/h Höchstgeschwindigkeit fliegen wir über die glücklicherweise noch recht sanften Wellen. Trotzdem müssen wir uns verkrampft an den Halteleinen festhalten. Wer schon einmal in einem Schnellboot gesessen hat weiß, dass 50 km/h auf dem Wasser nicht wenig sind. Die beiden PS-Boliden und die Leichtbauweise des Schlauchboots machen es möglich.

Tauchen in Vilankulo

Schließlich kommen wir an der Insel an, an der die Schnorchler abgesetzt werden und von der die Taucher dann zum Riff hinaus fahren. Wieder gibt es Probleme mit dem Motor, wieder wird nur etwas an den Symptomen repariert. Dann geht es durch raue See in Richtung Riff, und erneut streikt der Motor – aber dieses Mal auf offener See. Wir Taucher machen deutlich, dass wir so nicht zum Riff fahren wollen. Es wäre zu gefährlich. Wenn der andere Motor dann auch noch streiken würde, würden wir reaktionsunfähig auf das Riff geworfen und an den scharfkantigen Felsen zerschellen. So fahren wir schließlich mit nur einem Motor zurück zur Insel.
Dort treffen wir auf ein anderes Boot, und die Besatzung sieht sich das Problem an. Nach nur wenigen Minuten scheinen sie den Schaden repariert zu haben. Wie sich später herausstellt, haben sie tatsächlich jedoch lediglich die Sicherungen überbrückt.
Dies aber noch nicht wissend, geht es erneut raus, und tatsächlich kommen wir auch zu unserem ersten Tauchgang. Es ist ein schöner Drifttauchgang. Wie schwerelos hängen wir im Wasser und lassen uns von der Strömung wie in einem Fahrstuhl mitreißen. Zum ersten Mal in unserem Leben sehen wir Teufelsrochen.

Tauchen in Vilankulo

Dann geht es zurück zur Insel, um die Schnorchler einzusammeln – jedoch nicht ohne weitere Zwischenfälle. Durch das Überbrücken der Sicherung hat der Anlasser des schadhaften Motors eine Überspannung abbekommen, die wahrscheinlich von einem Kurzschluss verursacht worden ist – der eigentlichen Ursache des ganzen Malheurs. Immerhin lässt sich der Motor nach einigen Versuchen manuell starten. Der zweite Tauchgang hat sich damit nun jedoch endgültig erledigt, und nachdem wir die Schnorchler eingesammelt haben, geht es auf direktem Weg und wieder mit Höchstgeschwindigkeit zurück nach Vilankulo. Da die Wellen in der Zwischenzeit auch hier erheblich aufgefrischt haben, geht es dem einen oder anderen Bootsinsassen die ganze Fahrt über bemitleidenswert schlecht. Aber es lässt sich auch noch etwas Positives aus diesem Tauchtrip berichten: Die Insel war wunderschön, denn Bazaruto wird im Süden von einer gewaltigen Sanddüne flankiert, von der man einen Rundumblick über den malerischen Archipel hat.

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Tauchen in Vilankulo

Als wir auf der Düne saßen, kamen wir außerdem mit einem der anderen Taucher ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er in einem Landminenräumkommando arbeitete. Zu den Hinterlassenschaften des Bürgerkriegs in Mosambik zählen landesweit minenverseuchte Landstriche. Der Norden Mosambiks gilt inzwischen als minenfrei. Fünf Jahre intensiver Arbeit von Hundertschaften Freiwilliger hat es gekostet. Der Einsatz von Maschinen ist bei den hiesigen Treibstoffpreisen auf europäischem Niveau zu teuer (der Sprit muss aus Südafrika importiert werden). Außerdem zerstört das schwere Gerät die Oberflächenstruktur der Böden und macht sie auf Jahre hinaus unfruchtbar. Glücklicherweise handelt es sich bei den in Mosambik gelegten Minen um ehemalige sowjetische Armeebestände, alte Modelle mit Metallapplikationen, die mittels Detektoren zuverlässig entdeckt werden können. Was die Arbeit trotzdem enorm aufwändig macht ist das Problem, dass neben den Minen unzählige weitere Metallrückstände im Boden verborgen sind, die bei der Ausgrabung die gleiche vorsichtige Vorgehensweise erfordern wie diese diabolischen Waffen selbst. Weitere fünf Jahre wird es dauern, den Süden Mosambiks wieder zu einer sicheren Umgebung zu machen. Noch sind viele Ortschaften von 50 m breiten Minengürteln umgeben, die sie an einer Expansion hindern sollten. Circa 2.500 Minenfelder werden alleine in der Urlaubsregion um Inhambane vermutet. Und ausgerechnet da wollen wir hin.

Tauchen in Hamata

Hamata am Roten Meer kann man kennen, wenn man gerne taucht, muss man aber nicht. Auf unseren Landkarten ist Hamata gar nicht erst verzeichnet. Gut zu wissen, dass Hamata etwa 100 Kilometer südlich von Marsa Alam liegen soll. Marsa Alam ist auf den Karten immerhin als richtige Stadt verzeichnet. Trotzdem haben wir es tatsächlich geschafft, daran vorbeizufahren, ohne es zu merken. Wie sollen wir dann erst Hamata finden?

Rotes Meer

Rotes Meer

Rotes Meer

Rotes Meer

Nach einigem Bangen finden wir Hamata dann schließlich doch. Die Küste unterhalb von Safaga bis hierunter ist wirklich noch wunderschön und naturbelassen, was in Ägyptens bekannten Tauch- und Urlaubsorten sonst leider nicht mehr so ist, und auf Höhe des Sinai haben wir einen wunderbaren, pastellfarbenen Sonnenuntergang erlebt. Bei Hamata von einem Ort zu sprechen, wäre allerdings übertrieben. Viel mehr als ein Duzend Wellblechhütten ist nicht zu sehen. Wäre da nicht das Tauchresort Zabargad, wären wir auch an Hamata vorbeigefahren. Das wäre uns dann wohl erst an der ägyptisch-sudanesischen Grenze aufgefallen, wo man uns zurückgeschickt hätte, denn es gibt dort keinen Grenzübergang, sondern lediglich einen Militärposten und vermintes Gelände.

Doch so weit kommt es nicht, denn mit Zabargad haben wir unser Ziel erreicht. Hier haben wir uns mit meinem ehemaligen Arbeitskollegen Stefan zum Tauchen verabredet. Stefan ist engagiertes DLRG-Mitglied und hat gleich eine ganze Truppe seiner Kollegen mitgebracht:

Tauchen in Hamata

Vor ein paar Wochen kam Stefan auf die glorreiche Idee, mir per E-Mail diesen Termin aufs Auge zu drücken, obwohl ich bei meiner Verabschiedung aus dem Berufsleben vollmundig konstatiert hatte, dass ich nie wieder einen Termin haben würde! Um mir den Termin schmackhaft zu machen, hat Stefan angeboten, gegebenenfalls auch ein paar Sachen aus Deutschland mitbringen zu können. Von dieser Gelegenheit haben wir auch ausgiebigen Gebrauch gemacht. Ein Unterwassergehäuse für unsere kleine Kamera, ein Fischaugenobjektiv, ein neues GPS mit Weltkarte, ein neues Mobiltelefon nebst Vertrag, ein neuer Alleskocher passend zu unserem Topfset, eine Handvoll Bücher und Weihnachtsgrüße für uns sind mit im Reisegepäck. Und dazu hat meine Mutter uns für Weihnachten einen riesigen Haufen Süßigkeiten dazu gesteckt. Schon lange haben wir uns nicht mehr so sehr über Süßes gefreut. Aber nach den eher mageren Zeiten davor, sind die ungesunden Leckereien mehr als willkommen. Ja, das ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen!

Tauchen ist natürlich auch angesagt. Nach einem Auffrischungstauchgang am Hausriff geht es an den nächsten zwei Tagen mit auf das Boot für vier großartige Tauchgänge. Doch erst einmal darf Christiane sich im befehligen von Tauchbooten üben. Weil ihre grüne Gesichtsfarbe am bedrohlichsten von allen wirkt, darf sie für einige Zeit das Ruder übernehmen. Das lässt die Seekrankheit am besten vergessen. Trotzdem sieht sie danach immer noch leicht unentspannt aus…

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Unterdessen bereitet sich Stefan schon einmal auf den ersten Tauchgang vor. Unter der Maske ist er nur an seinem breiten Grinsen zu erkennen…

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Doch neben Vollbluttauchern wie Christiane und Stefan ist das Rote Meer vor allem für seine wunderschönen Korallengärten und die vielen kleinen bunten Fische berühmt. Hier kommt dann auch gleich das Unterwassergehäuse zum Einsatz, und ich bin ziemlich happy mit meinen ersten Unterwasserbildern:

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Außerdem steht ein Wracktauchgang mit auf dem Programm. Praktischerweise ist die Kloschüssel noch sehr gut erhalten, so dass sich der notdurftgeplagte Taucher auch unter Wasser Erleichterung verschaffen kann:

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Ja, und als wäre das nicht schon schön genug gewesen, haben wir als krönendes Highlight das wunderbare Glück, mit einer großen Delfinschule zu schwimmen. Sind sie nicht einfach drollig?

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata