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Fazit Tansania

Heute wollen wir einmal mit der Tradition brechen, nur über das zu schreiben, was wir alles gesehen und erlebt haben: Heute wollen wir auch einmal über das schreiben, was wir in Tansania alles nicht gesehen und nicht erlebt haben.

Zu nennen wären da allem voran drei Nationalparks: der Serengeti, der Ngorongoro und der Kilimandscharo. Der Serengeti ist wie sein kenianisches Pendant Masai Mara berühmt für die großen Büffelherden, die zweimal jährlich auf der Suche nach Wasser vom einen Park in den anderen ziehen. Der Ngorongoro ist ein riesiger Krater, in dem die Big Five in einer einzigartigen Vielzahl und Dichte vertreten sind. Und der Kilimandscharo ist Afrikas höchster Berg – ein Bilderbuchberg, der die weltweit einzige Möglichkeit darstellt, ohne Kletterei auf knapp sechstausend Meter Höhe zu kommen. Die ersteren beiden hätten uns mehrere hundert US-Dollar pro Tag gekostet, der letzte gar runde tausend – pro Person! Die tansanische Regierung hat es sich in den Kopf gesetzt, einzig auf Luxustourismus zu setzen. Midrange- und Low-Budget-Tourismus sind ungern gesehen. Die Eintrittpreise für die Parks wurden in den vergangenen Jahren immer wieder verdoppelt. Mittlerweile ist Tansania dabei, die wirtschaftlichen Impulse aus dem Tourismus zu vernichten. Die Lodge-Betreiber außerhalb des Luxussegments leiden bereits erheblich darunter. Selbst aus der politischen Krise Kenias konnte Tansania kaum Profit schlagen. Auch wenn derzeit nicht Hauptsaison ist, haben viele Lodges unverhältnismäßig wenige Gäste. Wir sind sicher, dass es in absehbarer Zeit ein Einlenken der tansanischen Regierung geben muss. Bis dahin sparen wir uns das Geld und holen unseren Bedarf vielleicht irgendwann einmal nach.

Auf Sansibar waren wir übrigens auch nicht. Der Grund war hier allerdings weniger das Geld. Nach und nach wurden uns immer häufiger Berichte über penetrante Strandverkäufer zugetragen. Nach unseren Erlebnissen am Tiwi Beach in Kenia brauchen wir das erst einmal nicht mehr.

Natürlich haben wir trotzdem das eine oder andere gesehen in Tansania, auch einen der Nationalparks. Der Mikumi National Park ist der einzige Nationalpark in Tansania, für den man nicht bezahlen muss, wenn man ihn durchquert, und es gibt selbst von der Straße aus viele Elefanten, Giraffen und Zebras zu sehen. Für uns liegt er auf dem Weg nach Malawi, durch das wir den von verheerenden Stürmen und sintflutartigen Regenfällen verwüsteten Norden Mosambiks umfahren wollen.

Außerdem sehen wir auf dem Weg unzählige wildgewordene Bus- und Lastwagenfahrer. Überall liegen verunfallte Fahrzeuge am Straßenrand. Oft sehen sie nicht so aus, als ob die Insassen noch lebend aus ihnen herausgekommen wären. Die Fahrweise der bisher noch auf der Straße verbliebenen Fahrer lässt auch nicht zwingend den Wunsch aufkommen, dass es ihren verunfallten Kollegen gelungen sein könnte – aus Gründen der eigenen Sicherheit. Dennoch ist es einigen gelungen. Sie sind leicht zu erkennen an den sichtbaren Schäden ihrer Fahrzeuge. Völlig verbogene und verzogene Fahrzeuge kommen uns entgegen. Oftmals haben sie nicht einmal mehr eine Windschutzscheibe. Die Fahrer tragen stattdessen Staubmasken und Sonnenbrillen und sehen aus wie die Banditen in alten Clint-Eastwood-Western.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Fahrweise einiger Radfahrer. Generell ist das Fahrrad das verbreitetste Verkehrsmittel in Afrika. In der Mitte der Strecke zwischen Dar es Salaam und Mbeya, nahe der Grenze zu Malawi, gibt es eine ziemlich steile Gebirgskette mit engen Haarnadelkurven. Auf dem Weg nach oben sieht das ungeübte Auge gelegentlich etwas an sich vorbeiflitzen, das sich bei genauerem Hinsehen als Radfahrer entpuppt. Mit weit über sechzig Stundenkilometern schießen Verrückte auf klapprigen und vollbeladenen Fahrrädern die Berge hinab. Der Clou an der Sache ist, dass sie keine Bremsen haben! Zumindest haben sie keine Bremsen im herkömmlichen Sinn, denn sie bremsen, indem sie eine ihrer Sandalen über den rauen Asphalt schleifen lassen. Dazu haben sie die Sohle mit einem dicken Gummi verstärkt, das wahrscheinlich von alten Autoreifen stammt. Genau konnten wir es nicht erkennen, dafür sind sie zu schnell an uns vorbeigeflitzt. Zieht man nun die Fahrweise der motorisierten Verkehrsteilnehmer ins Kalkül, kann man sich nur schwer vorstellen, dass die Lebenserwartung der Unmotorisierten auch nur in die Nähe des tansanischen Durchschnitts gelangen könnte. Die schwer beladenen Lastwagen kriechen förmlich bergauf, so dass sie immer wieder von ihren weniger beladenen Kollegen überholt werden. Dann bleibt kein Raum mehr für Radfahrer, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen sich zur falschen Zeit in die falsche Kurve legt.

Sunrise Beach Resort bei Dar es Salaam

Auf dem Weg nach Dar es Salaam kommen wir erstmals mit der Polizei in Konflikt. Wir sind zu schnell gefahren. 61 km/h stehen statt der erlaubten Fünfzig Rot auf Schwarz in der Digitalanzeige der Radarpistole, die mir der blütenweiß uniformierte Polizist unter die Nase hält. Mit einer derart modernen technischen Ausstattung hätten wir nicht gerechnet. Vielleicht haben wir das ja auch der Entwicklungshilfe zu verdanken.
Jedenfalls fordert der Beamte 20.000 Tansanische Schillinge. Das wären umgerechnet knapp 20 US-Dollar. Doch wir haben kaum noch Schillinge dabei.
„We haven’t got any Shillings. Can we pay in US-Dollars as well?“
„Yes, that’s possible. How much do you pay?“
Die Frage ist uns suspekt.
„Five Dollars?“
„Give me ten.“
Das sind immer noch deutlich weniger als 20.000 Tansanische Schillinge.
„Okay.“
„Do you need a receipt?“, fragt er mit wenig Vertrauen erweckendem Grinsen.
Lieber nicht. Wenn Bußgelder Verhandlungssache sind, sollte man nicht auf eine Quittung bestehen. Das könnte den Preis rückwirkend in die Höhe treiben!
„No, thank you. Bye!“, sagen wir schnell, bevor er es sich noch einmal anders überlegt.

Auch wenn das kein guter Auftakt zu meinem Geburtstag war: trotzdem, endlich ist es so weit, endlich habe ich Geburtstag! Jedes Jahr freue ich mich auf’s Neue auf meinen Geburtstag und meine Geschenke. Nachdem ich in meiner Geburtstagsnacht schon Christiane auspacken durfte, überraschen mich Fulco und Marielle mit einem kleinen Präsent aus ihrer Schatztruhe: einem Beachball-Spiel, das wir in den nächsten Tagen ausgiebig bemühen werden!

Sunrise Beach Resort bei Dar es Salaam

Sunrise Beach Resort bei Dar es Salaam

Sunrise Beach Resort bei Dar es Salaam

Sunrise Beach Resort bei Dar es Salaam

Das Sunrise Beach Resort hier am Stadtstrand von Dar es Salaam ist zwar nicht gerade ein Traum, eher ein ziemlich großer, unpersönlicher Laden. Aber immerhin ist es gut für eine Runde Cocktails zum Anstoßen und ein ordentliches Geburtstagsmahl. Wir wissen schon gar nicht mehr, wo wir unsere letzten Cocktails genießen durften. Den nächsten Geburtstag können können wir jetzt schon kaum erwarten!

Peponi Beach Resort und The BeachCrab Resort

Nachdem wir vorzeitig aus dem vermeintlichen Paradies Tiwi Beach geflüchtet sind, ist unser Strandurlaubsbedarf noch nicht gedeckt. Wir fahren deshalb weiter die Küste entlang hinein nach Tansania.
Der Grenzübertritt gestaltet sich wieder erfreulich unkompliziert. Einzig zu erwähnen wäre, wie überraschend fortgeschritten die tansanischen Grenzbeamten sind. Nachdem wir binnen fünf Minuten unsere Visa erhalten haben, begeben wir uns ins Zollbüro. Dort werden wir freundlich empfangen und mit unseren Vornamen begrüßt. Einen langen Augenblick schweben sichtbar Fragezeichen über unseren Köpfen. Mit einem Lächeln fragen wir überrascht, woher sie denn jetzt schon unsere Namen haben, und mit allem Selbstverständnis der Welt erhalten wir die Antwort „Wir haben hit-the-road.net auf eurem Auto gesehen und gleich im Internet recherchiert.“ Schwer beeindruckt nehmen wir unseren Carnet-Stempel in Empfang. Dann werden wir ins Nebenbüro beordert, um unsere Road Tax, eine Art Maut zu entrichten. Und was sehen wir dort an der Wand hängen: ein modernes Prozessdiagramm, das die Arbeitsabläufe und Entscheidungswege des Beamten beschreibt. Fehlt eigentlich nur noch die ISO-Zertifizierung!

Da fühlt man sich doch gleich zu Hause. Aber wir wollen ja an den Strand und haben uns dafür als erstes das Peponi Beach Resort zwischen Tanga und Pangani ausgesucht. Im Peponi Beach Resort machen auch viele Afrikafahrer Station.

Peponi Beach Resort

Peponi Beach Resort

Das Camp ist wie ein Dschungel, aber Strand und Ufer sind leider extrem flach. Selbst bei Flut ist das Wasser kaum tief genug zum Schwimmen, und es ist brackig.
Dafür gibt es aber einen kleinen Swimming Pool. Im Übereifer stößt Christiane sich zu kräftig vom Beckenrand ab und knallt volle Wucht mit der Nase auf den gegenüberliegenden Beckenrand. Wahrscheinlich ist die Nase angebrochen.

Im Peponi Beach Resort treffen wir auf mehrere alte Bekannte. Darunter sind zufällig auch wieder Fulco und Marielle, die von Namanga aus nach einem Besuch im Amboseli National Park die Grenze hinüber nach Arusha genommen hatten.
Nahe des Arusha National Park gibt es die berühmte Hatari Lodge, die von Hardy Krüger aufgebaut und vor mehreren Jahren von einem deutschen Ehepaar übernommen wurde. Die Luxus-Lodge soll diverse infrastrukturelle und servicetechnische Probleme haben und die Gelegenheit zur Mitarbeit gegen Kost, Logis und ein ansehnliches Taschengeld bieten. Wir hatten auch darüber nachgedacht. Allerdings hatten wir schon in Khartum von einem deutschen Afrikafahrer, der vor einigen Jahren als Zimmermann unter der alten Regie in der Lodge gearbeitet hatte, gehört, dass er damals um einen Teil seines Geldes geprellt worden und das wohl auch kein Einzelfall gewesen war. Das kann heute völlig anders sein, aber da die Luxusurlaubsklientel ohnehin nicht unsere Welt ist, hatten wir uns gegen eine Mitarbeit entschieden, wenngleich die Nähe zum Nationalpark und das Leben inmitten der wilden Tierwelt reizvoll gewesen wären. Verpasst haben aber wir wohl nichts, denn wie Fulco und Marielle uns berichten, ist die Mitarbeit nur mit einem Arbeitsvisum möglich, das in Tansania wie in anderen afrikanischen Ländern nur sehr schwer zu bekommen ist.

Das Peponi Beach Resort hat unseren Strandurlaubsbedarf noch nicht decken können. Aber wir haben noch von einem anderen Resort weiter südlich in Pangani gehört, das in den letzten drei Jahren von den Deutschen Sonja und Alex liebevoll aufgebaut und vor einigen Wochen offiziell eröffnet wurde: The BeachCrab Resort.

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Die beiden sympathischen Aussteiger und Hund Bobby waren mit ihrem Auswanderungsprojekt mehrere Male in Good-bye Germany auf VOX zu sehen. Statt von Aussteigern sollte man vielleicht besser von Umsteigern sprechen. Als Aussteiger stellen sich die Meisten wohl eher langhaarige Robinsons vor, die faul auf einer einsamen Insel hocken und ständig bekifft sind. Diesem Klischee entsprechen Sonja uns Alex nicht im Geringsten. Drei Jahre lang haben sie geschuftet und ein idyllisches Refugium aus dem Nichts gezaubert, das sich sehen lassen kann. Auf einer Fläche von fünf Hektar bietet es alles, was man braucht: einen wunderschönen, natürlichen Sandstrand, klares Wasser, riesige Kokospalmen und dazwischen schöne Bungalows, ein Restaurant mit exzellenter Küche, eine Bar, eine Sportsbar und vielfältige Möglichkeiten für den Aktivurlaub. Tauchen, Windsurfen, Mountainbiken und ein professioneller Beach-Volleyball-Platz lassen kaum noch Wünsche offen. Ausflüge in Tansanias berühmte Nationalparks wie den Serengeti und den Ngorongoro stehen natürlich auch auf dem Programm.

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Die drei Tage, die wir im BeachCrab verbringen, sind eigentlich viel zu kurz. Aber wir haben uns mit Fulco und Marielle in einem Resort am Stadtstrand von Dar es Salaam verabredet, um dort gemeinsam meinen Geburtstag zu feiern. Sonja und Alex wünschen wir alles Gute für das BeachCrab, und dass es sich schnell zu dem geschäftlichen Erfolg entwickelt, den es verdient hat!

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Und noch eine Geschichte solle nicht unerzählt bleiben: Im BeachCrab haben wir zwei Österreicher kennengelernt, die die letzten Jahre in Simbabwe gelebt haben und gerade aus dem Land geflüchtet sind.
Seit den frühen Achtzigern hat Simbabwe seine erste schwarze Regierung unter der Präsidentschaft Mugabes, und seit nunmehr einigen Jahren geht es mit dem Land in schier atemberaubender Geschwindigkeit bergab. Wie es zuvor in Südafrika nach der Abschaffung der Apartheid geschehen war, enteignete man die weißen Großgrundbesitzer und damit die größten Arbeitgeber. Viele Ländereien wurden in die Hände von Personen aus Mugabes Dunstkreis gelegt, die mit der Führung einer Farm oder dem Abbau einer Mine überfordert waren. So gingen unzählige Arbeitsplätze verloren. Die Entwicklung gipfelte in einer Inflation von unglaublichen 100.000 Prozent – pro Jahr. Die meisten Menschen waren binnen kürzester Zeit bettelarm. Die Geschäfte sind leer und die Schwarzmärkte blühen. Viele Menschen sind verhungert. Die durchschnittliche Lebenserwartung fiel binnen weniger Jahre von über fünfzig auf unter vierzig.
Wer ein Devisenkonto hat und zur Bank geht, erhält stapelweise Geldbündel, die nur noch mit großen Plastiktüten oder Koffern zu tragen und trotzdem praktisch nichts wert sind. Da sich die Preise dreimal täglich vervielfachen, muss man das soeben abgehobene Geld innerhalb von ein bis zwei Stunden ausgegeben haben, sonst hat man plötzlich nur noch einen Bruchteil des vorherigen Wertes unter dem Arm.
Unterdessen blüht der Devisenhandel auf dem Schwarzmarkt. Mugabes Günstlinge haben das Privileg, inländische Währung zum – dem Realkurs hinterherhinkenden – Nominalkurs gegen Devisen einzutauschen. Die Devisen tauschen sie auf dem Schwarzmarkt zum Realkurs gegen die inländische Währung zurück. Mit jedem Mal verzigfachen sie so ihr Vermögen und haben auf diese weise unglaubliche Reichtümer angerafft. Die teuersten Luxusfahrzeuge, die man sich vorzustellen vermag, trifft man auf Harares Straßen an. Dazu findet man gigantische Anwesen, die den Refugien berühmter Hollywood-Schauspieler in Beverly Hills in nichts nachstehen.
In vier Wochen sind Wahlen in Simbabwe. Bleibt nur zu hoffen, dass es nach 25 Jahren endlich zu einem Regierungswechsel kommt und sich nicht das gleiche Drama wie in Kenia abspielt.

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort