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Einreise Albanien

Im Norden Montenegros in der Gegend um Kotor war es schön und preiswert. Südlich von Kotor fühlten wir uns wie an der Riviera: große Hotelkomplexe, sauber aufgereihte Sonnenschirme und saftige Preise.

Der Grenzübertritt nach Albanien dauert etwa eine Stunde und verläuft vollkommen problemlos. Lediglich 10 Euro pro Person sind zu entrichten, um nach Albanien einreisen zu dürfen. Wie sich nach und nach herausstellen wird, wird dies wie vorausgesehen der einzige Obolus bleiben, der zu entrichten ist.

Albanien

Albanien ist ein fremdes Land inmitten Europas. Bauern mit Eselkarren kommen uns entgegen, Menschen und Nutztiere laufen kreuz und quer auf der Straße und scheren sich nicht um Autos. Kinder winken uns freundlich zu. Wilde Müllberge ziehen an uns vorbei, und auf mancher Deponie suchen Kinder nach Verwertbarem.. Auch die Flüsse werden gerne für die Entsorgung genutzt.

Albanien

Wir passieren eine nicht sehr Vertrauen erweckende, einspurige Holzbrücke, bei der einige der in Längsrichtung verlegten Bohlen durchgebrochen sind:

Albanien

Generell sind die Straßen teilweise extrem schlecht, mit zerbröckeltem Belag und mit Schlaglöchern gespickt.

Albanien

Die Navigation stellt sich als ziemlich schwierig heraus, da es so gut wie keine Wegweiser gibt. In den letzten Jahren wurden andererseits aber auch viele wichtige Verkehrsadern neu asphaltiert. Die albanische Regierung bemüht sich, eine für den internationalen Tourismus taugliche Infrastruktur aufzubauen.

Der Verkehr ist teilweise chaotisch. Wir werden ständig, oftmals waghalsig überholt. Dazu kündigt der Albaner seine Überholabsicht kurz durch ein Hupen an, und dann überholt er, unabhängig davon, ob der Weg frei gemacht wird oder nicht. Notfalls wird der Gegenverkehr rüde an den Straßenrand gedrängt. Nach einer kurzen Eingewöhnung weiß man jedoch, wie man sich zu verhalten hat. Dem Überholenden ist durch schnellstmögliches Ausweichen an den Straßenrand freie Bahn zu gewähren. Auch das häufige Hupen wird verständlich, wenn bewusst ist, dass die Hupe des albanischen Autofahrers liebstes Kommunikationsmittel ist, mit dem er nicht nur sein Überholvorhaben ankündigt, sondern auch grüßt, sich bedankt oder schimpft.

Überholt wir übrigens auch, wenn es sich staut. Zunächst wird hinter dem Hindernis eine zweite Spur aufgemacht, gerne auch rechts von der eigentlichen Spur. Wenn dann auch auf dieser Spur kein schnelleres Vorarbeiten mehr möglich ist, drängt man sich rüde durch die reguläre Spur und überholt auf der Spur des Gegenverkehrs. Irgendwann geht dann natürlich gar nichts mehr, aber in Ruhe abzuwarten und die wideren Umstände zu akzeptieren liegt dem Albaner eben nicht im Blut!

Albanien

Wir fahren endlos durch eine monotone Ebene, parallel zur Küste in Richtung der Landeshauptstadt Tirana. Die einzige Abwechslung besteht im stetigen Wechsel von Polizeiposten, Tankstellen und Autoschrottplätzen.
Von den Polizeiposten werden wir in Ruhe gelassen. Sie beschränken sich darauf, bei den Einheimischen die Hand aufzuhalten.
Der Dieselpreis liegt bei rund einem Euro je Liter. Wer es noch günstiger haben möchte, kann bei einigen Tankstellen sogar offiziell Heizöl tanken, und dementsprechenden Rußwolken ist der Verkehrsteilnehmer mitunter ausgesetzt.

Albanien

Als wir laut Zapfsäule 45 Liter (Diesel, kein Heizöl!) nachtanken, haben wir nach dem Blick auf unsere Tankanzeige jedoch den Verdacht, dass da wohl eher nur rund 40 Liter durch den Tankrüssel gelaufen sind. Damit hätten wir dann preislich auf deutschem Niveau gelegen.

Die Fahrzeuge stammen überwiegend aus Deutschland. Dies erkennt man an den oftmals noch vorhandenen D-Kennzeichen und Aufdrucken deutscher Firmen auf den Lastwagen. Mercedes aller Altersklassen, aber vorwiegend gebrauchte, dominieren das Straßenbild und die Schrottplätze. Viele der Fahrzeuge auf den teils markenspezialisierten Schrottplätzen sehen so aus, als wären sie noch nicht sehr alt gewesen. Etliche haben erhebliche Unfallschäden.

Albanien

Zum Übernachten biegen wir von der Hauptverkehrsader ab und fahren nach Shen Gjin, einem kleinen Ort an der Küste. Überall entlang des Strands werden neue Hotelkomplexe mit Liegestuhl- und Sonnenschirmreihen nach italienischem Vorbild hochgezogen. Viele Albaner leben in Italien und verbringen ihren Urlaub in ihrem Heimatland. Noch ist aber genügend vom Strand übrig geblieben, der von Ein-Mann-Bunkern mit Schießscharten übersäht ist, die aussehen wie überdimensionale Buzzer. Die Einheimischen machen das Beste daraus und nutzen sie als Sitzgelegenheiten und Mülleimer.

Shen Gjin

Shen Gjin

Shen Gjin

In einem kleinen Restaurant erhalten wir für einen Spottpreis leckeres Piva aus Tirana und einen fantastischen Bauernsalat nach griechischer Art. Beim ebenfalls sehr leckeren Fisch allerdings, der neben dem Salat das einzig Erhältliche ist, bittet man uns für dortige Verhältnisse allerdings ganz schön zur Kasse. Der Fisch ohne jegliche Beilage kostet umgerechnet acht Euro pro Person. Aber was soll man machen, wenn es keine Karte gibt und man sich nur mit Handzeichen verständigen kann?

Weltkulturerbe Kotor

Kroatiens Grillkultur haben wir sehr genossen: leckere Cevapcici, wunderbares Lammfleisch, zart gegrillte Kalmare, abgerundet durch Aivar-Paste mit Gemüsezwiebeln, und dazu erfrischende Tomatensalate, kräftige Weine und hervorragendes Pivo. Beim Einkauf all dieser Leckereien stößt man leider jedoch oftmals auf gelangweilte bis hin zu genervte Bedienungen, sicherlich auch ein Phänomen der späten Reisesaison. Trotzdem fühlten wir uns nicht sonderlich willkommen.
Zudem kann preislich auch nicht mehr von einem Schnäppchen die Rede sein. Die günstigen Nachkriegszeiten, in denen das Land wieder um den Tourismus buhlen musste und es noch als Geheimtipp galt sind vorbei. Unsere Kosten für Lebensmittel und Diesel lagen kaum zehn Prozent niedriger als in Deutschland. Campingplätze mieden wir so gut wir konnten, in Dubrovnik kostete eine Übernachtung stolze 35 Euro.
Die schöne Halbinsel Istrien wird in Richtung Süden gefolgt von einer kargen, felsigen Küste. Von Rijeka bis Sibenik lädt die eintönige Landschaft kaum zum Verweilen ein. Die sich stetig eng an die Wasserlinie anlehnende Küstenstraße lässt nahezu keinen Raum für Erholungssuchende. Die kurzen und flach abfallenden Strände sind kiesbedeckt und entbehren jeglichen Liegekomfort. Im Wasser lauern unzählige Seeigel, um dem Badefreund den weiten Weg ins offene Wasser nicht zu leicht zu machen.
Ab Sibenik wird die Landschaft dann wieder schlagartig schön und abwechslungsreich. Die Vegetation ist viel üppiger und frisches Grün ziert die Hänge. Bademöglichkeiten gibt es reichlich.
Dubrovnik hat eine beeindruckende, prächtige Altstadt. Leider nur wird das Stadtbild viel zu sehr von Touristen dominiert, und dies, wie wir uns sagen ließen, über das ganze Jahr hinweg. So fällt es schwer, den Charme der Stadt zu genießen.

Kotor ist ein weiteres Stück Weltkulturerbe in einer zerklüfteten Bucht der Adriaküste Montenegros, südlich von Dubrovnik. Eine kühn in den Berg gebaute Festungsanlage umschließt das 1.000 Jahre alte Hafenstädtchen. Kotor erinnert an Dubrovnik, ist aber viel kleiner und ruhiger.

Weltkulturerbe Kotor

Weltkulturerbe Kotor

Ich gehe in eine Bank, um Geld in die Landeswährung zu tauschen und lege einen 50-Euro-Schein auf den Tresen des Bankschalters mit Bitte um Wechsel. Die Bankangestellte blickt mich einen Moment lang fragend an, greift dann aber den Schein, fasst in die Kasse unter ihrem Pult und zieht vier Banknoten aus dem Fach. Als sie sie vor meinen Augen abzählt, habe ich das merkwürdige Gefühl, die Scheine schon einmal gesehen zu haben. Es sind ein Zwanziger und drei Zehner – in Euro. Verwirrt blicke ich auf die vor mich hingeblätterten Scheine, dann in die Augen der Angestellten, bis ich endlich wieder Worte finde und mich verlegen erkundige, ob der Euro die hiesige Währung sei. Grinsend bestätigt die hübsche junge Dame. Leicht beschämt stecke ich die Scheine in die Tasche, verabschiede mich ebenfalls grinsend und mache mich davon.
Als wir durch das ruhige Städtchen schlendern, vernehmen wir von irgendwo her ein quietschendes Geräusch, das zunehmend lauter wird. Quietsch, quietsch, quietsch, als ob jemand hingebungsvoll mit einer Quietscheente spielt. Aber merkwürdig, das Geräusch hat einen ganz gleichmäßigen Zweiertakt. So eine Art Synchronquietschen zweier Quietscheentenfetischisten, wie wir vermuten. Doch als wir um die nächste Ecke biegen, ist weit und breit keine Quietscheente zu sehen. Aber das penetrante Geräusch ist ganz nah und kommt irgendwie vom Boden her. Schließlich entdecken wir den Verursacher: Bei jedem Schritt eines kleinen Jungen quietschen seine Schuhe schrill und blinken dazu hektisch. Die Eltern des Jungen flanieren neben ihm her. Unglaublich, was manche Eltern sich und ihrer Umwelt zumuten, um ihre kleinen Racker zu jeder Zeit kontrollieren zu können! Dass sie ihrem Spross damit eine reine Freude machen wollten, schließen wir jedenfalls kategorisch aus. Hätte es auch im Zeitalter des Babyfons nicht eine einfache Kuhglocke getan?
Etwas später treffen wir auf zwei kleine Mädchen, die großes Interesse an unseren Boards zeigen, die wir als Alternative zu Klapprädern für Stadterkundungen mitgenommen haben und unter dem Arm tragen. Sie reißen uns die Boards förmlich aus der Hand und wollen wissen, wie man damit fährt. Wir erklären es ihnen bereitwillig und lassen sie für eine Weile gewähren. Die Kleinere von beiden hat richtig Haare auf den Zähnen und möchte ihrer Freundin das Kickboard am liebsten abnehmen und auf beiden Boards gleichzeitig fahren!

Weltkulturerbe Kotor

Auf einem netten Campingplatz in einem kleinen Ort an der Küste, knapp zehn Kilometer hinter Kotor, finden wir unter uralten Olivenbäumen für zwei Tage ein nettes und günstiges Plätzchen im Schatten. Wir gönnen unserem Sprinter eine Rundumwäsche, um danach unsere Aufkleber anzubringen. Außerdem werken wir noch etwas am Innenausbau, um ihn weiter zu optimieren.

Weltkulturerbe Kotor

Weltkulturerbe Kotor

Zum Abendessen bereiten wir uns Fische vor, die wir in Dubrovnik gekauft haben. Der Haken an der Sache: Sie müssen noch ausgenommen werden, und weder Christiane noch ich haben irgendwelche Erfahrung damit. Wir erhalten den Rat, man müsse beim Ausnehmen lediglich darauf achten, dass man die Gallenblase nicht verletze, weil der ganze Fisch sonst bitter schmecken würde. Also machen wir uns zunächst noch zögerlich, an die Arbeit, aber das Ausnehmen klappt dann doch unerwartet gut, nachdem wir den Ekel erst einmal überwunden haben. Und die Gallenblasen haben wir auch nicht verletzt. Allerdings stellt sich beim Essen heraus, dass wir die Fische wohl besser hätten entschuppen sollen! Ganz stolz waren wir, als wir sie ausgenommen hatten, aber an die Schuppen hatten wir keinen Gedanken verschwendet. Einen Fisch mit Schuppen zu essen, die sich unweigerlich im ganzen Fisch verteilen, ist so, als ob man einen Fisch mit einem dreimal so hohen Grätenanteil wie normal essen würde. Wahrlich kein ungetrübter Genuss!
Außerdem machen wir Bekanntschaft mit dem ersten Plumpsklo unserer Reise. Das ganze sieht in etwa so aus wie eine Körperwaage, mit Stellflächen für die Füße, aber statt der Anzeige einem Loch in der Mitte. Sehr gewöhnungsbedürftig, zumal das Hocken auch ganz schön in die Beine geht!

Weltkulturerbe Kotor

Neben unserem Stellplatz steht ein österreichisches Paar mit ihrem VW LT. Von ihnen erfahren wir, dass es bei der albanischen Regierung ein Umdenken gegeben hat und eine Direktive an die Polizei ausgegeben wurde, ausländische Touristen nicht zu behelligen, um einen internationalen Tourismus aufzubauen. Wir beschließen, den direkten Weg durch Albanien nach Griechenland zu nehmen.