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Peponi Beach Resort und The BeachCrab Resort

Nachdem wir vorzeitig aus dem vermeintlichen Paradies Tiwi Beach geflüchtet sind, ist unser Strandurlaubsbedarf noch nicht gedeckt. Wir fahren deshalb weiter die Küste entlang hinein nach Tansania.
Der Grenzübertritt gestaltet sich wieder erfreulich unkompliziert. Einzig zu erwähnen wäre, wie überraschend fortgeschritten die tansanischen Grenzbeamten sind. Nachdem wir binnen fünf Minuten unsere Visa erhalten haben, begeben wir uns ins Zollbüro. Dort werden wir freundlich empfangen und mit unseren Vornamen begrüßt. Einen langen Augenblick schweben sichtbar Fragezeichen über unseren Köpfen. Mit einem Lächeln fragen wir überrascht, woher sie denn jetzt schon unsere Namen haben, und mit allem Selbstverständnis der Welt erhalten wir die Antwort „Wir haben hit-the-road.net auf eurem Auto gesehen und gleich im Internet recherchiert.“ Schwer beeindruckt nehmen wir unseren Carnet-Stempel in Empfang. Dann werden wir ins Nebenbüro beordert, um unsere Road Tax, eine Art Maut zu entrichten. Und was sehen wir dort an der Wand hängen: ein modernes Prozessdiagramm, das die Arbeitsabläufe und Entscheidungswege des Beamten beschreibt. Fehlt eigentlich nur noch die ISO-Zertifizierung!

Da fühlt man sich doch gleich zu Hause. Aber wir wollen ja an den Strand und haben uns dafür als erstes das Peponi Beach Resort zwischen Tanga und Pangani ausgesucht. Im Peponi Beach Resort machen auch viele Afrikafahrer Station.

Peponi Beach Resort

Peponi Beach Resort

Das Camp ist wie ein Dschungel, aber Strand und Ufer sind leider extrem flach. Selbst bei Flut ist das Wasser kaum tief genug zum Schwimmen, und es ist brackig.
Dafür gibt es aber einen kleinen Swimming Pool. Im Übereifer stößt Christiane sich zu kräftig vom Beckenrand ab und knallt volle Wucht mit der Nase auf den gegenüberliegenden Beckenrand. Wahrscheinlich ist die Nase angebrochen.

Im Peponi Beach Resort treffen wir auf mehrere alte Bekannte. Darunter sind zufällig auch wieder Fulco und Marielle, die von Namanga aus nach einem Besuch im Amboseli National Park die Grenze hinüber nach Arusha genommen hatten.
Nahe des Arusha National Park gibt es die berühmte Hatari Lodge, die von Hardy Krüger aufgebaut und vor mehreren Jahren von einem deutschen Ehepaar übernommen wurde. Die Luxus-Lodge soll diverse infrastrukturelle und servicetechnische Probleme haben und die Gelegenheit zur Mitarbeit gegen Kost, Logis und ein ansehnliches Taschengeld bieten. Wir hatten auch darüber nachgedacht. Allerdings hatten wir schon in Khartum von einem deutschen Afrikafahrer, der vor einigen Jahren als Zimmermann unter der alten Regie in der Lodge gearbeitet hatte, gehört, dass er damals um einen Teil seines Geldes geprellt worden und das wohl auch kein Einzelfall gewesen war. Das kann heute völlig anders sein, aber da die Luxusurlaubsklientel ohnehin nicht unsere Welt ist, hatten wir uns gegen eine Mitarbeit entschieden, wenngleich die Nähe zum Nationalpark und das Leben inmitten der wilden Tierwelt reizvoll gewesen wären. Verpasst haben aber wir wohl nichts, denn wie Fulco und Marielle uns berichten, ist die Mitarbeit nur mit einem Arbeitsvisum möglich, das in Tansania wie in anderen afrikanischen Ländern nur sehr schwer zu bekommen ist.

Das Peponi Beach Resort hat unseren Strandurlaubsbedarf noch nicht decken können. Aber wir haben noch von einem anderen Resort weiter südlich in Pangani gehört, das in den letzten drei Jahren von den Deutschen Sonja und Alex liebevoll aufgebaut und vor einigen Wochen offiziell eröffnet wurde: The BeachCrab Resort.

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Die beiden sympathischen Aussteiger und Hund Bobby waren mit ihrem Auswanderungsprojekt mehrere Male in Good-bye Germany auf VOX zu sehen. Statt von Aussteigern sollte man vielleicht besser von Umsteigern sprechen. Als Aussteiger stellen sich die Meisten wohl eher langhaarige Robinsons vor, die faul auf einer einsamen Insel hocken und ständig bekifft sind. Diesem Klischee entsprechen Sonja uns Alex nicht im Geringsten. Drei Jahre lang haben sie geschuftet und ein idyllisches Refugium aus dem Nichts gezaubert, das sich sehen lassen kann. Auf einer Fläche von fünf Hektar bietet es alles, was man braucht: einen wunderschönen, natürlichen Sandstrand, klares Wasser, riesige Kokospalmen und dazwischen schöne Bungalows, ein Restaurant mit exzellenter Küche, eine Bar, eine Sportsbar und vielfältige Möglichkeiten für den Aktivurlaub. Tauchen, Windsurfen, Mountainbiken und ein professioneller Beach-Volleyball-Platz lassen kaum noch Wünsche offen. Ausflüge in Tansanias berühmte Nationalparks wie den Serengeti und den Ngorongoro stehen natürlich auch auf dem Programm.

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Die drei Tage, die wir im BeachCrab verbringen, sind eigentlich viel zu kurz. Aber wir haben uns mit Fulco und Marielle in einem Resort am Stadtstrand von Dar es Salaam verabredet, um dort gemeinsam meinen Geburtstag zu feiern. Sonja und Alex wünschen wir alles Gute für das BeachCrab, und dass es sich schnell zu dem geschäftlichen Erfolg entwickelt, den es verdient hat!

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Und noch eine Geschichte solle nicht unerzählt bleiben: Im BeachCrab haben wir zwei Österreicher kennengelernt, die die letzten Jahre in Simbabwe gelebt haben und gerade aus dem Land geflüchtet sind.
Seit den frühen Achtzigern hat Simbabwe seine erste schwarze Regierung unter der Präsidentschaft Mugabes, und seit nunmehr einigen Jahren geht es mit dem Land in schier atemberaubender Geschwindigkeit bergab. Wie es zuvor in Südafrika nach der Abschaffung der Apartheid geschehen war, enteignete man die weißen Großgrundbesitzer und damit die größten Arbeitgeber. Viele Ländereien wurden in die Hände von Personen aus Mugabes Dunstkreis gelegt, die mit der Führung einer Farm oder dem Abbau einer Mine überfordert waren. So gingen unzählige Arbeitsplätze verloren. Die Entwicklung gipfelte in einer Inflation von unglaublichen 100.000 Prozent – pro Jahr. Die meisten Menschen waren binnen kürzester Zeit bettelarm. Die Geschäfte sind leer und die Schwarzmärkte blühen. Viele Menschen sind verhungert. Die durchschnittliche Lebenserwartung fiel binnen weniger Jahre von über fünfzig auf unter vierzig.
Wer ein Devisenkonto hat und zur Bank geht, erhält stapelweise Geldbündel, die nur noch mit großen Plastiktüten oder Koffern zu tragen und trotzdem praktisch nichts wert sind. Da sich die Preise dreimal täglich vervielfachen, muss man das soeben abgehobene Geld innerhalb von ein bis zwei Stunden ausgegeben haben, sonst hat man plötzlich nur noch einen Bruchteil des vorherigen Wertes unter dem Arm.
Unterdessen blüht der Devisenhandel auf dem Schwarzmarkt. Mugabes Günstlinge haben das Privileg, inländische Währung zum – dem Realkurs hinterherhinkenden – Nominalkurs gegen Devisen einzutauschen. Die Devisen tauschen sie auf dem Schwarzmarkt zum Realkurs gegen die inländische Währung zurück. Mit jedem Mal verzigfachen sie so ihr Vermögen und haben auf diese weise unglaubliche Reichtümer angerafft. Die teuersten Luxusfahrzeuge, die man sich vorzustellen vermag, trifft man auf Harares Straßen an. Dazu findet man gigantische Anwesen, die den Refugien berühmter Hollywood-Schauspieler in Beverly Hills in nichts nachstehen.
In vier Wochen sind Wahlen in Simbabwe. Bleibt nur zu hoffen, dass es nach 25 Jahren endlich zu einem Regierungswechsel kommt und sich nicht das gleiche Drama wie in Kenia abspielt.

The BeachCrab Resort

The BeachCrab Resort

Tiwi Beach bei Mombasa

Wenn man durch den Tsavo durch ist, ist Mombasa nicht mehr weit. Wir sind gespannt auf die kenianische Großstadt an der Küste, werden aber enttäuscht. Außer durch chaotischen Verkehr scheint sie sich auf den ersten Blick durch nichts auszuzeichnen. Deshalb riskieren wir auch keinen zweiten Blick und fahren gleich weiter nach Tiwi Beach, Mombasas Wochenendausflugsstrand rund 30 Kilometer südlich der Stadt.

Ja, und was soll man sagen? Tiwi Beach kommt dem Paradies verdammt nahe. Vor uns breitet sich eine südseeähnliche Idylle aus: strahlender Sonnenschein, erhabene Kokospalmen, weißer Sandstrand und türkisfarbenes, klares Wasser. Bei Ebbe bilden sich Pools, deren Wasser sich in der Sonne auf beinahe Körpertemperatur aufheizt und zum stundenlangen Bad einlädt. Dazu gibt es jeden Tag frischen Fisch und frisches Obst. Was will man mehr?

Tiwi Beach

Tiwi Beach

Na ja, vielleicht nicht andauernd angesprochen werden, ob man Schnitzereien oder Kokosnüsse oder kaufen will. Die Strände sind leer, und die Touristen bleiben wegen der instabilen politischen Lage Kenias zu Hause oder buchen um. Nach nunmehr zwei Monaten ohne Touristen gehen die Strandhändler hier langsam auf dem Zahnfleisch. Wie die meisten Afrikaner kennen sie keine Vorsorge für schlechte Zeiten. Wenn sie Geld haben, geben sie es aus. Schon in guten Zeiten fällt es ihnen schwer zu glauben, dass der Tourist nicht die fünfte Kokosnuss des Tages kaufen und auch nicht das x-te Mal seinen Namen auf einen Schlüsselanhänger geschnitzt haben möchte. Ein typischer Strandtag sieht ungefähr so aus:

Man geht morgens am Strand spazieren, unterhält sich angeregt und wird jäh unterbrochen:
„Hello my friend, how are you?“
„Fine. How are you?“
„What a nice day! Where are you from?“
„Germany.“
„Ah, aus Deutschland! Willkommen! Germans are nice people! First time in Kenia?“
„Yes.“
„Where do you stay?“
„Sorry, but we won’t tell you.“
„When you come back, please have a look at my shop!“
„What kind of shop do you have?“
„I sell nice carvings.“
„Maybe later.“

Einige identische Gespräche später ändert sich der Gesprächsverlauf um die Mittagszeit herum dann ungefähr wie folgt:
„Hello my friend, how are you?“
„You are not really interested in this.“
„What a nice day! Where are you from?“
„From The Netherlands.“
„First time in Kenia?“
„Maybe.“
„Where do you stay?“
„Somewhere.“
„When you come back, please have a look at my shop!“
„Let’s guess: You sell carvings?“
„How do you know?“
„Because everybody here sells carvings.“

Und wiederum einige identische Gespräche später gegen Abend ändert sich der Gesprächsverlauf erneut:
„Hello my friend, how are you?“
„Could be better.“
„What a nice day! Where are you from?“
„From Mars.“
„First time in Kenia?“
„No.“
„Where do you stay?“
„That’s not your business.“
„When you come back, please have a look at my shop!“
„No.“
„Why?“
„Because we don’t like carvings.“

So lustig das gerade geklungen hat: Manche der Strandverkäufer sind nicht nur nervig. Einer aus einer Gruppe von drei jungen Männern, die gemeinsam am Strand hocken, bietet uns beim Spazieren Kokosnüsse an. Wir sagen ihm, dass wir im Moment keinen Bedarf haben, aber vielleicht auf dem Rückweg welche kaufen werden. Das tun wir dann auch, allerdings unwissentlich bei einem seiner beiden Kumpel. Es saßen aber immer noch alle drei gemeinsam am Strand. Dann kommt derjenige vom ersten Mal angelaufen und beschwert sich, dass wir die Kokosnüsse bei ihm kaufen wollten. Dabei wird er ziemlich aufbrausend. Ob nun aus mangelnder Kollegialität untereinander oder purer Dreistigkeit uns gegenüber: Wir haben das Gefühl, es ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert. Deshalb ziehen wir es vor, das vermeintliche Paradies nach nur wenigen Tagen wieder zu verlassen. Wirklich schade.

Bevor wir Tiwi Beach den Rücken kehren, wollen wir allerdings erst noch die beiden liebenswürdigen und immer lustigen Tessiner Antonietta und Marco erwähnen, mit denen wir uns das wunderschöne Camp geteilt haben. Sie reisen seit sage und schreibe neun Jahren in ihrem 33 Jahre alten VW-Bus durch die Welt und sind ab sofort unsere neuen Vorbilder!

Tiwi Beach

Safari im Tsavo National Park

Der Amboseli National Park und der Tsavo National Park liegen nur siebzig Kilometer auseinander. Man kann vom einen praktisch gleich in den nächsten fahren. Morgens noch im Amboseli, mittags schon im Tsavo. Der Tsavo ist der größte Nationalpark Afrikas. Er ist stolze 21.000 Quadratkilometer groß. Demgegenüber kommt der Amboseli auf gerade einmal knapp 400 Quadratkilometer. Mit anderen Worten: Der Tsavo ist über fünfzigmal so groß wie der Amboseli. Er beheimatet 10.000 Elefanten und die weltweit größte Kolonie der seltenen schwarzen Nashörner. Wir haben zwar nicht das Glück, eines von ihnen zu sehen. Aber dafür sehen wir zwei große Gruppen von Flusspferden aus nächster Nähe nebst eines Krokodils und eines Leoparden. Außerdem ist die weite und abwechslungsreiche Landschaft des Tsavo einfach fantastisch.

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Tsavo National Park

Safari im Amboseli National Park

Nachdem wir uns ein paar Tage bei Chris erholt haben, haben wir uns gestern gemeinsam mit Fulco und Marielle wieder auf den Weg gemacht. Wir wollen dem Amboseli National Park einen Besuch abstatten. In Namanga, hoffen die beiden, können sie Doerak und Djennis für einen Tag zurücklassen, während sie sich den Park ansehen gehen. Der Amboseli ist berühmt für die atemberaubenden Ausblicke auf den Kilimandscharo. Rund 6.000 Meter ist er hoch. Vor seiner Silhouette wirken die Elefanten und die vielen anderen Tiere, Löwen, Büffel, Flusspferde, Giraffen, Zebras, Gazellen, Hyänen und Warzenschweine, die auf den Wiesen der ausgedehnten Savannenlandschaft grasen, wie Spielzeugfiguren. Leider versteckt sich der Kili, wie er liebevoll genannt wird, jedoch meistens hinter einer dicken Wolkendecke. Nur früh morgens bei Sonnenaufgang hat man gute Chancen, ihn in seiner ganzen Pracht zu sehen.

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Safari im Amboseli National Park

Boxenstopp bei Jungle Junction in Nairobi

Nairobis Ruf ist nicht viel besser als der der Mojale-Route. Nicht umsonst trägt Nairobi auch den spöttischen Namen „Nairobbery“. Umso mehr sind wir erstaunt, dass Nairobi abgesehen vom Verkehrschaos im Zentrum eine durchaus schöne Stadt mit viel Grün ist. Und einkaufen kann man hier weltklasse. Zumindest kommt es uns nach der langen Supermarktabstinenz seit Kairo so vor. Wir kaufen den halben Supermarkt leer: Bier, Wein, Gin, Tonic Water, Salt & Vinegar Chips, Haribos, Schokolade und was es sonst noch so gibt. Auch ein paar gesunde Sachen verirren sich in den Einlaufskorb, aber sie sind deutlich in der Unterzahl.

Nachdem wir uns noch am westlichen Angebot des angegliederten Cafés gütlich getan und das offene Funknetzwerkverbindung des Cafés in Anspruch genommen haben, schleppen wir unsere Beute zurück zu Jungle Junction, einem festungsartig gesicherten, aber schönen Camp, in dem wir uns einquartiert haben und wo wir uns mit Fulco und Marielle verabredet hatten. Hohe Mauern, versehen mit Glasscherben und Stacheldraht umgeben das Camp, zwei Wachhunde liegen faul in der Sonne. Soll uns das ein Gefühl von Sicherheit geben, oder sollte uns das nicht eher verunsichern? Aber solche Mauern sind in afrikanischen Städten leider völlig normal. Mit ihnen schützen die Weißen und die wohlhabenden Schwarzen sich und ihr Hab und Gut vor den armen Schwarzen. Anfangs irritierend, gewöhnt man sich doch schnell daran. Außerdem ist es in den augenblicklichen unsicheren Zeiten vielleicht gar nicht so verkehrt. Nur wenige Wochen zuvor kam es vor Jungle Junction noch zu einer Straßenschlacht und Schießereien. Die Camper waren innerhalb der beeindruckenden Mauern in Sicherheit.

Chris ist Deutscher und betreibt Jungle Junction seit etlichen Jahren. Er hat das Camp vorbildlich organisiert und kümmert sich hervorragend um seine Gäste. Freitags gibt es Barbecue vom Feinsten – da entpuppt er sich als wahrer Grillmeister. Eigentlich ist Chris gelernter Kfz-Mechaniker. Er war Werkstattleiter bei BMW-Motorrad in Nairobi. Motorräder sind seine Leidenschaft, und er hat seinem Camp eine kleine, aber feine Motorradwerkstatt angegliedert. In Afrika kann man nicht nur auf einem Bein stehen, sagt er. So heißen die Afrikafahrer auch die Gelegenheit willkommen, ihre Motorräder und Autos bei Chris zu reparieren oder reparieren zu lassen. So auch wir, denn wir hatten ja einen Platten. In Nairobi bekommt man so ziemlich alles, was für eine Reparatur notwendig ist. Chris nennt uns zwei Reifenflicker, die sich das Malheur ansehen können. Leider stellt sich heraus, dass an einer Stelle die Gummischichten begonnen haben, sich voneinander zu lösen – irreparabel. So müssen wir wohl oder übel zwei neue Reifen bestellen, denn nur einen zu wechseln, wäre bei dem bereits stark abgefahrenen Profil des gegenüberliegenden Reifens nicht möglich. Der Spaß kostet uns runde dreihundert Euro.

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Boxenstop bei Jungle Junction in Nairobi

Über den Äquator

Nachdem wir uns im Timau Camp am Fuß des Mount Kenia eine Übernachtung gegönnt haben, geht es schließlich auf die letzten Kilometer bis nach Nairobi. Wir sind auf die Überquerung des Äquators gespannt. Den Äquator überqueren wir zwar nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal tun wir es auf dem Landweg.

Doch erst einmal werden wir wieder von einer Radarkontrolle angehalten. Ich habe sie frühzeitig gesehen und bin auf den Strich genau die zulässige Geschwindigkeit gefahren. Ein Polizist kommt zu mir ans Fenster und bezichtigt uns der Geschwindkeitsübertretung.
Beim ersten Mal, als uns das passierte, war ich nicht darauf vorbereitet gewesen. Der Polizist hatte mir eine Radarpistole mit aufleuchtendem Messwert vor die Nase gehalten, und ich musste es so hinnehmen. Doch wer weiß, ob das Gerät vor der Messung überhaupt zurückgesetzt wurde?
Dieses Mal bin ich mir jedoch sicher, die zulässige Geschwindigkeit eingehalten zu haben und mache das dem Polizisten gegenüber auch sehr deutlich. Der fängt an zu schmunzeln, zwinkert mir zu und winkt uns weiter. Mit einem Lächeln verabschieden wir uns – man versteht sich!

Am Äquator schließlich angekommen entdecken wir nur ein mageres Schild, das die imaginäre Line kennzeichnet, die die Welt umspannt. Wir sind etwas enttäuscht, hätten mit einem schönen Stein, einer Messingtafel oder gar einer in die Straße eingelassenen Messinglinie gerechnet. Aber nichts dergleichen ist zu sehen.
Natürlich lassen wir es uns trotzdem nicht nehmen, ein Foto von dem Schild zu machen. Als wir dann aber sogleich vom ersten Souvenirverkäufer angequatscht werden, fällt es uns nicht schwer, den Äquator schnell wieder zu verlassen und weiter nach Nairobi zu fahren.

Äquator

Safari im Samburu National Reserve

Etwa vierzig Kilometer vor Isiolo kommt man am Samburu National Reserve vorbei. Dennis und Maike in Kairo hatten es uns empfohlen. Es ist das erste Naturreservat, das wir uns ansehen werden. Fulco und Marielle sind unschlüssig, da sie Sorge um ihren Bus haben und außerdem organisieren müssten, dass Doerak und Djennis, ihre beiden Niederländischen Schäferhunde, irgendwo versorgt wären. Da es bis Isiolo nicht mehr weit ist, trennen wir uns unbesorgt. Wir wollen uns in zwei Tagen in Nairobi treffen.

Das Samburu National Reserve ist ein vergleichsweise kleines Naturreservat, aber man kommt auf vielen kleinen Wegen sehr nahe an die Tiere heran. Es ist durchzogen von einer ursprünglichen Flusslandschaft. Hier sehen wir unsere ersten Elefanten, Büffel, Giraffen, Zebras, Gazellen und Emus in freier Wildbahn. Raubtiere bekommen wir leider nicht zu sehen, obwohl es Löwen, Leoparden und Krokodile geben soll.

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Safari im Samburu National Reserve

Nach einer Nacht auf dem ungesicherten Camp-Gelände des Samburu National Reserve, wo uns eine Horde Affen einen Besuch abgestattet und versucht hat, in unseren Sprinter einzudringen, machen wir uns glücklich und tief beeindruckt auf den restlichen Weg nach Isiolo. Die paar Kilometer ohne Fulco und Marielle sollten wir nun auch noch unbeschadet überstehen. Aber nein, Irrtum, wir treffen noch einmal auf eine richtig üble Piste. Und, wie könnte es anders sein, wir fangen uns auch gleich einen Platten ein. Ein dicker, langer Dorn hat sich durch einen unserer Reifen gebohrt und für einen schleichenden Platten gesorgt. Diese Büsche mit Dornen so lang wie Messer gibt es hier überall in Kenia. Nun ist es also so weit, der erste Reifenwechsel an unserem Sprinter steht an. Natürlich ist es nicht unser erster Reifenwechsel, aber es ist der erste an einem so großen und schweren Fahrzeug. Wir machen uns aber gut, und nach einer halben Stunde können wir weiterfahren.

Da wir im Gegensatz zu fast allen anderen Afrikafahrern aus Platzmangel nur ein Ersatzrad haben, wäre ein weiterer Platten jetzt schlecht. Und ein Platten kommt auf solchen Pisten selten allein. Aber wir haben Glück und erreichen ohne weitere Zwischenfälle Isiolo. Ab Isiolo gibt es eine Teerstraße, die bis nach Nairobi führt. Mit ungewohntem Komfort gleiten wir nun dahin. Da es noch nicht so spät ist, fahren wir gleich weiter bis nach Timau, das nur wenige Kilometer vor dem Äquator am Fuß des Mount Kenia liegt, dem zweithöchsten Berg Afrikas. Hier gibt es ein wunderschönes, natürlich gelegenes Camp mit Blick auf den Berg: das Timau Camp.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Vorgestern haben wir uns in Yabello wieder mit Fulco und Marielle getroffen. Erneut steht uns ein schwieriger und dieses Mal auch gefährlicher Streckenabschnitt bevor: die berüchtigte Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia. In Yabello haben wir uns mit reichlich zusätzlichen Wasser- und Dieselvorräten in großen Plastikkanistern eingedeckt, die wir günstig erstanden haben.

Yabello

Yabello

Am Abend haben wir uns dann auf der Terrasse des zu unserem Camp gehörenden Restaurants mit einer Portion Injera gestärkt – dem äthiopischen Nationalgericht. Injera ist ein weiches, gesäuertes Fladenbrot, das in mundgerechte Stücke gerissen und in Fleischragout und andere Zubereitungen getunkt wird. Fulco bestellte dazu eine Flasche Cola, aber es war keine Kohlensäure darin. Als er den Kellner darauf aufmerksam machte, nahm dieser die Flasche und goss von deren Inhalt auf den Boden der Terrasse neben Fulco. Aus der aufschäumenden Cola auf dem Terrassenboden schloss er schließlich, es müsse doch Kohlensäure darin sein. Kann man da widersprechen?

Die Mojale-Route ist benannt nach der äthiopisch-kenianischen Grenzstadt und führt quer durch Nordkenia über Marsabit nach Isiolo. Berüchtigt ist die Mojale-Route wegen der seit Jahren dort immer wieder stattfindenden Überfälle durch somalische Banden – teils mit tödlichem Ausgang –, und sie ist ein wilder Ritt über so genannte Waschbrett- beziehungsweise Wellblechpisten. Diese Pisten verdanken ihre Namen dem knochenharten Muster, das durch die Befahrung mit der Zeit entsteht. Halsbrecherische Geschwindigkeiten sind eine Möglichkeit, solche Pisten einigermaßen heil zu überstehen – wenn alles gut geht. Man saust dabei über die Wellenkämme hinweg. Diese Fahrweise ist aber auch mit hohem Risiko verbunden, denn ein Schlagloch kann genügen, um ein Fahrzeug auszuheben und abfliegen zu lassen. Bremsen ist bei dem geringen Bodenkontakt kaum noch möglich. Deshalb empfiehlt sich diese Fahrweise nur für diejenigen, die die Strecke sehr gut kennen. Für uns bleibt nur, mit 10–20 Stundenkilometern durch die Wellentäler zu schleichen.
Für Fahrzeuge wie unsere Busse ist die Mojale-Route die einzige Möglichkeit, nach Kenia zu gelangen. Für geländegängige Fahrzeuge gibt es eine Alternative, die Turmi-Route. Sie führt durch das äthiopische Dorf Turmi und das Grenzdorf Omorate im Omotal und dann über die grüne Grenze nach Kenia, entlang der Ostseite des Turkanasees nach Isiolo. In Omorate bekommt man den äthiopischen Ausgangsstempel in den Pass. Eine Zollabfertigung gibt es dort allerdings nicht, das heißt den Carnet-Stempel muss man sich schon vorab beim Zollamt in Addis Abeba besorgen. Das Ausreisedatum trägt man bei der Grenzüberquerung selbst ein. Auf kenianischer Seite gibt es keinerlei Grenzabfertigung. Visa muss man sich vorab besorgen und dann bei Ankunft in Nairobi von der Einwanderungsbehörde abstempeln lassen. Den Carnet-Eingangsstempel bekommt man ebenfalls in Nairobi beim Zoll. Wichtig ist, dass man auf die Strecke genügend Treibstoff für rund 1.500 Kilometer, Verpflegung und vor allem Wasser für mindestens zehn Tage mitnimmt. Bis auf wenige Dörfer gibt es entlang der Turmi-Route nichts als Wildnis. Die ganze Mühe soll sich aber lohnen. Die Landschaften im Omotal und am Turkanasee müssen traumhaft sein und noch bewohnt von Urvölkern. Da aber auch einige Flussdurchfahrten zu meistern sind mit steilen Ufern, die für unsere Busse ein Problem darstellen würden, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf das Abenteuer Mojale-Route einzulassen.

Gestern auf dem Weg von Yabello nach Mojale haben wir die allgegenwärtigen Termitenhügel sowie das Schauspiel der kleinen Wirbelstürme bestaunt, die sich bei der Hitze hier überall bilden.

Von Yabello nach Mojale

Von Yabello nach Mojale

Von Yabello nach Mojale

Von Yabello nach Mojale

Bei der Grenzabfertigung in Mojale staunten wir dann, wie unkompliziert alles verlief. Mit einem freundlichen Karibu wurden wir von den kenianischen Beamten begrüßt und sogleich darüber aufgeklärt, dass man darauf mit Ashante antwortet.
Vielleicht war die unkomplizierte Grenzabfertigung auch eine positive Begleiterscheinung der Unruhen, die nach den Wahlen im Dezember in Kenia ausgebrochen waren. Die Opposition hat die Wahl gewonnen, aber Präsident Kibaki denkt gar nicht daran, seinen Posten zu räumen. Daraufhin kam es landesweit zu Protesten und Eskalationen, besonders in den Elendsvierteln Nairobis, den so genannten Townships. Polizei und Militär gingen gewaltsam gegen die Proteste vor. Straßenschlachten, Brandschatzungen, Raubüberfälle und Tote waren die Folge. Die Volksstämme des Präsidenten und des Oppositionsführers, die beide am Turkanasee beheimatet sind, bekriegten sich. Hunderttausende Menschen flohen in das Grenzgebiet zwischen Kenia und Uganda. Mittlerweile sitzen Regierung und Opposition unter internationaler Aufsicht, allen voran des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, aber auch der US-amerikanischen Außenministerin Condoleca Rice, an einem Tisch und sollen sich auf einen Kompromiss einigen. Der Kompromissvorschlag sieht eine geteilte Übergangsregierung für zwei Jahre und dann Neuwahlen vor.
Auf den Straßen ist es seitdem vorübergehend ruhig. Solange Kibaki nicht einlenkt, kann es jedoch jederzeit zu einer erneuten Eskalation kommen. Mittlerweile haben beinahe alle Reiseveranstalter ihre Reisen nach Kenia abgesagt, und der für Kenia so wichtige Tourismus liegt praktisch vollständig am Boden. Kein Wunder also, dass wir mit Kusshand in Kenia willkommen geheißen wurden.

All das sind keine wirklich guten Umstände. Mit flauen Mägen brechen wir früh morgens auf und machen uns auf den abenteuerlichen Weg nach Isiolo. Die ersten Kilometer der Mojale-Route verlaufen noch problemlos. Wenn das so bliebe, wäre die Welt in Ordnung. Doch es bleibt nicht so. Schon bald tauchen die ersten großen Schlaglöcher auf, und es werden immer mehr. Dann wird die Piste immer härter, da der Boden immer trockener wird. Das Fahren erfordert permanente Höchstkonzentration. Nur ein bisschen zu schnell, schon bekommen Fahrer und Fahrzeuge sofort harte Schläge ab.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Nach nur zwei Stunden ist es dann auch so weit: Fulcos und Marielles Bus wird im Rückspiegel immer kleiner. Sie sind stehen geblieben. Wir fahren ebenfalls an den Straßenrand und warten, denn kurze Pausen sind bei der pausenlosen Beanspruchung von Mensch und Material häufig. Nur wenig später kommen Fulco und Marielle langsam angeruckelt. Sie geben uns Handzeichen, dass sie ein Problem haben.
Die Bremse hinten links hat sich festgesetzt und löst sich nicht mehr. Also heißt es unter den Wagen robben und nach dem Rechten schauen. Die Bremse selbst stellt sich schnell als nicht das eigentliche Problem heraus. Nein, viel schlimmer: Die komplette Hinterachse hat sich auf der linken Seite nach hinten verschoben. Wie sollen wir das nur reparieren? Ratlosigkeit droht sich breit zu machen, würde uns aber nicht weiterhelfen. Wir nehmen die Aufhängung der Hinterachse genauer unter die Lupe, denn auf den ersten Blick ist gar nicht erkennbar, wie die Hinterachse überhaupt mit dem Rahmen verbunden ist und was die tragenden Teile sind. Schließlich stellt sich heraus, das die Achse im wesentlichen an der Blattfederung und diese wiederum am Rahmen befestigt ist. Oben auf der Blattfederung liegt ein kleiner Metallblock, eine Art Schlitten mit zwei Mulden an dessen Enden, in denen zwei große, u-förmige Schrauben aufliegen und von dort quasi herunterhängen. Sie umschließen das gesamt Packet an Federblättern und führen schließlich durch vier Bohrungen in der Achse. Unter der Achse sitzen Muttern auf den Schrauben, die das ganze zusammenhalten. Und diese Muttern haben sich durch das stetige Gerüttel gelockert. Dadurch ist der ganze Schlitten samt Schrauben, der normalerweise mittig auf dem obersten Federblatt aufliegen sollte, nach hinten gerutscht und mit ihm die komplette Hinterachse.
Problem erkannt, aber wie sollen wir die Hinterachse ohne Hebebühne bloß wieder in Position bringen? Es bleibt uns nichts anderes übrig, als es mit Wagenhebern zu versuchen. Fulco besitzt deren gleich zwei. Nachdem wir das hinderliche Reserverad abmontiert haben, gelingt es uns so, das Heck weit genug anzuheben, um das linke Zwillingsrad freizubekommen. Mit vereinter Kraft zerren Fulco und ich an dem Rad, um die Achse zu bewegen. Sie rührt sich keinen Millimeter. Erneut versuchen wir es. Wieder nichts. So kommen wir nicht weiter. Wenn du mit Körperkraft nicht weiterkommst, dann lass Werkzeuge für Dich arbeiten. Bloß welches? Natürlich, wir können es mit einem Stemmeisen versuchen. Das Eisen ist schnell herbeigeholt und am Rad angesetzt. Fulco betätigt den Hebel, während ich weiter am Rad ziehe. Und tatsächlich, so gelingt es uns, Rad und Achse zu bewegen. Stück für Stück bewegt sich die Achse zurück in ihre angestammte Position.
Doch der Schlitten auf der Blattfederung ist nicht mitgerutscht. Wenn wir das so lassen würden, bräuchte Fulco nur ein wenig anzufahren, und die Achse würde einfach stehen bleiben, das heißt sofort wieder nach hinten rutschen. Also nehmen wir uns den Schlitten mit dem Gummihammer vor, doch wir richten damit nicht das geringste aus. Er sitzt zu fest auf der Federung. Es ist uns gelungen, die gesamte Achse zu bewegen, und jetzt sollen wir an diesem Schlitten scheitern? Im ersten Moment denken wir daran, die vier Muttern unter der Achse weiter zu lockern, um die Spannung vom Schlitten zu nehmen, doch würde es das wirklich bewirken? Da das Rad immer noch in der Luft steht und somit Zug auf die Blattfederung ausübt, würden die Federblätter nur weiter auseinander gebogen und sie den Schlitten noch unbeweglicher machen. Nein, wir müssen das Rad ablassen, denn dann wird die Federung auf Druck belastet und die Federblätter gestrafft. Dann müsste sich der Schlitten hoffentlich bewegen lassen.
Wieder nehmen wir uns den Schlitten mit dem Gummihammer vor, und tatsächlich, diesmal scheint er sich bewegt zu haben. Also machen wir weiter, Millimeter für Millimeter, bis der Schlitten schließlich wieder dort liegt, wo er hingehört. Jetzt müssen wir noch die vier Muttern wieder festziehen, und das sollte es dann gewesen sein – hoffen wir zumindest…

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Vorzeigbare zwei Stunden haben wir gebraucht, aber die werden uns jetzt für den Rest der Strecke nach Marsabit fehlen. Zu allem Überfluss wird das Wellblech noch schlimmer. Brettharte Schläge sind unvermeidbar, wenn wir heute noch angekommen wollen. Zwischen Mojale und Marsabit gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten, es sei denn, wir stellen uns irgendwo an den Straßenrand und machen ein Bushcamp. Beim Ruf der Mojale-Route wollen wir das aber unter allen Umständen vermeiden. So können wir auf das Material nun nicht mehr viel Rücksicht nehmen, obwohl wir nicht wissen, ob die reparierte Achse halten wird. Dementsprechend groß ist jetzt die Anspannung.
Das wird auch nicht besser, als das Buschland langsam in eine öde, hitzeflirrende Steinwüste übergeht. Das Wellblech ist von immer größeren Steinen durchsetzt. So geht es Stunden, bis die Piste schließlich in tiefen Schotter übergeht. Wäre der Schotter nicht so tief, wäre das ja beinahe angenehm, aber die alle paar Stunden durchfahrenden Laster haben tiefe Furchen hinterlassen. Sie sind so tief, dass wir nicht in diesen Spuren fahren können, denn unsere Achsen sind zu niedrig über dem Boden, so dass wir ständig aufsetzen würden. So müssen wir am Rand der Rinnen entlang balancieren.
Aber unser Heck rutscht immer wieder ab, und ständig haben wir harte Bodenkontakte mit der Vorderachse. Als es wieder einmal ziemlich knallt, halten wir an, um den Schaden zu begutachten. Es ist nichts gebrochen, aber auf der Seite des rechten Vorderrads ist eine ölige Flüssigkeit auf den Achsschutz getropft, die wir nicht genau identifizieren können. Sie kann nur aus der Lenkmanschette ausgetreten sein, die die Lenkstange vor Staub schützt. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Manschette vollkommen durchlöchert ist. Wir befürchten, dass es sich um Lenkflüssigkeit handeln könnte, doch wir können den Schaden jetzt nicht reparieren. Auch so schon werden wir erst bei Dunkelheit in Marsabit ankommen.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Also geht es weiter. Die hochstehende Sonne stürzt unaufhaltsam dem Horizont entgegen, und das Dunkel der Dämmerung bricht über uns herein. Und wir sind noch lange nicht in Marsabit. Glücklicherweise haben wir Zusatzscheinwerfer.
So fahren wir durch die Dämmerung hindurch in die Nacht hinein. Es wird dunkel, und außer der Piste und den Büschen an der Seite sehen wir nichts mehr. Noch zwei Stunden, schätzen wir, sind es bis nach Marsabit. Sehr unangenehm in einer Gegend, die für Raubüberfälle berüchtigt ist. Aber es gehört auch immer eine gute Portion Pech dazu, wenn so etwas passiert. Es gibt keine Regelmäßigkeit in diesen Überfällen. Sie treten alle paar Monate auf. Allerdings weiß man auch nie, welche Überfälle real sind und welche von Wichtigtuern erfunden.
Nach einer schier unendlich lang scheinenden Fahrt treffen wir irgendwann schließlich doch noch, totmüde zwar, ansonsten aber quicklebendig, in Marsabit ein. Achse und Lenkung haben gehalten. Beim sympathischen Schweizer Henry The Swiss, der schon seit dreißig Jahren in Kenia lebt und einen Bauernhof und ein Camp betreibt, kommen wir bestens aufgehoben unter, genehmigen uns ein kühles kenianisches Bier mit kenianischem Käse und von Henrys kenianischer Frau selbstgebackenem Brot und fallen in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Den nächsten Tag bleiben wir bei Henry, um uns von der anstrengenden Fahrt zu erholen und die Lenkung genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Lenkflüssigkeitsstand ist in Ordnung, also kann es nicht allzu schlimm sein. Wir reinigen das Lenkgestänge unter der Gummimuffe und die Muffe selbst so gut es geht vom Staub und dichten alles mit einem aufgeschnittenen Frischhaltebeutel ab, den wir um die Muffe herumwickeln, mit Isolierband abkleben und mit Kabelbindern befestigen.

Herny The Swiss, Marsabit

Herny The Swiss, Marsabit

Herny The Swiss, Marsabit

So kann es am nächsten Tag guter Dinge weiter gehen nach Isiolo, obwohl dieser Streckenabschnitt einen noch schlechteren Ruf genießt als der erste. Bei langsamer Fahrt ist die Piste nach Isiolo gar nicht so schlimm. Zumindest erwartet uns nicht wieder tiefer, ausgefahrener Kies, und die Umgebung wechselt wieder in eine grüne Buschlandschaft, die ab und zu sogar den Blick auf Berge freigibt.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

 

 

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia