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Von Kapstadt zurück nach Deutschland

Unseren Gedanken und Erinnerungen nachhängend sitzen wir nun nach 373 Tagen und rund 35.000 Kilometern im Flugzeug von Kapstadt zurück nach Deutschland. Unseren Sprinter werden wir im Open-Top-Container nach Deutschland verschiffen. Die Investition der rund 4.000 Euro hätte sich eigentlich nicht mehr gelohnt, aber sonst bekämen wir unsere für das Carnet de Passages hinterlegten 5.000 Euro nicht zurück.
Es war eine lange Zeit, aber sie ist vergangen wie im Flug, und sie war aufregend, aber auch strapaziös. Einerseits freuen wir uns nun auf die Rückkehr nach Deutschland, andererseits bedrückt uns das Ende unserer großen Reise.

In Kapstadt haben wir acht Wochen lang gelebt, und die Stadt wäre ein so perfekter Ort zum Leben gewesen, wenn die sozialen Probleme dort nicht wären. Trotzdem wären wir gerne noch eine Weile geblieben. Wir hatten sogar versucht, Jobs zu finden. Doch wegen des Black Economic Empowerment Act gibt es kaum Jobs für Weiße. Viele junge, weiße Südafrikaner verlassen das Land in Richtung Australien oder Neuseeland. Schon gar keine Jobs gibt es für weiße Ausländer, es sei denn, sie verfügen über Kompetenzen, deren Bedarf Südafrika nicht aus dem Inland decken kann. Sprachkompetenz wäre da allen voran zu nennen, und in Kapstadt gibt es auch tatsächlich eine große deutschstämmige Gemeinde. Trotzdem reicht es meist nicht, Deutsch und Englisch zu sprechen, denn die Amtssprache der Buren ist ja Afrikaans.
Tatsächlich hätten wir die Möglichkeit gehabt, für Lufthansa oder Swiss Air in einem Callcenter zu arbeiten. Von den 500 Euro im Monat hätten wir uns aber kaum mehr als eine Wellblechhütte leisten können.

So freuen wir uns nun auch auf die Rückkehr nach Deutschland. Und wir sind gespannt, welche Abenteuer uns in unserer alten Heimat erwarten…

HIT THE ROAD!!!

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Vorgestern haben wir uns in Yabello wieder mit Fulco und Marielle getroffen. Erneut steht uns ein schwieriger und dieses Mal auch gefährlicher Streckenabschnitt bevor: die berüchtigte Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia. In Yabello haben wir uns mit reichlich zusätzlichen Wasser- und Dieselvorräten in großen Plastikkanistern eingedeckt, die wir günstig erstanden haben.

Yabello

Yabello

Am Abend haben wir uns dann auf der Terrasse des zu unserem Camp gehörenden Restaurants mit einer Portion Injera gestärkt – dem äthiopischen Nationalgericht. Injera ist ein weiches, gesäuertes Fladenbrot, das in mundgerechte Stücke gerissen und in Fleischragout und andere Zubereitungen getunkt wird. Fulco bestellte dazu eine Flasche Cola, aber es war keine Kohlensäure darin. Als er den Kellner darauf aufmerksam machte, nahm dieser die Flasche und goss von deren Inhalt auf den Boden der Terrasse neben Fulco. Aus der aufschäumenden Cola auf dem Terrassenboden schloss er schließlich, es müsse doch Kohlensäure darin sein. Kann man da widersprechen?

Die Mojale-Route ist benannt nach der äthiopisch-kenianischen Grenzstadt und führt quer durch Nordkenia über Marsabit nach Isiolo. Berüchtigt ist die Mojale-Route wegen der seit Jahren dort immer wieder stattfindenden Überfälle durch somalische Banden – teils mit tödlichem Ausgang –, und sie ist ein wilder Ritt über so genannte Waschbrett- beziehungsweise Wellblechpisten. Diese Pisten verdanken ihre Namen dem knochenharten Muster, das durch die Befahrung mit der Zeit entsteht. Halsbrecherische Geschwindigkeiten sind eine Möglichkeit, solche Pisten einigermaßen heil zu überstehen – wenn alles gut geht. Man saust dabei über die Wellenkämme hinweg. Diese Fahrweise ist aber auch mit hohem Risiko verbunden, denn ein Schlagloch kann genügen, um ein Fahrzeug auszuheben und abfliegen zu lassen. Bremsen ist bei dem geringen Bodenkontakt kaum noch möglich. Deshalb empfiehlt sich diese Fahrweise nur für diejenigen, die die Strecke sehr gut kennen. Für uns bleibt nur, mit 10–20 Stundenkilometern durch die Wellentäler zu schleichen.
Für Fahrzeuge wie unsere Busse ist die Mojale-Route die einzige Möglichkeit, nach Kenia zu gelangen. Für geländegängige Fahrzeuge gibt es eine Alternative, die Turmi-Route. Sie führt durch das äthiopische Dorf Turmi und das Grenzdorf Omorate im Omotal und dann über die grüne Grenze nach Kenia, entlang der Ostseite des Turkanasees nach Isiolo. In Omorate bekommt man den äthiopischen Ausgangsstempel in den Pass. Eine Zollabfertigung gibt es dort allerdings nicht, das heißt den Carnet-Stempel muss man sich schon vorab beim Zollamt in Addis Abeba besorgen. Das Ausreisedatum trägt man bei der Grenzüberquerung selbst ein. Auf kenianischer Seite gibt es keinerlei Grenzabfertigung. Visa muss man sich vorab besorgen und dann bei Ankunft in Nairobi von der Einwanderungsbehörde abstempeln lassen. Den Carnet-Eingangsstempel bekommt man ebenfalls in Nairobi beim Zoll. Wichtig ist, dass man auf die Strecke genügend Treibstoff für rund 1.500 Kilometer, Verpflegung und vor allem Wasser für mindestens zehn Tage mitnimmt. Bis auf wenige Dörfer gibt es entlang der Turmi-Route nichts als Wildnis. Die ganze Mühe soll sich aber lohnen. Die Landschaften im Omotal und am Turkanasee müssen traumhaft sein und noch bewohnt von Urvölkern. Da aber auch einige Flussdurchfahrten zu meistern sind mit steilen Ufern, die für unsere Busse ein Problem darstellen würden, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf das Abenteuer Mojale-Route einzulassen.

Gestern auf dem Weg von Yabello nach Mojale haben wir die allgegenwärtigen Termitenhügel sowie das Schauspiel der kleinen Wirbelstürme bestaunt, die sich bei der Hitze hier überall bilden.

Von Yabello nach Mojale

Von Yabello nach Mojale

Von Yabello nach Mojale

Von Yabello nach Mojale

Bei der Grenzabfertigung in Mojale staunten wir dann, wie unkompliziert alles verlief. Mit einem freundlichen Karibu wurden wir von den kenianischen Beamten begrüßt und sogleich darüber aufgeklärt, dass man darauf mit Ashante antwortet.
Vielleicht war die unkomplizierte Grenzabfertigung auch eine positive Begleiterscheinung der Unruhen, die nach den Wahlen im Dezember in Kenia ausgebrochen waren. Die Opposition hat die Wahl gewonnen, aber Präsident Kibaki denkt gar nicht daran, seinen Posten zu räumen. Daraufhin kam es landesweit zu Protesten und Eskalationen, besonders in den Elendsvierteln Nairobis, den so genannten Townships. Polizei und Militär gingen gewaltsam gegen die Proteste vor. Straßenschlachten, Brandschatzungen, Raubüberfälle und Tote waren die Folge. Die Volksstämme des Präsidenten und des Oppositionsführers, die beide am Turkanasee beheimatet sind, bekriegten sich. Hunderttausende Menschen flohen in das Grenzgebiet zwischen Kenia und Uganda. Mittlerweile sitzen Regierung und Opposition unter internationaler Aufsicht, allen voran des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, aber auch der US-amerikanischen Außenministerin Condoleca Rice, an einem Tisch und sollen sich auf einen Kompromiss einigen. Der Kompromissvorschlag sieht eine geteilte Übergangsregierung für zwei Jahre und dann Neuwahlen vor.
Auf den Straßen ist es seitdem vorübergehend ruhig. Solange Kibaki nicht einlenkt, kann es jedoch jederzeit zu einer erneuten Eskalation kommen. Mittlerweile haben beinahe alle Reiseveranstalter ihre Reisen nach Kenia abgesagt, und der für Kenia so wichtige Tourismus liegt praktisch vollständig am Boden. Kein Wunder also, dass wir mit Kusshand in Kenia willkommen geheißen wurden.

All das sind keine wirklich guten Umstände. Mit flauen Mägen brechen wir früh morgens auf und machen uns auf den abenteuerlichen Weg nach Isiolo. Die ersten Kilometer der Mojale-Route verlaufen noch problemlos. Wenn das so bliebe, wäre die Welt in Ordnung. Doch es bleibt nicht so. Schon bald tauchen die ersten großen Schlaglöcher auf, und es werden immer mehr. Dann wird die Piste immer härter, da der Boden immer trockener wird. Das Fahren erfordert permanente Höchstkonzentration. Nur ein bisschen zu schnell, schon bekommen Fahrer und Fahrzeuge sofort harte Schläge ab.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Nach nur zwei Stunden ist es dann auch so weit: Fulcos und Marielles Bus wird im Rückspiegel immer kleiner. Sie sind stehen geblieben. Wir fahren ebenfalls an den Straßenrand und warten, denn kurze Pausen sind bei der pausenlosen Beanspruchung von Mensch und Material häufig. Nur wenig später kommen Fulco und Marielle langsam angeruckelt. Sie geben uns Handzeichen, dass sie ein Problem haben.
Die Bremse hinten links hat sich festgesetzt und löst sich nicht mehr. Also heißt es unter den Wagen robben und nach dem Rechten schauen. Die Bremse selbst stellt sich schnell als nicht das eigentliche Problem heraus. Nein, viel schlimmer: Die komplette Hinterachse hat sich auf der linken Seite nach hinten verschoben. Wie sollen wir das nur reparieren? Ratlosigkeit droht sich breit zu machen, würde uns aber nicht weiterhelfen. Wir nehmen die Aufhängung der Hinterachse genauer unter die Lupe, denn auf den ersten Blick ist gar nicht erkennbar, wie die Hinterachse überhaupt mit dem Rahmen verbunden ist und was die tragenden Teile sind. Schließlich stellt sich heraus, das die Achse im wesentlichen an der Blattfederung und diese wiederum am Rahmen befestigt ist. Oben auf der Blattfederung liegt ein kleiner Metallblock, eine Art Schlitten mit zwei Mulden an dessen Enden, in denen zwei große, u-förmige Schrauben aufliegen und von dort quasi herunterhängen. Sie umschließen das gesamt Packet an Federblättern und führen schließlich durch vier Bohrungen in der Achse. Unter der Achse sitzen Muttern auf den Schrauben, die das ganze zusammenhalten. Und diese Muttern haben sich durch das stetige Gerüttel gelockert. Dadurch ist der ganze Schlitten samt Schrauben, der normalerweise mittig auf dem obersten Federblatt aufliegen sollte, nach hinten gerutscht und mit ihm die komplette Hinterachse.
Problem erkannt, aber wie sollen wir die Hinterachse ohne Hebebühne bloß wieder in Position bringen? Es bleibt uns nichts anderes übrig, als es mit Wagenhebern zu versuchen. Fulco besitzt deren gleich zwei. Nachdem wir das hinderliche Reserverad abmontiert haben, gelingt es uns so, das Heck weit genug anzuheben, um das linke Zwillingsrad freizubekommen. Mit vereinter Kraft zerren Fulco und ich an dem Rad, um die Achse zu bewegen. Sie rührt sich keinen Millimeter. Erneut versuchen wir es. Wieder nichts. So kommen wir nicht weiter. Wenn du mit Körperkraft nicht weiterkommst, dann lass Werkzeuge für Dich arbeiten. Bloß welches? Natürlich, wir können es mit einem Stemmeisen versuchen. Das Eisen ist schnell herbeigeholt und am Rad angesetzt. Fulco betätigt den Hebel, während ich weiter am Rad ziehe. Und tatsächlich, so gelingt es uns, Rad und Achse zu bewegen. Stück für Stück bewegt sich die Achse zurück in ihre angestammte Position.
Doch der Schlitten auf der Blattfederung ist nicht mitgerutscht. Wenn wir das so lassen würden, bräuchte Fulco nur ein wenig anzufahren, und die Achse würde einfach stehen bleiben, das heißt sofort wieder nach hinten rutschen. Also nehmen wir uns den Schlitten mit dem Gummihammer vor, doch wir richten damit nicht das geringste aus. Er sitzt zu fest auf der Federung. Es ist uns gelungen, die gesamte Achse zu bewegen, und jetzt sollen wir an diesem Schlitten scheitern? Im ersten Moment denken wir daran, die vier Muttern unter der Achse weiter zu lockern, um die Spannung vom Schlitten zu nehmen, doch würde es das wirklich bewirken? Da das Rad immer noch in der Luft steht und somit Zug auf die Blattfederung ausübt, würden die Federblätter nur weiter auseinander gebogen und sie den Schlitten noch unbeweglicher machen. Nein, wir müssen das Rad ablassen, denn dann wird die Federung auf Druck belastet und die Federblätter gestrafft. Dann müsste sich der Schlitten hoffentlich bewegen lassen.
Wieder nehmen wir uns den Schlitten mit dem Gummihammer vor, und tatsächlich, diesmal scheint er sich bewegt zu haben. Also machen wir weiter, Millimeter für Millimeter, bis der Schlitten schließlich wieder dort liegt, wo er hingehört. Jetzt müssen wir noch die vier Muttern wieder festziehen, und das sollte es dann gewesen sein – hoffen wir zumindest…

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Vorzeigbare zwei Stunden haben wir gebraucht, aber die werden uns jetzt für den Rest der Strecke nach Marsabit fehlen. Zu allem Überfluss wird das Wellblech noch schlimmer. Brettharte Schläge sind unvermeidbar, wenn wir heute noch angekommen wollen. Zwischen Mojale und Marsabit gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten, es sei denn, wir stellen uns irgendwo an den Straßenrand und machen ein Bushcamp. Beim Ruf der Mojale-Route wollen wir das aber unter allen Umständen vermeiden. So können wir auf das Material nun nicht mehr viel Rücksicht nehmen, obwohl wir nicht wissen, ob die reparierte Achse halten wird. Dementsprechend groß ist jetzt die Anspannung.
Das wird auch nicht besser, als das Buschland langsam in eine öde, hitzeflirrende Steinwüste übergeht. Das Wellblech ist von immer größeren Steinen durchsetzt. So geht es Stunden, bis die Piste schließlich in tiefen Schotter übergeht. Wäre der Schotter nicht so tief, wäre das ja beinahe angenehm, aber die alle paar Stunden durchfahrenden Laster haben tiefe Furchen hinterlassen. Sie sind so tief, dass wir nicht in diesen Spuren fahren können, denn unsere Achsen sind zu niedrig über dem Boden, so dass wir ständig aufsetzen würden. So müssen wir am Rand der Rinnen entlang balancieren.
Aber unser Heck rutscht immer wieder ab, und ständig haben wir harte Bodenkontakte mit der Vorderachse. Als es wieder einmal ziemlich knallt, halten wir an, um den Schaden zu begutachten. Es ist nichts gebrochen, aber auf der Seite des rechten Vorderrads ist eine ölige Flüssigkeit auf den Achsschutz getropft, die wir nicht genau identifizieren können. Sie kann nur aus der Lenkmanschette ausgetreten sein, die die Lenkstange vor Staub schützt. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Manschette vollkommen durchlöchert ist. Wir befürchten, dass es sich um Lenkflüssigkeit handeln könnte, doch wir können den Schaden jetzt nicht reparieren. Auch so schon werden wir erst bei Dunkelheit in Marsabit ankommen.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Also geht es weiter. Die hochstehende Sonne stürzt unaufhaltsam dem Horizont entgegen, und das Dunkel der Dämmerung bricht über uns herein. Und wir sind noch lange nicht in Marsabit. Glücklicherweise haben wir Zusatzscheinwerfer.
So fahren wir durch die Dämmerung hindurch in die Nacht hinein. Es wird dunkel, und außer der Piste und den Büschen an der Seite sehen wir nichts mehr. Noch zwei Stunden, schätzen wir, sind es bis nach Marsabit. Sehr unangenehm in einer Gegend, die für Raubüberfälle berüchtigt ist. Aber es gehört auch immer eine gute Portion Pech dazu, wenn so etwas passiert. Es gibt keine Regelmäßigkeit in diesen Überfällen. Sie treten alle paar Monate auf. Allerdings weiß man auch nie, welche Überfälle real sind und welche von Wichtigtuern erfunden.
Nach einer schier unendlich lang scheinenden Fahrt treffen wir irgendwann schließlich doch noch, totmüde zwar, ansonsten aber quicklebendig, in Marsabit ein. Achse und Lenkung haben gehalten. Beim sympathischen Schweizer Henry The Swiss, der schon seit dreißig Jahren in Kenia lebt und einen Bauernhof und ein Camp betreibt, kommen wir bestens aufgehoben unter, genehmigen uns ein kühles kenianisches Bier mit kenianischem Käse und von Henrys kenianischer Frau selbstgebackenem Brot und fallen in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Den nächsten Tag bleiben wir bei Henry, um uns von der anstrengenden Fahrt zu erholen und die Lenkung genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Lenkflüssigkeitsstand ist in Ordnung, also kann es nicht allzu schlimm sein. Wir reinigen das Lenkgestänge unter der Gummimuffe und die Muffe selbst so gut es geht vom Staub und dichten alles mit einem aufgeschnittenen Frischhaltebeutel ab, den wir um die Muffe herumwickeln, mit Isolierband abkleben und mit Kabelbindern befestigen.

Herny The Swiss, Marsabit

Herny The Swiss, Marsabit

Herny The Swiss, Marsabit

So kann es am nächsten Tag guter Dinge weiter gehen nach Isiolo, obwohl dieser Streckenabschnitt einen noch schlechteren Ruf genießt als der erste. Bei langsamer Fahrt ist die Piste nach Isiolo gar nicht so schlimm. Zumindest erwartet uns nicht wieder tiefer, ausgefahrener Kies, und die Umgebung wechselt wieder in eine grüne Buschlandschaft, die ab und zu sogar den Blick auf Berge freigibt.

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

 

 

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Mojale-Route von Äthiopien nach Kenia

Fazit Türkei und Einreise Syrien

Die Türkei ist ein großartiges Reiseland. Kulturhistorisches und Naturschönes gibt es in der Türkei in ungeahnter Fülle. Trotz ihrer geografischen Lage auf zwei kulturell völlig unterschiedlichen Kontinenten wirkt die Türkei nicht wie ein zweigeteiltes Land: Die Türkei ist ein orientalisches Land, sie ist aber auch ein viel europäischeres Land, als so mancher Europäer sich dies vorstellen wird. Die Kulturen verschmelzen in der multikulturellen Metropole Istanbul auf ganz natürliche Weise zu etwas Neuem. Besonders abends und an den Wochenenden sprudelt die Stadt nur so vor Leben.
Bei der übrigen Türkei muss man zwischen den Küstenregionen und dem Landesinneren unterscheiden. An den Küsten findet sich die ganze Palette von einsamen Sandstränden über gemäßigte Urlaubsgebiete bis hin zu Stränden, wie man sie in berüchtigten Ecken Mallorcas vorfindet. Mit anderen Worten: Für jeden Geschmack ist etwas dabei, und dazu kommen zahlreiche kulturelle und naturelle Sehenswürdigkeiten, die von den Küstenorten aus gut zu erreichen sind. Es ist immer eine Reise wert, hierher zu kommen und sich nicht nur auf einen reinen Strandurlaub einzustellen.
Weiter im Landesinneren kann sich dann mitunter jedoch auch schnell ein leichter Kulturschock einstellen. Die Zeit scheint hier in vielerlei Hinsicht vor 200 Jahren stehen geblieben zu sein. Die meisten Menschen sind einfache Bauern und leben zu einem beträchtlichen Teil noch in ärmlichen Lehmhütten. Es ist ein hartes Leben, wie man den vom Leben gezeichneten Gesichtern entnehmen kann, was kein Wunder ist bei der extremen Trockenheit und Kargheit des Landes, in dem kaum ein Baum wächst. Zudem ist das Bildungsniveau sehr niedrig. Doch die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, wie auch in der ganzen Türkei.
Wie oft sind wir mit einem Lächeln empfangen und mit Geschenken reichlich bedacht worden. Eine wunderschöne Sitte ist das türkische Nationalgetränk, der Chai, ein kräftiger schwarzer Tee, der mit viel Zucker zu jeder Gelegenheit getrunken und als Zeichen der Gastfreundschaft angeboten wird.
Schön waren auch die Begegnungen an den vielen Tankstellen, die wir im Laufe der drei Wochen in diesem Land ansteuerten. Mal gab es eine Flasche Zitronensprudel mit auf den Weg, mal ein paar Päckchen Waschmittel und feuchte Tücher, und selbst an Tankstellen, an denen wir nicht getankt hatten und trotzdem übernachten durften, versorgte man uns mit Chai, spendierte man uns eine kostenlose Wagenwäsche oder einfach nur ein herzerfrischendes Lächeln.
Die schönste Begebenheit in dieser Hinsicht war, als am Ende des Ramadan eine türkische Familie am Strand von Olympos mit zwei großen Stücken „Festival Cake“ auf uns zukam und sie uns feierlich überreichte – einfach so!

„Das Land öffnet sich mehr und mehr für den internationalen Tourismus. Allerdings sollten derzeit die Erwartungen an eine für Touristen erforderliche Infrastruktur noch nicht zu hoch gesteckt werden.“, so steht es in den Informationen des Auswärtigen Amts zu Syrien. Da sind wir doch mal gespannt.
Zunächst mussten wir uns in Istanbul ja erst einmal Visa beschaffen, was nicht gerade für eine Offenheit Syriens gegenüber Touristen spricht. In Jordanien beispielsweise bekommt man das Visum mittlerweile schon an der Grenze. Andererseits bekommt man für Saudi-Arabien praktisch gar kein Visum: Man erhält maximal ein Drei-Tage-Transitvisum, und das aber auch nur, wenn man eine Einladung in das Land vorzuweisen hat, die wiederum man eigentlich nur bekommt, wenn man dort geschäftlich mit einem inländischen Unternehmen zu tun hat. So gesehen wäre es noch vergleichsweise leicht gewesen, ein Visum für Syrien zu bekommen, wenn da nicht der Haken wäre, dass Syrien zusätzlich zum Antrag ein Empfehlungsschreiben verlangt. Dieses Empfehlungsschreiben, das eine deutsche Botschaft oder ein deutsches Konsulat ausstellen muss, erhält man offiziell gar nicht mehr.
Als wir beim Deutschen Konsulat in Istanbul vorsprachen, wollte man uns mit der klaren Aussage wieder fortschicken, dass diese Empfehlungsschreiben nicht mehr ausgestellt würden. Gut, dass ich zuvor beim Konsulat angerufen und anscheinend einen guten Eindruck gemacht hatte, denn die freundliche und hilfsbereite Konsulatsangestellte am anderen Ende der Leitung hatte mir zugesichert, wir würden die Empfehlungsschreiben bekommen, wenn wir den Nachweis erbrächten, dass wir uns von Stuttgart offiziell abgemeldet haben.
Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, dass wir die Abmeldebescheinigung jemals brauchen würden. Was hatten wir nicht alles an Dokumenten eingesteckt, kopiert, gescannt, deponiert und sonst wo hin redundant gespeichert. Aber an unsere Abmeldebescheinigungen hatten wir nicht gedacht. Doch wir konnten von Glück sagen, dass die auf einmal so wichtigen Abmeldebescheinigungen von meinen Eltern schnell gefunden und zugefaxt waren. Auch diese Hürde war also genommen, und der zunächst abweisende, sich dann aber als sehr freundlich und hilfsbereit herausstellende Beamte des Deutschen Konsulats legte uns die durchaus existierenden Formulare zur Beantragung der Empfehlungsschreiben vor.
Wenig später hielten wir tatsächlich die begehrten Empfehlungsschreiben in der Hand, mit denen wir erneut beim Syrischen Konsulat vorstellig wurden. Dort gaben wir unsere Anträge nebst je zweier Passfotos ab. Die westlich gekleidete, junge Dame, die alles entgegen nahm, lachte sich erst einmal schlapp, als sie das Passfoto von Christiane mit Kopftuch sah und zeigte es bei ihren ebenfalls nicht Kopftuch tragenden Kolleginnen herum. Und drei Stunden später hielten wir dann endlich unsere Visa für einen fünfzehntägigen Syrienaufenthalt in der Hand.
Eigentlich hatten wir Visa für vier Wochen beantragt, aber die sollen wir ohnehin nicht brauchen, wie sich nun am syrischen Grenzübergang herausstellt. Zunächst können wir aber erst einmal von Glück sagen, dass wir nicht gleich an der Passkontrolle auf dem heruntergekommenen und unübersichtlichen Grenzgelände scheitern. Nicht etwa wegen eines israelischen Stempels in unseren Pässen, der ein absolutes „No Go“ wäre, sondern weil wir eine Adresse im Land benötigen, über die wir zu erreichen sind. Da wir campen wollen, verweisen wir schließlich auf die Deutsche Botschaft in Damaskus. Die englische Übersetzung „German Embassy“ kann oder will der noch recht junge, hagere Beamte mit dünnem Schnurrbärtchen aber nicht verstehen. Als ein drängelnder Araber seinen Pass mit einem Geldschein darin an mir vorbei reicht, werden mir die Verständnisprobleme schlagartig klar. Allerdings hält der korrupte Beamte unsere Pässe schon in der Hand. Also kann ich kaum noch dezent einen Geldschein hineinlegen, und den Schein einfach offensichtlich hinüber zu reichen, rede ich mir auch aus. Obwohl der feiste Chef des Angestellten, der im Hintergrund herumläuft und seine Autorität zur Schau trägt, im selben Moment in seine Hosentasche greift, ein Geldbündel so dick wie zwei Zigarettenschachteln, herausholt und beginnt, durchzuzählen.
Ich gehe zurück zum Wagen und schreibe aus unseren Informationen des Auswärtigen Amts die Adresse der Deutschen Botschaft in Damaskus ab und werde erneut am Schalter vorstellig. Die Adresse scheint eine Postfachadresse zu sein und sieht mehr nach einer Telefonnummer aus. Prompt fragt mich der Beamte, was das denn sein soll. „Die Adresse!“, beharre ich. Glücklicherweise kommt mir in diesem Moment ein Busfahrer zur Hilfe, der bestätigt, dass es sich um eine ganz normale Adresse und nicht um eine Telefonnummer handelt. Da das Ganze nun wohl schon seit einer viertel Stunde hin und her geht, vergeht dem Beamten dann wohl auch die Lust, und er beginnt endlich unsere Einreiseformalien weiter zu bearbeiten. Noch einmal Probleme gibt es, als er unsere Berufe wissen will. Schlecht vorbereitet antworte ich „IT-Consultant“ und erkläre sodann, dass das „IT“ für „Information Technology“ stehe. Dass er damit genauso wenig anfangen kann, hätte ich mir natürlich denken können. Doch dann kommt mir der rettende Einfall, und ich gebe als meinen Beruf „Computer“ an. Das schluckt er dann endlich.
Doch damit ist die Einreise noch lange nicht durch. Als nächstes müssen wir beim Zoll vorstellig werden. Da sitzen zwei Typen wie Patt und Patterchon, beide kräftig gebaut, der eine vermutlich ein Frauenschwarm, mit klaren, braun-grünen Augen und schelmischem Gesichtsausdruck, und der Andere das genaue Gegenteil mit Eierkopf und Mönchsfrisur, aber ebenfalls mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Hoffentlich wird das jetzt nicht allzu teuer, denke ich schon, und dann kommt auch prompt die unheilvolle Frage: „Diesel?“ Oh, oh, ich soll rüber zur Bank.
Ein Fettsack mit glasbausteindicken Gläsern in einem Hornbrillengestell und einem dicken Bündel Hundertdollarscheine in der Hand will mir zweihundertfünfzig Dollar abknöpfen. Ich schlucke schwer, als ob ich der Fettsack wäre und den ganzen Tag hier sitzen müsste. Fünfzig Dollar für die Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung, weil Syrien die Grüne Versicherungskarte nicht akzeptiert, und zweihundert Dollar Dieselsteuer für zwei Wochen. Liebes Auswärtiges Amt, wären diese Summen nicht einmal eine Erwähnung wert in euren Informationen? Glücklicherweise kommt mir der Gedanke, dass es bei einem nur einwöchigen Aufenthalt vielleicht billiger werden könnte. An der stattlichen Versicherungssumme ändert sich damit zwar nichts. Aber zumindest halbiert sich tatsächlich die Dieselsteuer.
Gut, bleiben wir in eurem Land eben nur eine Woche und geben weniger Geld aus. Allerdings muss man dazu sagen, dass ein Liter Diesel in Syrien den lächerlichen Betrag von umgerechnet zehn Cent kostet. Ein Liter Milch kostet demgegenüber sage und schreibe das Fünffache. Auf diesem Weg holt sich der Staat von den motorisierten Touristen, was diese sonst gegenüber den heimischen Spritpreisen sparen würden. Andererseits ist Syrien ein kleines Land, und wenn man in einer Woche die Strecke zurücklegt und das vertankt, was man sonst in zwei, drei oder vier Wochen zurücklegen beziehungsweise vertanken würde, dann ist das Resultat lediglich, dass die Touristen in Syrien weniger für Verpflegung und Unterkunft ausgeben.
Hundertfünfzig Dollar leichter gehe ich also zu Patt und Patterchon zurück und lege die Belege vor. Während sie die Dokumente bearbeiten fangen sie eine Diskussion über Fußball mit mir an. „Bayern Munich“ ist ihr Lieblingsverein. Mir ist zwar nicht nach einer Diskussion über Fußball, aber ich habe auch das Gefühl, dass es unklug wäre, nicht auf das Spielchen einzugehen. Spitzenverein sage ich, aber da Christiane und ich zuletzt bekanntlich in Stuttgart gelebt haben, bringe ich natürlich den aktuellen Deutschen Meister Stuttgart ins Spiel. Auch wenn es mir selbst egal wäre, wenn Stuttgart in der Amateurliga spielen würde. „Yes, Stuttgart, German football champion!“ wiederholen sie anerkennend und tuscheln noch ein wenig in Arabisch. Dann verlangen sie zwei Dollar Gebühr für den Stempel unter das Carnet de Passages, ein Zolldokument, das in vielen Ländern Asiens und Afrikas bei der Ein- und Ausreise abgestempelt werden muss. Mit dem Carnet de Passages sollen Autoschiebereien unterbunden werden. Wenn ein eingeführtes Fahrzeug nicht nachweislich wieder ausgeführt wird, gilt es als im jeweiligen Land verhökert, und es werden in der Regel horrende Zollgebühren, oft bis zur Höhe des geschätzten Fahrzeugwertes, erhoben, für die beim Automobilclub des Heimatlandes eine stattliche Kautionssumme hinterlegt werden muss.
Habe ich es mir doch gedacht! Aber zwei Dollar scheinen mir zu günstig, als dass ich eine Diskussion anzetteln würde. Also überreiche ich sie bereitwillig und bin erleichtert.
Die anschließende Zollkontrolle ist auch nicht weiter nennenswert, und nach zwei Stunden sind wir endlich in Syrien!