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Über den Nassersee von Assuan nach Wadi Halfa

Um von Ägypten in den Sudan zu gelangen, steht nur der Wasserweg über den Nassersee offen. Die Grenzüberschreitung auf dem Landweg ist selbst mit einem Geländewagen nicht zu empfehlen, da es keinen offiziellen Grenzübergang gibt, sondern lediglich einen schwer bewachten Militärposten, und das Gebiet vermint ist. Von Assuan geht eine Fähre über den Nassersee zum Wüstenort Wadi Halfa, dem Eingangstor zum Sudan. Die Überfahrt dauert 24 Stunden und kostet stolze 500 Euro. Na prima. Die Visa für den Sudan hatten schon mit je 100 US-Dollar zu Buche geschlagen, und im Sudan werden weitere Einreise- und Registrierungsgebühren anfallen, insgesamt nochmals über 100 US-Dollar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fähre nur wenige Autos transportieren kann und nur einmal pro Woche verkehrt.

Da wir Silvester gerne im Blue Nile Sailing Club, einem weiteren Treffpunkt der Afrikafahrer, feiern möchten, machen wir uns von Hamata schnellstmöglich auf den Weg nach Assuan. Doch unser Weg nach Assuan steht unter keinem guten Stern. Um vom Roten Meer an den Nil und von dort nach Assuan zu gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die erste Abzweigung geht von Marsa Alam ab. Dank einer Fehlinformation stellen wir jedoch erst 60 km später am Flughafen von Marsa Alam fest, dass wir viel zu weit gefahren sind. Also fahren wir weiter nach El Quesir zur nächsten möglichen Abzweigung. An einem Checkpoint werden wir jedoch gestoppt: die Strecke sei zu gefährlich, wir müssten weiterfahren bis Safaga.
In Safaga können wir dann endlich hinüber zum Nil queren. Die ganze Aktion hat uns jedoch einen Umweg von mindestens 250 km beschert und einen ganzen Tag gekostet. An diesem Tag schaffen wir es nur noch bis Luxor. Dort hält ein Anruf im Fährbüro eine schlechte Nachricht für uns bereit: Wegen eines muslimischen Feiertags fällt die Fähre am 17. Dezember. aus, und die Fähre eine Woche später sei auch schon ausgebucht. Die nächste Fähre ginge dann erst am 30. Dezember.
Aber so einfach wollen wir uns nicht geschlagen geben. Frank, ein knochentrockener Deutscher mit britischem Humor, den wir schon im Camp in in Kairo kennen gelernt haben, kommt zufälligerweise auch am selben Abend im Camp in Luxor an und vermittelt uns den Kontakt zu zwei Südafrikanern, die gemeinsam mit ihrem querschnittsgelähmten Vater auf dem Weg von Ägypten nach Südafrika sind. Sie wollen für sich und einige andere eine Extrafähre organisieren.
Am nächsten Morgen heißt es somit trotzdem „Auf nach Assuan!“, früh aufstehen und bei Dunkelheit um 5 Uhr losfahren, um es noch rechtzeitig bis zum Fährbüro zu schaffen. Doch es soll schon wieder nicht sein. Anfangs kommen wir noch recht gut durch, da wir uns an einen Reisebus dranhängen. Hinter dem Bus können wir uns verstecken und ungesehen mit durch die zahllosen Checkpoints hindurch schlüpfen. Immer wenn wir uns einem Checkpoint nähern, warnt uns der Busfahrer mit dreimal Warnblinker vor. Außerdem zeigt er mit Blinker recht und Blinker links die engen Kurven an. Nach Bedarf kombiniert er die Zeichen auch gekonnt. So heißt zum Beispiel Blinker links, rechts, links plus Warnblinker: „Vorsicht, S-Kurve mit anschließendem Checkpoint!“
Leider trennen sich unsere Wege aber nach halber Strecke, und tatsächlich werden wir gleich am nächsten Checkpoint heraus gewunken. Zwielichtige Gestalten in Militäruniform nehmen uns die Pässe ab und beordern uns in einen abgezäunten Bereich neben dem Checkpoint.
Während wir auf unsere Pässe warten, beobachten wir, wie die Locals im Vorbeifahren Geldscheine aus dem Fenster halten, um ungehindert zu passieren. Das kann ja heiter werden. Die Soldaten, oder was auch immer sie sein mögen, sprechen kein Wort Englisch und quatschen mich auf Arabisch voll. Es geht um Bakshish, aber ich gebe mich ahnungslos.
Nach fünf Minuten bekommen wir schließlich tatsächlich unsere Pässe zurück, aber der Absperrzaun bleibt geschlossen. Wie sehe es denn nun mit einem Bakshish aus, werde ich gefragt. Ein Würstchen, das daneben steht und nicht besonders helle wirkt, malt mit dem Finger eine hundert in seine Handinnenfläche. Ist wohl die größte Zahl, die er kennt und richtig schreiben kann. Da er wahrlich nicht so wirkt, als ob er etwas zu sagen hätte, ignoriere ich ihn und drücke dem Anderen fünf Ägyptische Pfund in die Hand, also fast nichts. Aber er scheint damit zufrieden zu sein und gibt das Zeichen, den Absperrzaun zur Seite zu schieben. Der Andere macht eine Geste, als ob er frieren würde und sich wärmen müsste. „Ja, ziemlich kalt hier.“ sage ich und gebe Gas, bevor die es sich noch einmal anders überlegen.
Am nächsten Checkpoint werden wir gleich wieder heraus gewunken. Man erklärt uns, wir müssten auf den nächsten Konvoi warten. Der käme in anderthalb Stunden. Das musste ja irgendwann kommen. Bisher hatten wir Glück. So werden wir es aber nicht mehr rechtzeitig bis ins Fährbüro schaffen.
Drei der Gestalten stehen vor unserem Fahrzeug und teilen dicke Geldbündel untereinander auf. Nach einiger Zeit werden wir mürbe, und ich frage einen von Ihnen, ob ein Bakshish den Prozess eventuell beschleunigen könnte. Er grinst uneindeutig und zeigt mir eine zehn an. Das könnte 10 Pfund heißen, könnte aber auch heißen, dass wir auf den Konvoi um 10 Uhr warten müssen. Ich halte ihm eine Zehn-Pfund-Note hin, doch er schüttelt den Kopf und deutet mit seinen Fingern eine Drei an. Es soll wohl bedeuten, dass sie zu dritt sind und jeder 10 Pfund haben will. Dreißig Pfund sind mir aber eindeutig zu viel, und so warten wir weiter auf den Konvoi.
Nach zwei Stunden kommen tatsächlich zwei Reisebusse vorbei, doch bei den Gestalten rührt sich nichts. Da keine weiteren Busse kommen, steige ich aus dem Wagen und frage, was da los ist, da wäre eben doch ein Konvoi vorbeigekommen. Ich solle mich noch ein paar Minuten gedulden, wird mir bedeutet. Ich setze mich wieder in den Wagen und lasse schon mal den Motor an. Wenn wir nicht bald weiterfahren können, dann fahren wir eben so los.
Doch so weit kommt es nicht. Nach ein paar Minuten bekommen wir endlich das Zeichen, weiterfahren zu dürfen. Kein Konvoi weit und breit, das Ganze war reine Schikane. Und es ist ihnen wirklich geglückt, uns zu schikanieren, denn das Fährbüro können wir für heute vergessen.

In den nächsten Tagen in Assuan ist die Fähre das absolute Hauptthema, denn die Anmietung einer Extrafähre scheint nicht möglich zu sein. Im Camp Adam’s Home in Assuan, der von einem etwas eigenwilligen Nubier Namens Jahjah betrieben wird und auf dem sich nach und nach ein Duzend Afrikafahrer einfinden, kursieren ständig neue Gerüchte. Insgesamt dreißig Leute sollen für die Fähre reserviert haben, doch es passen maximal sechs Autos darauf. Außerdem heißt es, wer es bis zum Dreißigsten nicht auf die Fähre schafft, der müsse bis Februar warten, denn im Januar verkehre keine Fähre. Einige Leute, die ihre Visa in Assuan beantragt hatten und wochenlang darauf warten mussten, brechen ihre Reise vorzeitig ab und fahren zurück in die Heimat.
Die Atmosphäre im Camp ist angespannt. Es entsteht eine regelrechte Konkurrenzsituation, auch wenn niemand dies offen anspricht. Wenn die und die ihre Visa nicht rechtzeitig bekommen, dann könnten sie und wir noch mit auf die Fähre passen, vorausgesetzt, man ist an der entsprechenden Position in der Nachrückerliste. Und die Liste wird von Mr. Salah, dem Mann des Ticket-Office, im Kopf geführt. Bei dreißig Leuten kann man sich leicht vorstellen, dass sich diese Liste stetig in einem höchst fragilen Zustand befindet und man sich von Zeit zu Zeit ins Gedächtnis von Mr. Salah zurückrufen muss, dass heißt alle zwei Tage bei Herrn Salah auf der Matte zu stehen und deutlich vor der Öffnungszeit möglichst der Erste in der Reihe zu sein.
Trotzdem machen wir alle das Beste aus der Situation und verbringen die Abende gemeinsam am Lagerfeuer. Besonders freuen wir uns, dass wir auch die beiden Neuseeländer John und seine krebskranke Frau June wiedersehen, die wir auch schon auf dem Campingplatz in Kairo kennengelernt und mit denen wir dort schon viele lustige Abende verbracht haben.

Adam's Home in Assuan

Adam's Home in Assuan

Adam's Home in Assuan

Frank ist auch wieder mit von der Partie – leider zum letzten Mal, denn für ihn ist Assuan der Wendepunkt seiner Reise, die ihn danach wieder langsam in Richtung Heimat führen wird.

Adam's Home in Assuan

John, Frank und ich sind es auch, die die ganze Truppe bei Laune halten, Feuerholz organisieren und das Lagerfeuer auf die Beine stellen.

Adam's Home in Assuan

Schließlich gelingt es Mr. Salah dann doch noch, eine Extrafähre für alle Fahrzeuge zu organisieren. Bei der Einklarierung für die Fähre fällt dem jungen und umgänglichen Zollbeamten zwar auf, dass wir über Taba nach Ägypten eingereist sind, und er fragt, ob wir in Israel waren. Aber als wir beteuern, dass wir von Jordanien gekommen sind, drückt er beide Augen zu und entlässt uns mit einem wissenden Grinsen. Damit wäre die vorletzte Hürde geschafft, jetzt kann uns nur noch die sudanesische Passkontrolle stoppen.

Adam's Home in Assuan

Adam's Home in Assuan

Doch zuvor heißt es für uns erst einmal, Mr. Salahs Nichte eine Stunde Deutschunterricht zu geben. Das kommt zwar ziemlich ungelegen, weil wir noch einige Dinge für den Sudan vorzubereiten haben. Aber was tut man nicht alles für einen Platz auf der Fähre, wenn es die einzige ist. Immerhin gibt es als Entschädigung ein feudales ägyptisches Mahl, das wir nach ägyptischer Sitte in Gedanken laut schmatzend genießen.

Am 24. ist es dann endlich so weit. Alle sitzen gemeinsam auf dem Oberdeck der Fähre und beobachten, wie riesige Kartons und Säcke von turmhoch beladenen Lastwagen in das Beiboot der Fähre gekippt und darin verstaut werden. Die Fähre selbst stellt sich übrigens als altes Rheinschiff heraus – das schafft Vertrauen…

Adam's Home in Assuan

Adam's Home in Assuan

Adam's Home in Assuan

Adam's Home in Assuan

Am Abend stoßen wir dann alle im Schein des Vollmonds mit geschmuggeltem Gin und Tonic auf den Heiligabend und unser gemeinsames Präsent, alle auf der Fähre sein zu können, an. Ja, sogar einen kleinen Weihnachtsbaum haben wir, den die beiden Schweizer und Swiss-Air-Piloten Marco und Danielle mitgebracht haben. Ein seltsamer Heiligabend zwar, aber Heiligabend bei Vollmond auf dem Nassersee hat man immerhin auch nicht alle Tage!

Adam's Home in Assuan

Tauchen in Hamata

Hamata am Roten Meer kann man kennen, wenn man gerne taucht, muss man aber nicht. Auf unseren Landkarten ist Hamata gar nicht erst verzeichnet. Gut zu wissen, dass Hamata etwa 100 Kilometer südlich von Marsa Alam liegen soll. Marsa Alam ist auf den Karten immerhin als richtige Stadt verzeichnet. Trotzdem haben wir es tatsächlich geschafft, daran vorbeizufahren, ohne es zu merken. Wie sollen wir dann erst Hamata finden?

Rotes Meer

Rotes Meer

Rotes Meer

Rotes Meer

Nach einigem Bangen finden wir Hamata dann schließlich doch. Die Küste unterhalb von Safaga bis hierunter ist wirklich noch wunderschön und naturbelassen, was in Ägyptens bekannten Tauch- und Urlaubsorten sonst leider nicht mehr so ist, und auf Höhe des Sinai haben wir einen wunderbaren, pastellfarbenen Sonnenuntergang erlebt. Bei Hamata von einem Ort zu sprechen, wäre allerdings übertrieben. Viel mehr als ein Duzend Wellblechhütten ist nicht zu sehen. Wäre da nicht das Tauchresort Zabargad, wären wir auch an Hamata vorbeigefahren. Das wäre uns dann wohl erst an der ägyptisch-sudanesischen Grenze aufgefallen, wo man uns zurückgeschickt hätte, denn es gibt dort keinen Grenzübergang, sondern lediglich einen Militärposten und vermintes Gelände.

Doch so weit kommt es nicht, denn mit Zabargad haben wir unser Ziel erreicht. Hier haben wir uns mit meinem ehemaligen Arbeitskollegen Stefan zum Tauchen verabredet. Stefan ist engagiertes DLRG-Mitglied und hat gleich eine ganze Truppe seiner Kollegen mitgebracht:

Tauchen in Hamata

Vor ein paar Wochen kam Stefan auf die glorreiche Idee, mir per E-Mail diesen Termin aufs Auge zu drücken, obwohl ich bei meiner Verabschiedung aus dem Berufsleben vollmundig konstatiert hatte, dass ich nie wieder einen Termin haben würde! Um mir den Termin schmackhaft zu machen, hat Stefan angeboten, gegebenenfalls auch ein paar Sachen aus Deutschland mitbringen zu können. Von dieser Gelegenheit haben wir auch ausgiebigen Gebrauch gemacht. Ein Unterwassergehäuse für unsere kleine Kamera, ein Fischaugenobjektiv, ein neues GPS mit Weltkarte, ein neues Mobiltelefon nebst Vertrag, ein neuer Alleskocher passend zu unserem Topfset, eine Handvoll Bücher und Weihnachtsgrüße für uns sind mit im Reisegepäck. Und dazu hat meine Mutter uns für Weihnachten einen riesigen Haufen Süßigkeiten dazu gesteckt. Schon lange haben wir uns nicht mehr so sehr über Süßes gefreut. Aber nach den eher mageren Zeiten davor, sind die ungesunden Leckereien mehr als willkommen. Ja, das ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen!

Tauchen ist natürlich auch angesagt. Nach einem Auffrischungstauchgang am Hausriff geht es an den nächsten zwei Tagen mit auf das Boot für vier großartige Tauchgänge. Doch erst einmal darf Christiane sich im befehligen von Tauchbooten üben. Weil ihre grüne Gesichtsfarbe am bedrohlichsten von allen wirkt, darf sie für einige Zeit das Ruder übernehmen. Das lässt die Seekrankheit am besten vergessen. Trotzdem sieht sie danach immer noch leicht unentspannt aus…

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Unterdessen bereitet sich Stefan schon einmal auf den ersten Tauchgang vor. Unter der Maske ist er nur an seinem breiten Grinsen zu erkennen…

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Doch neben Vollbluttauchern wie Christiane und Stefan ist das Rote Meer vor allem für seine wunderschönen Korallengärten und die vielen kleinen bunten Fische berühmt. Hier kommt dann auch gleich das Unterwassergehäuse zum Einsatz, und ich bin ziemlich happy mit meinen ersten Unterwasserbildern:

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Außerdem steht ein Wracktauchgang mit auf dem Programm. Praktischerweise ist die Kloschüssel noch sehr gut erhalten, so dass sich der notdurftgeplagte Taucher auch unter Wasser Erleichterung verschaffen kann:

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Ja, und als wäre das nicht schon schön genug gewesen, haben wir als krönendes Highlight das wunderbare Glück, mit einer großen Delfinschule zu schwimmen. Sind sie nicht einfach drollig?

Tauchen in Hamata

Tauchen in Hamata

Camp Salma in Kairo und die Pyramiden von Gizeh

In Kairo gibt es ein Camp mit Blick auf die Pyramiden von Gizeh: Camp Salma. Camp Salma wird von einer gleichnamigen, etwas resoluten Ägypterin geführt und ist ein Treffpunkt für Afrikafahrer.
Allerdings sollte man einen festen Schlaf haben oder zumindest Ohropax mitbringen, denn gelegentlich gibt es  kleine Detonationen bei der Müllverbrennung, die hier rustikal in Eigenregie durchgeführt wird, und der Muezzin der benachbarten Moschee gibt alles, wenn er zum Gebet ruft. Außerdem weht vom angrenzenden, offenen Kanal, in dem aufgedunsene Rinderkadaver schwimmen, das eine oder andere Lüftchen herüber.
Die Gemüsehändler an der Straße mit ihren Eselkarren voll frisch aussehenden Gemüses beobachten wir dabei, wie sie das verseuchte Wasser aus dem Kanal schöpfen und damit das Gemüse bespritzen, um es frischer aussehen zu lassen. Guten Appetit!

Im Camp treffen wir zwar nicht auf so viele Afrikafahrer wie erwartet, aber wir haben die große Freude, eine fünfköpfige deutsch-südafrikanische Familie kennen zu lernen: Dennis und Maike mit ihren drei großartigen Kindern Jasmin, Jona und Janek. Sie erfüllen sich einen lange gehegten Traum und besuchen Maikes Eltern in Deutschland auf dem Landweg. Mit Geländewagen, Offroad-Anhänger und jeweils einem Dachzelt oben drauf sind sie den ganzen Weg von Johannesburg bis nach Ägypten gekommen und versorgen uns mit unzähligen Informationen, die uns für die nächsten Monate in Afrika viel Mut machen. Nun hängt für uns nicht mehr ein ganz so dickes Fragezeichen über dem schwarzen Kontinent.

Camp Salma in Kairo

Camp Salma in Kairo

Camp Salma in Kairo

Camp Salma in Kairo

Camp Salma in Kairo

Camp Salma in Kairo

Camp Salma in Kairo

Allerdings haben wir in Dennis und Maike auch ein Exempel, wie lange es unter Umständen dauern kann, ein Visum zu bekommen. In ihrem Fall sind es die Visa für Libyen und Tunesien, auf die sie über vier Wochen warten müssen. Das zerrt an den Nerven und ist den Beiden auch unweigerlich anzumerken. Aber sie sind stark und halten durch, bis wir uns nach einer wunderbaren gemeinsamen Woche im Camp mit ihnen über die erhaltenen Visa freuen können!

Schon am nächsten Tag allerdings vermissen wir sie sehr. Die Woche mit ihnen war einfach großartig. Jeden Abend haben wir ein Lagerfeuer gemacht, darauf gekocht und uns daran gewärmt. Das Kochen auf dem Lagerfeuer ist eine Philosophie für sich, und Dennis bringt uns alles bei, was wir wissen müssen.

Camp Salma

Auch in den Tagen danach pflegen wir die Tradition und geben sie an andere Afrikafahrer weiter. Später in Assuan erfahren wir, dass man noch lange nach unserer Zeit die Spuren sehen konnte – nur Feuerholz war keines mehr da…
Wenn Maike, Dennis, Jasmin, Jona und Janek in ein paar Wochen in ihr neues Haus in Kapstadt eingezogen sein werden, dürfen wir sie besuchen kommen. Wir freuen uns schon riesig auf das Wiedersehen und weitere gemütliche Abende am Lagerfeuer. In ihrem Garten haben sie drei Feuerstellen. Das hat doch Stil!

Ach ja, und noch etwas: Meine Haare sind ab! Sie wurden langsam lästig, also habe ich Hand angelegt. Die selbstgebastelte Frisur sieht anfangs zwar noch scheiße aus, wird in den nächsten Tagen aber weiteren Optimierungen unterzogen. Am Ende wird sie sogar wirklich ansehnlich aussehen, wie dann auf späteren Bildern zu sehen sein wird. Auch Christianes Haare habe ich ganz gut hinbekommen – im nächsten Leben werde ich Friseur!

Camp Salma

Camp Salma

Auch sonst haben wir in Kairo eine gute Zeit. Mit dem Taxi fahren wir einige Male in die Innenstadt, weil wir uns für den Sudan und Äthiopien vorab Visa besorgen müssen. Schnell lernen wir beim Taxifahren das Herunterhandeln auf den richtigen Preis und sind überrascht, dass nicht alle Taxifahrer versuchen, Touristenpreise abzukassieren. So genießen wir es, uns mit den schwarz-weißen Taxis quer durch die halbe Stadt fahren und das Stadtbild an uns vorbeiziehen zu lassen. Und da wir nicht selbst am Steuer sitzen müssen, sind uns auch der abartige Verkehr und die vielen Staus egal. Nur die Abgase sind teilweise ganz schön heftig. Teilweise sitzt man inmitten blauer Abgaswolken, denn die Taxis – meist uralte, französische Fabrikate – haben keine Klimaanlage. Bei der Hitze helfen da nur offene Fenster.

Für die Visa brauchen wir wieder einmal ein Empfehlungsschreiben von der deutschen Botschaft. Wir bekommen es problemlos, wenn auch erst am nächsten Werktag, nach dem Wochenende. Man wundert sich, wie eine deutsche Behörde einen ganzen Tag benötigen kann, Namen und Anschrift in ein Formular einzugeben, auszudrucken und einen Stempel und eine Unterschrift darauf zu setzen. Noch toller: Als wir das Schreiben abholen wollen, will man uns weismachen, dass das eine ganze Woche dauert! Und dafür zahlen wir auch noch zwanzig Euro pro Person…
Wir bekommen das Schreiben dann aber doch gleich und gehen damit zur sudanesischen Botschaft. Nach dem Wochenende ist hier die Hölle los und die Botschaft quillt über vor Antragstellern. Als wir die Anträge schließlich fertig haben und überreichen, heißt es, wir sollen in einer Woche wiederkommen. In den folgenden Tagen bekommen wir jedoch mit, dass andere Traveller, die nicht gleich am Wochenanfang in die Botschaft gegangen sind, das Visum noch am selben Tag erhalten haben. So gehen wir wieder hin und sind hartnäckig. Unsere Anträge werden bewilligt, aber erst am nächsten Tag können wir unsere Visa abholen. Als wir am nächsten Tag dann tatsächlich unsere Pässe mit den Stempeln in den Händen halten, fällt uns ein riesiger Stein vom Herzen.
Das Äthiopienvisum bekommen wir übrigens problemlos. Die äthiopische Botschaft in Kairo darf sich mit der freundlichsten und hilfsbereitesten Angestellten rühmen, die wir auf unserer Reise bisher getroffen haben. Sogar in bequemen Ledersessel sitzen wir, als wir unsere Anträge ausfüllen.

Christiane sieht seit ein paar Wochen übrigens beängstigend schlecht und kann kaum noch Verkehrsschilder erkennen. Mehrere Male gehen wir zu einem Augenarzt, den uns die deutsche Botschaft empfohlen hat. Er stellt sich als ausgesprochen fachkundig heraus. In Bonn und Tübingen hat er studiert ist dann zurück nach Kairo gegangen. Er spricht hervorragend Deutsch, so dass Christiane ihm ohne Sprachbarriere erklären kann, was mit ihren Augen los ist, und er stellt auch gleich die richtige Diagnose: Christianes Hornhaut ist extrem trocken und sehr stark angegriffen. Beim Augentest liest sie aus drei Metern Entfernung 10 cm große Buchstaben als Zahlen vor!
In den nächsten Tagen muss Christiane eine Augenkur machen und soll die Augen so viel wie möglich geschlossen halten. Außerdem muss sie ein neuartiges Feuchtigkeitsgel und anfangs auch Kortisontropfen in die Augen machen. Glücklicherweise schlägt die Behandlung schnell an, und nach einigen Tagen kann Christiane endlich wieder normal sehen.

Da wir uns allmählich den Malariagebieten nähern, die ab dem Sudan langsam beginnen, besorgen wir uns Lariam. Lariam ist deutlich günstiger als das weit verbreitete Malarone und bietet einen wirksamen Schutz gegen die meisten Malariaerreger. Allerdings kann Lariam erhebliche Nebenwirkungen auf die Psyche und das Immunsystem haben. Wir werden sehen müssen, ob wir Lariam vertragen. Viele Traveller berichten, dass sie Lariam probiert haben und wieder absetzen mussten.
Für ägyptische Verhältnisse ist Lariam sehr teuer, und es gibt noch keine Generika. Die Beschaffung ist deshalb nicht leicht. Erst nach einigen Anläufen finden wir eine Apotheke, die Lariam bestellen kann.

Sightseeing steht natürlich auch auf dem Programm. Wir laufen zu den Pyramiden von Gizeh, denn von Camp Salma ist es nicht weit. Je näher wir den Pyramiden kommen, desto mehr gehen uns Taxifahrer auf die Nerven, die uns dorthin fahren wollen und Lügengeschichten erzählen. Auf unserer Route gebe es keinen Eingang und wir müssten kilometerlang um das Gelände herumlaufen, wenn wir nicht ihr Taxi nähmen. Ganz so naiv sind wir allerdings nicht mehr, und wir lassen uns nicht beirren.
Wenig später stehen wir dann auch auf dem Gelände und haben die Pyramiden in Lebensgröße vor uns. Doch lange genießen können wir den Anblick nicht. Schon wieder kommt einer an, der uns eine Lügengeschichte auftischt, weshalb wir ihn als Führer bräuchten. Und weil er einfach nicht lockerlassen will, brülle ich ihm dann irgendwann ein weithin hörbares „Fuck off!“ entgegen. Das versteht er dann.
Wenig später im Sichtschatten der zweiten großen Pyramide, wo nichts los ist, kommt ein Junge auf einem Esel angeritten. Er erzählt keine Lügengeschichte, sondern hält gleich die Hand und ruft mir frech „Money, money!“ ins Gesicht. Ich bin inzwischen so sauer, dass ich einfach nur noch meine flache Hand über die Schulter hebe und im eine Ohrfeige androhe. Wahrscheinlich gucke ich dabei auch noch ziemlich böse. Jedenfalls hinterlässt das offensichtlich ziemlichen Eindruck, denn der Rotzlöffel tritt mit seinem Esel blitzartig die Flucht an. Erstaunlich, wie schnell Esel rennen können.
Man fragt sich, weshalb mittlerweile zwischen 50 und 100 Mitarbeitern der Tourist Police über das ganze Areal verteilt sind, wenn die Touristen trotzdem ständig belästigt werden. Aber die Ägypter selbst sind nicht die einzigen Ärgernisse an den Pyramiden. Da wären zum Beispiel der nicht zu übersehende Parkplatz, den große Ästheten mitten zwischen die beiden ersten Pyramiden gesetzt haben, und die Straße, die an allen Pyramiden entlang führt. Nur wenn man hinter den Pyramiden ein ordentliches Stück in die Wüste hinausläuft, hat man überhaupt noch ungestörte Anblicke dieser großartigen Bauwerke.
Gestört werden wir dort allerdings dann von der Tourist Police selbst. Ein Polizist kommt auf einem Kamel angeritten und bietet an, dass wir ihn gegen einen kleinen Obolus fotografieren dürfen. Obwohl er uns nicht ganz geheuer vorkommt, gehen wir darauf ein. Weil das erste Foto nichts wird, mache ich gleich ein zweites, was ihn zu stören scheint, aber wir verstehen ihn nicht richtig und treten den Rückweg an. Einige Meter weiter ist ein zweites Kamel angebunden, dass ich schließlich auch noch fotografiere. Daraufhin kommt der Polizist angeritten und macht komische Andeutungen, die wir als Androhung einer Nacht im Gefängnis interpretieren. Und dieses Mal sind wir es, die sich schnell aus dem Staub machen.

Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Pyramiden von Gizeh

Ausreise Israel und Einreise Ägypten

Ohne konkrete Erwartungen waren wir nach Israel gekommen, doch das Land hat uns von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es begann schon an der Grenze, also uns die freundlichen Grenzbeamten die Einreise so leicht wie möglich machten, und das, obwohl wir zuvor auch durch Syrien gereist waren. Nicht einmal eines der gefürchteten Interviews mussten wir über uns ergehen lassen, und nur ein vernachlässig kleiner Teil unseres Gepäcks wurde den normalerweise extensiven Sicherheitskontrollen unterzogen.
Von den Surfern in Bet Yannay wurden wir wie Freunde aufgenommen. Wir konnten zwei Wochen lang an ihrem Leben teilhaben und von ihnen viel über das Land erfahren. Sie gaben uns zahlreiche Tipps und halfen uns bei der Organisation der Weiterreise. Unser großer Dank geht hier vor allem an Oded und Tamari. Besonders Oded können wir gar nicht genug danken. Wir durften uns bei ihm wie zuhause fühlen, unsere Wäsche waschen, und er half uns, unseren Wagen für die nächsten 10.000 Kilometer fit zu machen. Und auch sonst können wir gar nicht genug betonen, wie freundlich und vorurteilsfrei wir überall aufgenommen wurden trotz der tragischen Geschichte, die unsere Völker verbindet.
Darüber hinaus bietet Israel mit dem quirligen Tel Aviv und dem kulturell zutiefst beeindruckenden Jerusalem zwei Städte, die man einfach gesehen und erlebt haben muss. Das Land selbst ist trocken, aber von großer Schönheit: so zum Beispiel die in weiten Teilen noch unberührte Mittelmeerküste, das leider nicht mehr unberührte aber trotzdem wunderschöne Tote Meer, das Rote Meer und die Felswüsten im Süden.
Eines Tages werden wir nach Israel zurückkehren und hoffentlich Oded und die anderen wiedersehen. Und wir würden gerne den Israel Trail laufen – einen knapp 1.000 Kilometer langen Wanderweg kreuz und quer durch das ganze Land.

Mit einem guten Gefühl und ohne lästige Durchsuchung verlassen wir Israel. Entgegen der Einreiseformalitäten können wir den Ausreisestempel jedoch nicht auf ein Extrablatt bekommen. Der israelische Zoll musste uns schon bei der Einreise einen kleinen Zusatzstempel mit einer Codierung an einer unauffälligen Stelle in den Pass drucken – aber zumindest ohne hebräische Schriftzeichen. Diesen hatten wir noch nicht als Problem betrachtet. Nun stellt sich jedoch heraus, dass auf derselben Passseite auch der Ausreisestempel platziert werden muss. Der Ausreisestempel enthält zwar ebenfalls keine hebräischen Schriftzeichen, aber es ist ein dickes schwarzes Dreieck, das kaum zu übersehen ist.
Außerdem mussten wir uns in Eilat ein Visum für Ägypten besorgen. Während Fluggäste es problemlos bei der Einreise erhalten, erhalten Überlandreisende an der israelisch-ägyptischen Grenze lediglich ein Visum für den Sinai, da der Sinai, obwohl Ägypten zugehörig, diesbezüglich souverän verwaltet wird. Eine Grenze zwischen Sinai und Ägypten oder eine Dienststelle, an der man das Visum für das Ägypten westlich des Suezkanals und des Roten Meeres erhalten könnte, existiert nicht.
Das ägyptische Konsulat in Istanbul hatte uns mitgeteilt, auch bei der Einreise über den Sinai werde an der Grenze ein für ganz Ägypten gültiges Visum ausgestellt. Infolge dieser Fehlinformation mussten wir uns das Visum im ägyptischen Konsulat in Eilat besorgen, und „Eilat“ steht nicht zu übersehen in der ersten Zeile des Visumstempels. Wenn das mal gut geht, denn die Durchreise durch den Israel nicht gesonnenen Sudan ist die einzige Möglichkeit, mit vertretbarem Aufwand in das südliche Afrika zu gelangen.

In Taba an der Grenze zu Ägypten müssen wir wieder eine Durchsuchung über uns ergehen lassen. Zwei Zollbeamte nehmen unseren Sprinter in Augenschein. Immerhin sind sie im Gegensatz zu den jordanischen Kollegen recht höflich. Ihr besonderes Interesse gilt unserer großen Bücherkiste, dem vollgestopften Medizinschränkchen und Christianes Handtasche.
Genüsslich durchstöbert einer der Beamten jeden Winkel der Tasche, zieht jedes Döschen oder Fläschchen vorsichtig heraus und hält es mit einem fragenden Blick in die Höhe. Genauestens lässt er sich von Christiane erklären, wofür das jeweilige Wässerchen da ist und ob es denn auch gut rieche.
Aus unserer Medizinbox fischt der andere Kollege unterdessen zielsicher zwei allseits bekannte blaue Tabletten in Rautenform heraus, die wir zum Ausprobieren und vergleichsweise günstig in der Türkei gekauft haben. Mit einem wohlwissenden Grinsen hält er die Packung in die Höhe und fragt mich, wofür die denn seien. Das ist für noch mehr Spaß im Bett, erkläre ich verlegen. „You wanna try?“ Tatsächlich lässt er die Packung nach kurzer Rückversicherung freudig in seiner Tasche verschwinden. Und sein Gesichtsausdruck verrät, dass er die folgende Nacht kaum erwarten kann…
Als nächstes steht uns der Behördengang bevor: Zoll, Versicherung und Verkehrsamt. Und sie wollen alle nur unser Bestes: unser Geld. Dem schmierigen, feisten Typ vom Zoll sieht man schon von weitem an, dass er den ganzen Tag kaum einen Finger krumm macht, und wenn er sich doch einmal bewegen muss, muss er sich vor Anstrengung sofort die Schweißperlen von der Stirn wischen. Das, obwohl selbst wir es bei den moderaten Temperaturen gut aushalten können und es in seinem Büro angenehm kühl ist. Er erklärt uns, dass er aus meinem Pass und aus dem Carnet des Passages von insgesamt vier Seiten je drei Kopien benötigt. Schwer atmend geleitet er uns ein Stockwerk höher zu einem anderen Büro, in dem einvorzeitliches Kopiergerät steht.
Während er entschwindet, eröffnen uns die Kollegen aus dem Büro, dass jede Kopie zwei Ägyptische Pfund koste. Das sind umgerechnet 25 Cent – für ägyptische und selbst deutsche Verhältnisse ziemlich viel Geld. Das geben wir ihm dann auch zu verstehen, und tatsächlich ist er bereit, die Summe auf zwanzig Pfund abzurunden. Doch wir sind immer noch nicht begeistert und lamentieren weiter. Dann geht plötzlich alles ganz schnell: „Fourtyeight.“, lautet sein nächstes Angebot. So läuft das hier also.
Christiane protestiert lautstark, und im nächsten Moment sind wir schon bei 96 Pfund. Das wären schon zwölf Euro für ein Duzend Kopien. „Mensch, halt die Klappe!“ gebe ich Christiane höchst unfein aber wohlwissend, dass jeder weitere Nachsatz den Preis weiter verdoppeln würde, zu verstehen. Christiane ist verständlicherweise kaum zu beruhigen, und auch ich koche innerlich. Ich würde dem Kerl am liebsten an die Kehle gehen, aber ich beherrsche mich natürlich.
Durch schnelles Zurückrudern und besänftigende Töne können wir uns aber immerhin wieder auf den Normalpreis verständigen. Mangels Alternativen akzeptieren wir, schließlich sitzen wir hier im Niemandsland und haben keine Chance, woanders Kopien herzubekommen. Wie wir später aus Gesprächen mit anderen Afrikafahrern erfahren, wird auf diese Weise an vielen Grenzen abgezockt, und auch das Mitbringen eigener Kopien ist in der Regel zwecklos, da sie von den Behörden nicht akzeptiert werden.
Mit den teuer bezahlten Kopien und – was noch viel schlimmer ist –, einem zutiefst verunsicherten Gefühl gehen wir zurück ins Büro des Zollbeamten und legen ihm die Kopien vor. Er erklärt uns nun das weitere Prozedere. Bei ihm sollen wir fünfhundert Pfund Zollgebühren zahlen, noch einmal fünfhundert Pfund soll die Versicherung kosten, und die Verkehrsbehörde verlangt noch einmal einen, im Vergleich zu den anderen Summen nicht weiter ins Gewicht fallenden Betrag. Insgesamt sind es rund tausendzweihundert Pfund beziehungsweise hundertfünfzig Euro. Da die Deutsche Botschaft in Kairo keinerlei Informationen zu den Kosten an der Grenze nennt, können wir überhaupt nicht einschätzen, ob wir hier abgezockt werden oder nicht. Nach der Erfahrung mit den Kopien fühlen wir uns ziemlich ausgeliefert. Im Büro des Zollbeamten hängt eine Preistafel für Zoll, Versicherung und Verkehrsbehörde. Seine Angaben zu Versicherung und Verkehrsbehörde stimmen, aber die fünfhundert Pfund für den Zoll sind viermal so hoch wie der Preis auf der Tafel. Wir verlangen eine Erklärung, und nach langwieriger Diskussion meinen wir aus dem miserablen Englisch herauszuhören, dass der Preis auf der Tafel nur für den Sinai gelte und nicht für das übrige Ägypten.
Wir glauben ihm nicht, müssen die Situation aber erst einmal in Ruhe besprechen. Da wir in Eilat ohnehin nicht genügend Geld gewechselt hatten – Gott sei Dank, denn wie wir jetzt erfahren, haben wir bei dem Halsabschneider nur 75 Prozent des tatsächlichen Werts erhalten –, nutzen wir die Gelegenheit, um zum Geldautomaten zu laufen. Der Geldautomat befindet sich in einem anderen Gebäude. So haben wir genügend Zeit, uns einen Plan auszudenken. Wir beschließen, alle Register zu ziehen und zu versuchen, mit dem Chef des Zolls zu sprechen oder anderenfalls in Gegenwart des Zollbeamten ein Telefonat mit der Deutschen Botschaft in Kairo zu simulieren.
Zum Chef des Zolls werden wir erwartungsgemäß nicht durchgelassen. Die Obrigkeitshörigkeit in Ägypten wie auch anderen arabischen und afrikanischen Ländern ist sehr ausgeprägt, der Führungsstil patriarchalisch, und es gibt wohl keine größere Horrorvorstellung für die hiesigen Beamten, als sich vor seinem Vorgesetzten verantworten zu müssen. Dementsprechend versetzen wir die ganze Behörde in Aufregung, auch wenn man versucht, es vor uns zu verbergen. Allerdings kann das auch nach hinten losgehen und sich nachteilig für uns auswirken. Wir sind skeptisch, ob es eine gute Idee war, halten aber an unserer Einschüchterungstaktik fest. Wenn man mit neuen Situationen konfrontiert ist, muss man auch einmal die Grenzen ausloten.
So simuliere ich dann schließlich, zurück im Büro des Zollbeamten und nach weiterer fruchtloser Diskussion, ein Telefonat mit unserer Botschaft. Der Beamte bleibt aber äußerlich gelassen. Entweder ist er ziemlich abgebrüht, oder seine Erklärung zum veranschlagten Geldbetrag entsprach doch der Wahrheit. Da wir jetzt nur noch die Möglichkeit hätten, die Zahlung zu verweigern und für unbestimmte Zeit abzuwarten, was passiert, entscheiden wir uns, zu zahlen. Später erfahren wir wiederum von anderen Travellern, dass sie den gleichen Betrag gezahlt haben. Wir hätten also nichts erreicht.
Der Aufruhr hat aber auch sein Gutes. Im Versicherungsbüro und bei der Verkehrsbehörde werden wir schnellstens und ohne weitere Probleme abgefertigt. Als Extraservice schraubt man uns sogar die ägyptischen Nummernschilder, mit denen wir nun herumfahren müssen, in unsere Nummernschildhalterungen. Dieser Service blieb allen anderen Afrikafahrern, mit denen wir in Ägypten gesprochen haben, verwehrt. Sie mussten ihre Nummernschilder selbst mit Panzerband befestigen. Alles in allem dürfen wir vergleichsweise nach nur weniger als drei Stunden weiterfahren. „Welcome to Egypt!“

Ausreise Israel und Einreise Ägypten

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