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Von Kapstadt zurück nach Deutschland

Unseren Gedanken und Erinnerungen nachhängend sitzen wir nun nach 373 Tagen und rund 35.000 Kilometern im Flugzeug von Kapstadt zurück nach Deutschland. Unseren Sprinter werden wir im Open-Top-Container nach Deutschland verschiffen. Die Investition der rund 4.000 Euro hätte sich eigentlich nicht mehr gelohnt, aber sonst bekämen wir unsere für das Carnet de Passages hinterlegten 5.000 Euro nicht zurück.
Es war eine lange Zeit, aber sie ist vergangen wie im Flug, und sie war aufregend, aber auch strapaziös. Einerseits freuen wir uns nun auf die Rückkehr nach Deutschland, andererseits bedrückt uns das Ende unserer großen Reise.

In Kapstadt haben wir acht Wochen lang gelebt, und die Stadt wäre ein so perfekter Ort zum Leben gewesen, wenn die sozialen Probleme dort nicht wären. Trotzdem wären wir gerne noch eine Weile geblieben. Wir hatten sogar versucht, Jobs zu finden. Doch wegen des Black Economic Empowerment Act gibt es kaum Jobs für Weiße. Viele junge, weiße Südafrikaner verlassen das Land in Richtung Australien oder Neuseeland. Schon gar keine Jobs gibt es für weiße Ausländer, es sei denn, sie verfügen über Kompetenzen, deren Bedarf Südafrika nicht aus dem Inland decken kann. Sprachkompetenz wäre da allen voran zu nennen, und in Kapstadt gibt es auch tatsächlich eine große deutschstämmige Gemeinde. Trotzdem reicht es meist nicht, Deutsch und Englisch zu sprechen, denn die Amtssprache der Buren ist ja Afrikaans.
Tatsächlich hätten wir die Möglichkeit gehabt, für Lufthansa oder Swiss Air in einem Callcenter zu arbeiten. Von den 500 Euro im Monat hätten wir uns aber kaum mehr als eine Wellblechhütte leisten können.

So freuen wir uns nun auch auf die Rückkehr nach Deutschland. Und wir sind gespannt, welche Abenteuer uns in unserer alten Heimat erwarten…

HIT THE ROAD!!!

Über den Passo di Rombo nach Südtirol

Nach einer regenreichen Nacht im Allgäu verlassen wir Deutschland und machen uns auf den Weg nach Südtirol. Bei strömendem Regen überqueren wir den Passo di Rombo. Der Passo di Rombo ist ein bis zu 15 Prozent steiler, sich in 180-Grad-Serpentinen windender Pass auf knapp 2.500 Metern. Für den Motor unseres Sprinters ist der Passo di Rombo die erste Bewährungsprobe, die er reibungslos meistert.

Passo di Rombo

Unterwegs überholen wir mehrere unerschrockene Radfahrer, die sich den Pass hinauf quälen. Allein bei dem Gedanken daran bekommen wir Schweißausbrüche, nicht nur wegen der körperlichen Anstrengung, sondern auch wegen der Gefahren, denen sie sich auf solchen Straßen aussetzen. Auch in den Tagen danach beobachten wir immer wieder anscheinend lebensmüde Radfahrer auf unmöglichsten Straßen, die teilweise auch davor nicht zurückschrecken, mit dem Rennrad ohne Licht durch dunkle, enge und lang gezogene Straßentunnels hindurch zu fahren.

Am Abend erreichen wir unser Ziel Dorf Tirol bei Meran und quälen uns auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht durch enge Gassen den steilen Berg hinauf. Das sind natürlich keine guten Aussichten auf einen Stellplatz, und wir sind zu allem Überfluss auch noch mitten in eine Gewitterfront hineingeraten. Als wir am Waldrand anhalten und überlegen, was wir machen sollen, schlägt direkt neben uns ein heftiger Blitz ein, und wir können die Druckwelle des Donners deutlich spüren. Nicht gerade die angenehmsten Bedingungen für die Stellplatzsuche. Letztendlich finden wir dann doch noch eine Parkmöglichkeit, wenn auch ziemlich abschüssig. Trotzdem schlafen wir sehr gut in dieser Nacht.

Zweiter Boxenstopp

Wir bringen den Sprinter planmäßig zum zweiten Boxenstopp in eine uns bekannte Mercedes-Werkstatt bei meiner Familie im Sauerland. Geplant sind zwei Tage für neue Bremsen, Reifen, einige andere Kleinigkeiten und der Einbau einer Standheizung.

Die Zeit werden wir für einige Formalitäten nutzen, die wegen unserer heißen Endphase in der Reisevorbereitung liegen geblieben waren, insbesondere unsere Testamente, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen – eine Notwendigkeit, da wir ja nicht verheiratet sind.

Aus den geplanten zwei Tagen Werkstattaufenthalt sind letztendlich ganze fünf geworden, da sich nach und nach herausstellt hat, wo die Autowerkstatt in Gingen bei Göppingen („direkt an der B10“), von der wir während der Reisevorbereitung einige Umbauten wie das Hochdach hatten machen lassen, überall geschlampt und gepfuscht hat. So zum Beispiel beim Einbau einer neuen Starterbatterie, bei der ein Stopfen vergessen wurde. Dadurch war bereits eine erhebliche Menge Säure ausgetreten und auf die darunter liegenden Kabel und Schläuche getropft. Betroffen waren davon verschiedene Systeme wie für unter anderem den Allradantrieb wichtige Unterdruckleitungen. Aussage der Mercedes-Werkstatt:
„Damit wäret ihr nicht bis München gekommen.“

Immerhin sind Testamente, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen am Ende fertig. Man glaubt gar nicht, wie viele Gedanken man sich dabei machen muss.

Documenta 12 in Kassel

Wir besuchen unsere sehr gute Freundin Maike in Kassel und nutzen die Gelegenheit zu einer Besichtigung der Documenta 12. Seit eh und je ist das Museum Fridericianum Dreh- und Angelpunkt der weltweit größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die alle fünf Jahre in Kassel stattfindet.

Auf dem Platz vor dem Museum hat eine Künstlerin ein Mohnblumenfeld angelegt – ein erfrischender Anblick im Vergleich zum Alltag städtischer Parks. Trotzdem fällt uns auf, dass das Feld an einigen Stellen doch recht spärlich wirkt. Wie wir von Maike später erfahren, waren leichte Anfangsschwierigkeiten beim Anlegen dieses Kunstwerks aufgetreten. Das Feld war nach den Vorgaben der Künstlerin angelegt und ausgesät worden. Die Vorgaben enthielten jedoch nicht den Auftrag, das Feld auch zu wässern. Das Resultat: Während überall sonst die Mohnblumen blühten, konnte man vor dem Fridericianum noch die tiefen Risse im trockenen Boden bei Ihrer Ausdehnung bestaunen!

Documenta 12 in Kassel

Im Fridericianum gefällt uns die Installation eines südamerikanischen Künstlers aus elegant geschwungenen Edelstahlstangen und darauf montierten Plexiglasscheiben, die sich außerhalb des Gebäudes fortsetzt.

Documenta 12 in Kassel

Außerdem sehen wir die erste von vielen, über alle Documenta-Ausstellungsflächen verteilten Sitzgruppen chinesischer Holzstühle, die, keiner wie der andere, von einem Sammler zusammengetragen wurden und zum Verweilen einladen. Wie wir hören, sind die Stühle käuflich und sollen am Ende der Documenta für je 3.000 Euro das Stück angeboten werden. Bei insgesamt 1.000 Stühlen ein lohnendes Geschäft für den Sammler.

Documenta 12 in Kassel

Ein Beispiel, wie Kunst durch bloßen Zufall eine enorme Wertsteigerung erfahren kann, liefert das Kunstwerk eines chinesischen Künstlers, der Türen und Fenster aus zwei chinesischen Epochen zu einem sternförmigen Kunstwerk zusammengezimmert hat. Schöne Türen und Fenster, aber ansonsten nicht sonderlich spektakulär, stürzte das Werk bei einem Sturm in sich zusammen und entfaltet nun derart verwunden erst seine volle Wirkung. Gleichzeitig erfuhr es dadurch eine Wertsteigerung auf das Doppelte des vorherigen Wertes!

Documenta 12 in Kassel

Alles in allem lavierte die Documenta aus unserer Sicht wieder einmal zwischen Kunst und Trash. Insgesamt war sie aber ein lohnender Besuch, wegen der Kunst und wegen der schönen Geschichten darum herum. Zum Abschluss noch ein paar unserer Lieblingsfotos von der Documenta 12:

Documenta 12 in Kassel

Documenta 12 in Kassel

Documenta 12 in Kassel

Dresden

Spätnachmittags am Tag zuvor sind wir in Dresden angekommen und haben ein Stück flussaufwärts einen schönen Stellplatz am Fuß des „Blauen Wunders“ gefunden. Die blaue Stahlbrücke, die sich ohne Zwischenpfeiler über die Elbe spannt, verdankt ihren Namen dem blauen Schutzanstrich und war zu ihrer Zeit eine technische Meisterleistung.
Während Christiane sich in die Büsche schlug und anschließend einen kleinen Spaziergang machte, landete eine Gruppe Flusswanderer aus Thüringen mit ihren Kajaks in der Nähe unseres Sprinters an. Sie fragten, ob sie die Boote über Nacht im Schutz unseres Sprinters liegen lassen könnten und spendierten uns dafür eine Flasche Rotwein.

Blaues Wunder in Dresden

Blaues Wunder in Dresden

Bei zunächst mäßigem Regen laufen wir entlang der ausgedehnten, naturbelassenen Elbaue in die Stadt. Trotz des Regens wimmelt es von Touristen. Dresdens „Skyline“ entlang des linken Elbufers beeindruckt, aber der Massentourismus und der nicht nachlassende Regen trüben den Genuss. Entfernt man sich außerdem von den Prunkbauten weg aus dem Zentrum, stößt man schnell auf immer noch klaffende Wunden aus dem Weltkrieg sowie ausgedehnte Plattenbausiedlungen aus der DDR-Zeit.
Auf der anderen Elbseite läuft man zunächst durch eine wenig ansprechende Einkaufsstraße, bevor man endlich in Stadtteile gelangt, die einen wirklichen, allerdings auch sehr alternativen Charme ausstrahlen.
Da der Regen weiter anhält, kehren wir jedoch bald um und setzen uns in die Straßenbahn zurück zum Blauen Wunder. Die Radiowettervorhersage für die nächsten Tage: „Der Regen wird wärmer.“

Bergwerk F60 in der Lausitz

Nachdem wir vier Wochen lang bei viel Regen über Darmstadt, Mainz, Essen, Düsseldorf, Paderborn, Bremen und Berlin durch halb Deutschland getingelt sind, um noch einmal die meisten unserer Freunde zu sehen, fahren wir auf Ostdeutschlands Landstraßen Richtung Dresden. Dresden soll unsere Station ohne Besuchstermin im Hintergrund werden.

Auf halber Strecke nach Dresden suchen wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit in der Lausitz und stoßen auf den stillgelegten Tagebau des ehemaligen Bergwerks F60. Die Stellplatzsuche im stillgelegten Tagebau wird die erste Herausforderung für den Allradantrieb unseres Sprinters. Belohnt werden wir mit einem netten Plätzchen und Aussicht auf die gigantische Förderbrücke. Die Förderbrücke sieht aus wie ein auf die Seite gelegter Eifelturm, aber sie ist viel länger und wird nachts von Schweinwerfern bunt angestrahlt. Diesen Anblick genießend werfen wir erstmals den Grill an und verbringen einen romantischen Abend und eine romantische Nacht bei absoluter Stille – ein großartiges und kaum mehr gekanntes Gefühl!

Bergwerk F60 in der Lausitz

Bergwerk F60 in der Lausitz

Erster Boxenstopp

Nachdem wir zunächst Christianes Verwandtschaft abgeklappert haben, um uns bei ihnen zu verabschieden, fahren wir am Abend zu Helmut, einem alten Freund von Christiane, um bei ihm unseren ersten Boxenstopp einzulegen. Helmut ist Kfz-Mechaniker, und er opfert seinen Sonntagabend, um einen Ölwechsel und etliche andere Inspektionen an unserem Sprinter durchzuführen. Seine Frau Antje verwöhnt uns derweil mit riesigen Essensbergen aus ihrem Geburtstagsfrühstück.

Boxenstopp

Reisevorbereitung und Reisebeginn

Mit reichlich Verspätung erscheint der erste Bericht unseres Reisetagebuchs. Idealistisch, wie wir sind, wollten wir unseren Bericht über die ganze Reisevorbereitung natürlich schon zu unserer Abreise geschrieben haben, aber die letzten Tage verliefen dann doch ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten.

Bis zum Beginn der letzten Vorbereitungswoche vor der großen Reise waren wir noch bestens im Zeitplan. Seit dem Entschluss zu unserem Vorhaben im Juni 2006 hatten wir fast jeden Tag daran getan, unseren Traum zu verwirklichen. Nachdem die Idee geboren und der Entschluss gefasst waren, fingen wir erst einmal mit einem großen Brainstorming an und kamen auf immer mehr Dinge, die zu tun waren. Verschiedene alternative, grobe Reiserouten wollten überlegt und gegeneinander abgewogen sein, Ein- und Ausreisebestimmungen der Länder beschafft und gesichtet und lauernde Gefahren und Krankheiten aufgespürt werden, ein nicht endender Prozess, da sich die Bedingungen jederzeit ändern können. So zum Beispiel zuletzt durch verschiedene politische und religiöse Konflikte. Für Syrien und Jordanien sind im Moment wegen des Konflikts im Libanon keine Visa mehr erhältlich. Unsere Tour ist dem entsprechend mit einigen Fragezeichen versehen.

Parallel zur Routenplanung begannen wir die Auswahl des Fahrzeugs und die Suche danach. Wir entschieden uns für einen allradgetriebenen Kastenwagen, also einen Kompromiss aus Platzangebot und Geländegängigkeit. Ein Wohnmobil wäre uns zu geländeuntauglich und ein Geländewagen in Pickup-Ausführung mit einem Kabinenaufbau über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu unkomfortabel gewesen. Letztlich wurde es ein mittellanger Mercedes-Benz Sprinter 312 D 4×4, das heißt mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t und einem 120 PS starken Turbodiesel sowie Allradantrieb.

Reisevorbereitung

Den Motor hatte uns Frau Breymayer, Teamleiterin in der Dieselmotorenentwicklung im Mercedes-Motorenwerk in Untertürkheim als unschlagbar robust empfohlen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an sie für ihre bereitwillige Unterstützung.

Das serienmäßige Dach ließen wir durch die Werkstatt eines Bekannten heraustrennen und durch ein 85 cm hohes Hochdach ersetzen. Das Hochdach gibt uns großzügige Stehhöhe hinten im Küchenbereich, der uns gleichzeitig als Bad dient, und beim Kleiderschrank. Im vorderen Bereich des Fahrzeugs über der Sitzecke, die aus einer Zweiersitzbank, Fahrer- und Beifahrersitz, die wir in den Raum drehen können, und einem Tisch besteht, haben wir einen Boden einlegen lassen, auf dem sich unser festes Bett befindet. Somit müssen wir nicht jeden Abend die Sitzgruppe umbauen, um darauf schlafen zu können.

Das Heraustrennen des Seriendachs und das Aufsetzen des Hochdachs waren der Auftakt zu einer monatelangen Aus- und Umbauaktion. Das Dach wurde isoliert, eine Dachhaube eingebaut und eine Solaranlage installiert. Die Isolation erfolgte mit Styrofoam-Platten, einer Art festerem Styropor. Die Dachhaube befindet sich in der Mitte des Dachs über unseren Schlafplätzen, so dass wir nachts vom Bett aus den Sternenhimmel beobachten können. An den Dachenden, vor und hinter der Dachhaube wurden zwei moderne CIS-Solarpanele mit je 55 Wp aufgeklebt, die auch bei Teilabschattung und bedecktem Himmel noch eine relativ hohe Lichtausbeute haben. Die Panele speisen eine 60 Kg schwere Solarblock-Gelbatterie mit 185 Ah Kapazität und extrem hoher Zyklenfestigkeit. Die Batterie kann bei mittlerer Entladung ca. 5.000 Mal ge- und entladen werden und versorgt unseren Kompressorkühlschrank sowie diverse Akkus für Notebook, Kameraausrüstung, Weltempfänger, Taschenlampen etc.

Reisevorbereitung

Nach den Umbauten durch die Werkstatt begannen wir mit der Detailplanung des Innenausbaus, im einzelnen Kleiderschrank, Küche/Bad und Heckaufbau. Der Ausbau durch einen Schreiner erwies sich als zu kostspielig, so dass wir beschlossen, ihn selbst durchzuführen. Wir erhielten bezüglich des Materials jedoch Beratung vom Schreiner und bestellten die Tischlerplatten schließlich auch bei ihm. Unsere Wahl fiel auf 13 mm dicke Stäbchenplatten der Firma Moralt, die im Ladenbau verwendet werden und wegen der vertikalen Anordnung der Holzfasern zur Grundfläche durch große Stabilität bei gleichzeitig minimalem Gewicht und hoher Feuchtigkeitsbeständigkeit gekennzeichnet sind. Diese bauten wir mittels Winkeln zu einzelnen Modulen zusammen, die wir untereinander mittels großer Durchgangschrauben verschraubten. Optisch gibt es sicherlich elegantere Lösungen, aber so kommen wir an jede Schraube, ohne zuvor ganze Module ausbauen zu müssen.

Nach wochenlangem Schrauben fuhren wir unseren Sprinter beim TÜV in Stuttgart vor. Es war zwar bereits ein Vollgutachten erstellt worden, und unser Sprinter wies keine Mängel auf, aber das war noch vor dem Innenausbau, und wir hätten den Wagen nach der neuen Gesetzgebung, die unter anderem einen fest mit dem Fahrzeug verbundenen Schlafplatz, einen Kleiderschrank, eine Kochmöglichkeit sowie Zu- und Abwasser vorschreibt, nur als LkW und nicht als Wohnmobil zulassen können. Als wir beim TÜV vorfuhren, wurden wir mit großer Verwunderung empfangen: Ein Ingenieur, der die Abnahme durchführen müsse, sei nicht im Hause, und Termine gebe es erst wieder eine Woche später, genauer gesagt zwei Tage vor unserer geplanten Abreise. Vormittags war uns noch zugesichert worden, ein Termin sei nicht erforderlich und der Wagen könne bis zum späten Nachmittag unangemeldet vorgeführt werden. Nach all der Arbeit und der Hektik in den Wochen zuvor, um den Innenausbau fertig zu stellen, einem kleinen Nervenzusammenbruch nahe, ließ sich die Dame doch noch einen Termin zwei Tage früher entlocken. Das war uns bei den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens mit deutscher und ausländischer Bürokratie gemacht haben, trotzdem zu knapp. Wir hatten Bedenken, dass der Wagen nicht ohne weiteres als Wohnmobil durch den TÜV kommen, und dass auch die Zulassung nicht reibungslos von statten gehen könnte. Mit diesen Vorahnungen sollten wir Recht behalten.

Tags darauf telefonierten wir alle TÜV-Niederlassungen des Umkreises ab und hatten Glück. Wir erhielten einen weiteren Tag später einen Termin bei der Niederlassung in Sindelfingen. Also fuhren wir dorthin und führten den Sprinter vor. Obwohl es sich bei unserem Fahrzeug unverkennbar um ein Wohnmobil handelte, fand der junge TÜV-Mitarbeiter dennoch einige Details, wegen der er unseren Sprinter nicht als Wohnmobil anerkennen könne. Die Spüle sei nicht fest mit dem Fahrzeug verbunden, da sie in den Holzrahmen nur lose eingehängt war, und auch die Kocher müssten so mit dem Fahrzeug verbunden sein, dass man sie nur mit einem Werkzeug entfernen könne. Wir erklärten ihm, dass wir die Kocher auch auf unseren Wanderungen mitnehmen wollten und sie deshalb absichtlich nicht fest eingebaut hätten, aber Erklärungsversuche und Diskussionen über die Definition des Festigkeits- und Verbundenheitsbegriffs nützten nichts, er ließ sich nicht erweichen.

Aus uns im Nachhinein unerfindlichen Gründen hatten wir außerdem darauf verzichtet, Zu- und Abwasserkanister mitzunehmen. Ein Fehler, aber deswegen wollten wir uns noch nicht geschlagen geben und unverrichteter Dinge nach Stuttgart zurückfahren. Werkzeug und Schrauben hatten wir dabei, und glücklicherweise gab es neben dem TÜV einen Campingausstatter. Dort erhielten wir die Kanister und verschraubten sie mit dem Fahrzeug, da wir so kurzfristig keine andere Lösung hatten, eine feste, nur mit einem Werkzeug zu lösende Verbindung mit dem Fahrzeug herzustellen. Dass die Kanister mit den Löchern nicht besonders lange dicht sein würden, war offensichtlich, aber die gesetzlichen Anforderungen waren damit zumindest erfüllt. In die Spüle sägten wir schnell ein Loch für den Abfluss zum Abwasserkanister. Die Einzelteile des Abflusses hatten wir zuvor ebenfalls in dem Campingladen erhalten. Die Spüle und den Kocher verschraubten wir fest mit dem Rahmen.

Als wir nach rund einer Stunde erneut beim TÜV-Mitarbeiter vorstellig wurden, war dessen Verwunderung groß. Ungläubig betrachtete er unser Werk. Auch ihm behagten die mit Schrauben befestigten und durchlöcherten Kanister zwar nicht, aber er musste widerstrebend einräumen, dass alles, wenn schon nicht sinnvoll, zumindest gesetzeskonform war und es sich bei unserem Sprinter nun eindeutig um ein Wohnmobil handelte. Das Kapitel TÜV war damit abgehakt, aber es sollte ja noch die Zulassung kommen…

Reisevorbereitung

Reisevorbereitung

Reisevorbereitung

Am Montag unserer letzten Vorbereitungswoche begaben wir uns in die Zulassungsstelle, bereits mit schlechtem Gefühl im Bauch. Es wäre ja zu einfach gewesen, wenn nun alles glatt gegangen wäre, zumal wir nur noch in dieser Woche in Stuttgart und Deutschland gemeldet waren und nach der neuen Gesetzgebung auch nur noch in dieser Woche überhaupt ein Fahrzeug in Deutschland zulassen konnten. Zudem stand uns noch die Renovierung unserer Wohnung bevor.

Und es kam, wie es kommen musste, dunkle Wolken brauten sich über unseren Köpfen zusammen. Der Blitz, der uns traf, ging in Form der Feststellung auf uns nieder, dass unser Sprinter, der zuletzt in Österreich zugelassen war, zuvor schon einmal in Deutschland angemeldet war, und dass der Verbleib des alten deutschen Fahrzeugbriefs unklar war. Irgendwie wussten wir da schon, was uns nun bevorstehen würde…

Es folgte tagelanges Hin- und Hertelefonieren mit den Zulassungsstellen in Österreich und in Stuttgart, dem Händler, bei dem wir den Sprinter gekauft hatten, mehreren Vorbesitzern des Fahrzeugs und verschiedenen Stellen der österreichischen und Deutschen Post. Die österreichische Zulassungsstelle hatte entgegen der geltenden europäischen Richtlinie zum innereuropäischen Fahrzeughandel den alten deutschen Fahrzeugbrief nicht eingezogen. Der Brief musste sich also noch in Händen eines der Vorbesitzer befinden. Diese machten wir nach und nach ausfindig, und wir hatten Glück. Auf nachdrückliches Nachfragen hin stellte sich bei einem der Vorbesitzer aus Linz in Österreich tatsächlich heraus, dass sich der Fahrzeugbrief dort noch befand. Wir erklärten der Dame unsere Situation, und dass wir den Brief unter allen Umständen bis Donnerstag bräuchten, denn Freitag war die Zulassungsstelle geschlossen. Sie solle den Fahrzeugbrief bitte sofort per Express an uns senden. Den Versand bestätigte sie uns dann auch.

Als am Mittwoch kein Brief bei uns einging, wurden wir nervös. Wir versuchten über die österreichische und Deutsche Post herauszufinden, wo sich die Expresssendung befand. Erst nach langem Hin und Her, da die Sendung noch keine deutsche Sendungsnummer erhalten hatte, stellte sich endlich heraus, dass sie sich irgendwo im Zentraldepot der Deutschen Post in Frankfurt am Main befand. So weit, so gut.

Es stellte sich aber auch heraus, dass der Fahrzeugbrief als Einschreiben statt per Express versendet worden war. Die Zustellung bis Donnerstag war unwahrscheinlich. Wir wären augenblicklich nach Frankfurt gefahren, um die Sendung abzuholen. Der genaue Verbleib des Fahrzeugbriefs im Zentrallager war jedoch nicht zu ermitteln. Es blieb uns also nichts Weiteres übrig, als abzuwarten.

Als die Sendung am Donnerstag dann tatsächlich nicht bei uns eintraf, hatten wir keine andere Wahl, als bei der Zulassungsstelle vorstellig zu werden in der Hoffnung, dass es dem bürokratischen Apparat vielleicht doch möglich sein könnte, eine Ausnahme zu machen. Vor Anspannung zitternd saßen wir am Donnerstagnachmittag bei der Zulassungsstelle, warteten, bis wir an der Reihe waren und hofften auf ein Wunder. Und irgendwie sollte es wohl sein, dass wir unsere lang vorbereitete Reise wie geplant antreten sollten. Die Zulassungsstelle drückte tatsächlich beide Augen zu und ermöglichte uns, unseren Sprinter anzumelden und den Fahrzeugbrief nachzureichen.

Als wir dann endlich die beiden Nummernschilder in den Händen hielten, hätten wir weinen können vor Glück. All die Strapazen waren nicht umsonst gewesen, und es konnte endlich losgehen!

Natürlich bestand unsere Reisevorbereitung nicht nur darin, ein Fahrzeug zu finden, aus- und umzubauen und zuzulassen. Ausrüstung, Werkzeuge und Ersatzteile mussten beschafft, Pkw und Motorrad verkauft, der Haushalt auf das Wesentliche reduziert und eingelagert und der Rest auf Flohmärkten verscherbelt werden. Selbst unsere Plattensammlung lösten wir auf. Unsere Jobs und unsere Wohnung kündigten wir, unseren Wohnsitz und unsere freiberuflichen Tätigkeiten meldeten wir ab. Unsere Steuererklärungen für das laufende Jahr bereiteten wir so weit wie möglich vor. Für die Reisekasse eröffneten wir ein gemeinsames Online-Konto mit EC- und Kreditkarten.

An Versicherungen schlossen wir weltweit geltende Auslandskranken-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Unfallversicherungen ab. Unsere Inlandskrankenversicherungen kündigten wir. Stattdessen schlossen wir so genannte Anwartschaftsversicherungen ab, die uns garantieren, jederzeit zu alten Konditionen und ohne neuerlichen Gesundheitstest wieder in unsere alten Krankenversicherungen aufgenommen zu werden. Somit sind wir auch für denjenigen Fall abgesichert, dass uns bei der Reise gesundheitlich etwas zustößt. Während der Reise haben wir lediglich die vergleichsweise geringen Kosten der Anwartschaftsversicherungen zu tragen.
Abonnements, Mitgliedschaften und Verträge reduzierten wir auf das Notwendigste. Als harte Nüsse erwiesen sich dabei die verschiedenen Telekommunikationsverträge. Am einfachsten war es noch, den Telefonanschluss bei der Telekom zu kündigen. Wesentlich mehr Nerven kostete es, bei anderen Anbietern für Internet-Zugang und Mobilfunk aus den Verträgen herauszukommen. Bei 1&1, unserem Internet-Provider waren etliche Anrufe, E-Mails und deutliche Worte erforderlich, bis man unsere Kündigung aus wichtigem Grund akzeptierte. Bei Debitel, unserem Mobilfunkanbieter halfen auch deutliche Worte nichts. Nachdem unsere zweijährige Mindestvertragslaufzeit abgelaufen war, machte man uns nicht etwa darauf aufmerksam, dass wir gegen Vertragsverlängerung Anspruch auf ein neues Mobiltelefon hatten. Nein, man wies uns wie selbstverständlich darauf hin, dass sich der Vertrag, da nicht gekündigt, gemäß den in den Filialen ausliegenden allgemeinen Geschäftsbedingungen (die wir dort noch nie ausliegen gesehen haben), um ein Jahr verlängert habe, und das wohlgemerkt ohne jegliche Gegenleistung! Unser Tipp: Mobilfunkverträge nach Vertragsabschluss vorsorglich am besten gleich zum Ende der Mindestvertragslaufzeit kündigen und später bei Bedarf einen neuen Vertrag abschließen!
Insgesamt konnten wir so unsere gemeinsamen monatlichen Fixkosten trotzdem auf unter 400 Euro reduzieren.

Über Monate hinweg ließen wir uns gegen alle erdenklichen Krankheiten, auch solche, von denen wir nie etwas gehört hatten, impfen. Neben den Standardimpfungen Diphtherie, Polio und Tetanus gehörten dazu Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, Gelbfieber, Hepatitis A und B, Japanische Enzephalitis, Meningokokken-Meningitis, Tollwut und Typhus.

All unsere wichtigen Dokumente kopierten wir mehrfach und scannten sie zusätzlich, um sie als PDF-Dateien auf Memorysticks immer bei uns tragen zu können. Von all unseren sonstigen Daten machten wir Sicherheitskopien. Für das Reisetagebuch überlegten wir uns eine Internet-Adresse, reservierten sie, besorgten Speicherplatz und richteten es ein.

All das liegt nun hinter uns, denn wir sind endlich unterwegs!

HIT THE ROAD!!!